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Sterbebegleiter arbeiten mit Kirchen zusammen

Linden / Limmer Sterbebegleiter arbeiten mit Kirchen zusammen

Der ambulante Hospiz- und Palliativdienst arbeitet mit Kirchengemeinden in Linden und Limmer bei der seelsorgischen und helfenden Sterbebegleitung zusammen.

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Liselotte Harkenthal (M.) hat doppelt Grund zur Freude: Enkelin Mieke und die ehrenamtliche Hospizhelferin Elisabeth Bisanz schauen bei der schwerkranken vorbei.

Quelle: Schmidt

Lieselotte Harkenthal versucht ein Lächeln. Es geht ihr nicht gut, ein schlechter Tag. Da hilft Besuch, Ablenkung. Das Lächeln gilt ihrer Enkelin Mieke, die auf einen Sprung vorbeigekommen ist. Wenig später erscheint auch noch Elisabeth Bisanz, ein Buch mit Berliner Zille-Geschichten in der Tasche. Bisanz wohnt gegenüber in Linden-Mitte und betreut Lieselotte Harkenthal für den Ambulanten Palliativ- und Hospizdienst (APHD). Die 75-jährige Berlinerin wird ihre Heimatstadt nicht mehr wiedersehen. „Meine Krankheit ist unheilbar“, sagt sie leise, aber gefasst und greift nach dem Zille-Büchlein. Später wird die ehrenamtliche APHD-Mitarbeiterin Lieselotte Harkenthal vielleicht ein bisschen im Rollstuhl durch Linden fahren.

Die Verbindung dieser beiden Frauen ist zukunftsweisend für die Arbeit des ältesten Hospizdienstes der Stadt. Die Mitarbeiter des APHD sollen möglichst im Stadtteil Menschen begleiten, die an einer unheilbaren Krankheit leiden oder im Sterben liegen. „Wir wollen unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Stadtteilen ein Gesicht geben“, erläutert Mareile Preuschhof, die den APHD vor 18 Jahren mitgegründet hat. Zu diesem Zweck arbeitet der Hospizdienst seit Kurzem auch mit den Kirchengemeinden in Linden und Limmer zusammen, ein ökumenisches Projekt. Zusammen mit den evangelischen Gemeinden St. Nikolai, Linden-Nord, St. Martin und Erlöser sowie den katholischen Gemeinden St. Godehart, St. Benno, Maria Trost und Christkönig möchte der APHD eine regionale Hospizgruppe gründen.

„Wir wollen die Kirchengemeinden wieder mehr in die Sterbebegleitung mit einbeziehen“, sagt Preuschhof. Die Hospizgruppe wird aus den im Stadtteil angesiedelten Ehrenamtlichen des APHD bestehen und jenen, die an einem einjährigen Ausbildungskursus teilnehmen – ebenfalls aus dem Stadtteil. Zusätzlich wird eine Veranstaltungsreihe mit Gesprächsabenden, Hospizgottesdiensten, kulturellen Veranstaltungen, Informationsständen und Seminaren das Projekt begleiten – vorzugsweise mit Referenten, Künstlern und Gruppen aus dem Stadtteil.

Beim 1992 gegründeten APHD arbeiten stadtweit sieben Festangestellte und 90 ehrenamtliche Mitarbeiter, zehn davon in Linden und Limmer. Im Jahr 2009 haben die Mitarbeiter in ganz Hannover 302 Familien begleitet. In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es in Linden und Limmer elf Familien. Die meisten Begleitungen dauern nach Auskunft von Mareile Preuschhof zwischen einer Woche und einem Monat, manchmal auch nur einen Tag.

In Ausnahmefällen kann die Begleitung eines sterbenskranken Menschen und seiner Familie auch ein Jahr dauern. Dann sind vor allem Erfahrungen in der Palliativarbeit wichtig. Das bedeutet, dem unheilbar kranken Menschen das Leben auch mit Medikamenten erträglich zu machen, Schmerzen zu lindern. „In solchen Fällen arbeiten wir immer häufiger mit Hausärzten zusammen, die sich in der Palliativmedizin nicht so auskennen“, berichtet Preuschhof.

Es gebe einen wachsenden Bedarf an Menschen, die Sterbende zuhause in der ihrer vertrauten Umgebung seelsorgerisch und helfend betreuen und auch deren Angehörige unterstützen. Daher möchte der APHD im Rahmen seiner Umstrukturierung auch neue Ehrenamtliche gewinnen. „Wir bekommen immer häufiger Anrufe von Kranken die sagen, ich möchte raus und kann aber nicht, kann mir jemand helfen“, sagt Preuschhof. So ähnlich hat auch Lieselotte Harkenthal vor einiger Zeit angerufen. An diesem Tag aber möchte sie gar nicht raus. Es ist kein guter Tag.

Die Veranstaltungsreihe beginnt am Sonnabend, 30. Oktober, mit einem Konzert. Es singen Sisters Crossing in der St. Bennokirche, Offensteinstraße 8, ab 19 Uhr. Anschließend erzählen Betroffene und Mitarbeiter aus ihren Erfahrungen.

Karin Vera Schmidt

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