Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Sterbebegleiter arbeiten mit Kirchen zusammen
Hannover Aus den Stadtteilen West Sterbebegleiter arbeiten mit Kirchen zusammen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:50 21.10.2010
Liselotte Harkenthal (M.) hat doppelt Grund zur Freude: Enkelin Mieke und die ehrenamtliche Hospizhelferin Elisabeth Bisanz schauen bei der schwerkranken vorbei. Quelle: Schmidt

Lieselotte Harkenthal versucht ein Lächeln. Es geht ihr nicht gut, ein schlechter Tag. Da hilft Besuch, Ablenkung. Das Lächeln gilt ihrer Enkelin Mieke, die auf einen Sprung vorbeigekommen ist. Wenig später erscheint auch noch Elisabeth Bisanz, ein Buch mit Berliner Zille-Geschichten in der Tasche. Bisanz wohnt gegenüber in Linden-Mitte und betreut Lieselotte Harkenthal für den Ambulanten Palliativ- und Hospizdienst (APHD). Die 75-jährige Berlinerin wird ihre Heimatstadt nicht mehr wiedersehen. „Meine Krankheit ist unheilbar“, sagt sie leise, aber gefasst und greift nach dem Zille-Büchlein. Später wird die ehrenamtliche APHD-Mitarbeiterin Lieselotte Harkenthal vielleicht ein bisschen im Rollstuhl durch Linden fahren.

Die Verbindung dieser beiden Frauen ist zukunftsweisend für die Arbeit des ältesten Hospizdienstes der Stadt. Die Mitarbeiter des APHD sollen möglichst im Stadtteil Menschen begleiten, die an einer unheilbaren Krankheit leiden oder im Sterben liegen. „Wir wollen unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Stadtteilen ein Gesicht geben“, erläutert Mareile Preuschhof, die den APHD vor 18 Jahren mitgegründet hat. Zu diesem Zweck arbeitet der Hospizdienst seit Kurzem auch mit den Kirchengemeinden in Linden und Limmer zusammen, ein ökumenisches Projekt. Zusammen mit den evangelischen Gemeinden St. Nikolai, Linden-Nord, St. Martin und Erlöser sowie den katholischen Gemeinden St. Godehart, St. Benno, Maria Trost und Christkönig möchte der APHD eine regionale Hospizgruppe gründen.

„Wir wollen die Kirchengemeinden wieder mehr in die Sterbebegleitung mit einbeziehen“, sagt Preuschhof. Die Hospizgruppe wird aus den im Stadtteil angesiedelten Ehrenamtlichen des APHD bestehen und jenen, die an einem einjährigen Ausbildungskursus teilnehmen – ebenfalls aus dem Stadtteil. Zusätzlich wird eine Veranstaltungsreihe mit Gesprächsabenden, Hospizgottesdiensten, kulturellen Veranstaltungen, Informationsständen und Seminaren das Projekt begleiten – vorzugsweise mit Referenten, Künstlern und Gruppen aus dem Stadtteil.

Beim 1992 gegründeten APHD arbeiten stadtweit sieben Festangestellte und 90 ehrenamtliche Mitarbeiter, zehn davon in Linden und Limmer. Im Jahr 2009 haben die Mitarbeiter in ganz Hannover 302 Familien begleitet. In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es in Linden und Limmer elf Familien. Die meisten Begleitungen dauern nach Auskunft von Mareile Preuschhof zwischen einer Woche und einem Monat, manchmal auch nur einen Tag.

In Ausnahmefällen kann die Begleitung eines sterbenskranken Menschen und seiner Familie auch ein Jahr dauern. Dann sind vor allem Erfahrungen in der Palliativarbeit wichtig. Das bedeutet, dem unheilbar kranken Menschen das Leben auch mit Medikamenten erträglich zu machen, Schmerzen zu lindern. „In solchen Fällen arbeiten wir immer häufiger mit Hausärzten zusammen, die sich in der Palliativmedizin nicht so auskennen“, berichtet Preuschhof.

Es gebe einen wachsenden Bedarf an Menschen, die Sterbende zuhause in der ihrer vertrauten Umgebung seelsorgerisch und helfend betreuen und auch deren Angehörige unterstützen. Daher möchte der APHD im Rahmen seiner Umstrukturierung auch neue Ehrenamtliche gewinnen. „Wir bekommen immer häufiger Anrufe von Kranken die sagen, ich möchte raus und kann aber nicht, kann mir jemand helfen“, sagt Preuschhof. So ähnlich hat auch Lieselotte Harkenthal vor einiger Zeit angerufen. An diesem Tag aber möchte sie gar nicht raus. Es ist kein guter Tag.

Die Veranstaltungsreihe beginnt am Sonnabend, 30. Oktober, mit einem Konzert. Es singen Sisters Crossing in der St. Bennokirche, Offensteinstraße 8, ab 19 Uhr. Anschließend erzählen Betroffene und Mitarbeiter aus ihren Erfahrungen.

Karin Vera Schmidt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Interessengemeinschaft (IG) Ricklingen feierte am vergangenen Wochenende das Oktoberfest. Neben dem Knüpfen von Kontakten wurden aber Probleme im Stadtteil angesprochen.

21.10.2010

Ein maskierter Mann hat in der Nacht zu Mittwoch eine Spielhalle in Linden-Nord überfallen. Der Täter hat eine 36 Jahre alte Angestellte mit einer Schusswaffe bedroht und ist danach mit Geld geflüchtet. Die Polizei sucht Zeugen.

20.10.2010

Eine Diebesbande ist in Hannover-Linden in die Wohnung einer 45-Jährigen eingebrochen. Der Gesamtwert der Beute: Rund 40.000 Euro. Die Polizei sucht die Täter jetzt mit Bildern aus einer Überwachungskamera.

18.10.2010