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West Transition Town Hannover wirbt für Öl-Ausstieg
Hannover Aus den Stadtteilen West Transition Town Hannover wirbt für Öl-Ausstieg
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12:02 28.10.2010
Der Boden auf dem ehemaligen Parkplatz des alten Conti-Geländes wurde stellenweise schon aufgerissen. Im Frühjahr sollen hier mobile Gärten entstehen. Quelle: Schwarzenberger
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Im englischen Städtchen Totnes entwarf 2006 eine Gruppe engagierter Bürger einen verwegenen Plan. Bis 2030 wollen sie ihren Heimatort unabhängig machen von jenem Rohstoff, der die Weltindustrie schmiert: dem Öl. Seither haben sich auch in Deutschland immer mehr sogenannte Transition Town Initiativen gegründet – inzwischen ist die Bewegung auch in Hannover angekommen. In Limmer schlägt das Herz der neuen Gruppierung, die bereits Spuren auf dem ehemaligen Conti-Parkplatz an der Wunstorfer Straße hinterlassen hat.

Haufen von altem Asphalt und tiefe Löcher prägen die Fläche, die lange Zeit Abstellplatz für Conti-Mitarbeiter in Limmer war. Im Sommer holte „Transition Town Hannover“ (TTH) freiwillige Helfer, die mit Pickel und Spaten der Brache zu Leibe rückten. In Handarbeit wurde ein Stück des Großparkplatzes zerlegt. Die Aktion war ein Mix aus Performance – nach dem Motto: mal wieder selbst Hand anlegen – und Vorbereitung für Größeres. Der Conti-Parkplatz könnte auf Jahre hinaus zentrale Anlaufstelle für Mitglieder und Sympathisanten der TTH werden. Ein Dauercamp also, in dem verschiedene Aktionen ablaufen können.

Thomas Köhler, Sozialwissenschaftler aus Limmer und Sprecher von TTH, hat da schon ein besonderes Projekt im Visier. „Ein mobiler Garten wäre dort möglich“, sagt er. Im kommenden Frühjahr ließen sich Kisten mit Hochbeeten auf der Brache aufstellen. Blumen, Gemüse, Obst – was auch immer den Mitgliedern einfällt, könnte angepflanzt werden. Ein grünes Projekt mitten in einer alten Industriebrache.

Dass auf diese Weise mit körperlicher Arbeit sowie mit dem Einsatz lokaler Obst- und Gemüsesorten etwas Neues entsteht, beschreibt einen wesentlichen Kern von Transition Town. Als „Bewegung für eine Stadt des Übergangs“ ließe sich der Begriff übersetzen. Im englischen Totnes begann es ähnlich. Öffentliche Flächen wurden gemeinschaftlich als Gärten genutzt; Workshops zum Stromsparen, über alte Handwerkstechniken oder zum Häuserbau mit alternativen Materialien folgten.

Und immer wieder aufs Neue erproben, wie sich am besten auf Benzin und andere fossile Energieträger verzichten ließe. Denn das Öl, so der Tenor der Bewegung, hört irgendwann auf zu fließen. „Auch eine Stadt wie Hannover muss begreifen, dass das kein Witz ist“, sagt Köhler.

Mehr Regionalisierung, weniger Abhängigkeit vom Welthandel, neue Strukturen in Handel oder Nahverkehr für die TTH gibt es viele Aufgaben, um eine Stadt wie Hannover auf die ölarme Zeit vorzubereiten. „Uns geht es aber auch darum, dass die Bürger selber aktiv werden“, meint Köhler. Mehr Bewusstsein für die Selbstversorgung oder weniger Autoverkehr wären Möglichkeiten dafür.

Anfang des Jahres hat sich TTH gegründet, der inzwischen mehr als 30 Aktive angehören. Wissenschaftler sind darunter, Ingenieure, Freiberufler. Auch die Lindener Bildungseinrichtung „Wissenschaftsladen Hannover“ macht mit. „Energie ist ohnehin ein Thema bei uns“, sagt Mitarbeiter Thomas Meiseberg. Transition Town werde auch in Projekten mit Jugendlichen einfließen.

Transition Town ist eine weltumspannende Bewegung geworden. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es Initiativen. Die Bewegung organisiert jetzt ihre erste deutschsprachige Transition-Konferenz. Sie findet vom 19. bis 21. November im Stadtteilzentrum KroKus statt. Weitere Projekte in Limmer gibt es spontan. Interessierte können sich bei Thomas Köhler, Telefon 7 00 10 55, informieren.

Marcel Schwarzenberger

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