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West Video löst heftige Debatten aus
Hannover Aus den Stadtteilen West Video löst heftige Debatten aus
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10:11 22.02.2014
Von Tobias Morchner
In dem viel diskutierten Film ziehen Jugendliche durch Lindens Straßen. Quelle: Nord-Nord TV
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Linden

Der ältere Mann hat keine Chance, dem Angriff zu entgehen. Wenige Sekunden, nachdem er sich über mehrere Jugendliche beschwert hat, die früh morgens laut gröhlend durch die Straßen von Linden-Nord ziehen, wird er von einem aus der Gruppe mit einer Bierflasche attackiert. In Superzeitlupe zersplittert das Glas an seinem Hinterkopf. Der Mann verdreht die Augen. Er wird wohl ohnmächtig zu Boden gehen, doch diese Szene sieht man nicht mehr. Statt dessen endet der Kurzfilm „Party in Hannover Linden-Nord“, der seit Dienstag für Gesprächsstoff in der Stadt sorgt, mit einer Frage: „Wie weit geht deine Party?“

Der Streifen ist im Auftrag der Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord gedreht worden. Er soll eine Diskussion über die zunehmende Belastung durch die Partybesucher in dem angesagten Viertel in Gang bringen. Die drastischen Szenen, die darin zu sehen sind, werden von angehenden Schauspielern gespielt. Doch weit entfernt von der Realität sind sie offenbar nicht.

Am Montagabend musste die Polizei eine handfeste Auseinandersetzung auf der Limmerstraße beenden. Zu den Hintergründen des Streits wollte sich die Behörde nicht äußern. HAZ-Informationen zufolge hatte eine Gruppe von Männern gegen 20.40 Uhr vor einem Supermarkt lautstark getrommelt. Als sich ein 52-jähriger Anwohner über den Lärm beschwerte, wurde er angegangen und durch Schläge verletzt. Die Beamten nahmen zwei Männer - der eine 29, der andere 40 Jahre alt - vorläufig fest und leiteten ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.

Der Kurzfilm „Party in Hannover Linden-Nord“, der unentgeltlich von der Lindener Produktionsfirma Nord-Nord TV gedreht wurde, ist binnen eines Tages mehr als 5500-mal im Internet angesehen worden. Inzwischen ist dort auch eine lebhafte Diskussion über das Video und dessen Hintergründe entbrannt. „Man muss halt wissen, worauf man sich dort einlässt. Ich kann nicht auf dem Kiez wohnen, aber bitte schön ab 22 Uhr meine Ruhe haben wollen“, heißt es in einem Beitrag auf HAZ.de. Ein anderer Leser stellt fest: „Die Kritik am Lärm und an gröhlenden Kids ist berechtigt. Auch die Idee mit dem Clip ist nicht verkehrt, aber das typische Verhalten ist doch sicherlich nicht, dass besoffene Jugendliche hinterrücks am helllichten Tage Rentner mit Flaschen niederschlagen“.

„Als Anwohner im direkten Party-Einzugsgebiet ist es eine Unverfrorenheit, mir anhören zu müssen, ich hätte Isofenster und die Möglichkeit, in einem innenliegenden Raum mein Schlafquartier einzurichten“, heißt es wiederum in einem anderen Beitrag im HAZ-Forum.

Die Nachbarschaftsinitiative, die die Idee zu dem Filmprojekt entwickelt hat, will es nicht bei dem Video belassen. „Es werden gerade Runde Tische ins Leben gerufen, an denen das Thema mit Vertretern der Polizei, der Politik und den Anwohnern weiter diskutiert werden soll“, sagt Norbert Wolf von der Bürgerinitiative. Henning Chadde vom Team des Veranstaltungszentrums Faust findet den Kurzfilm zu drastisch: „Er entspricht nicht der Realität“, sagt er. Statt dessen plädiert er für eine Plakat- und Handzettel-Kampagne, mit der die Gäste für die Anliegen der Anwohner sensibilisiert werden könnten. „Nur eines ist auch klar: Wer einen lebendigen Stadtteil haben möchte, der muss auch im Sommer ein gewisses Maß an Lebendigkeit auf offener Straße hinnehmen, anders geht es nicht.“

Konzept gegen Trinkgelage

Die Probleme mit nächtlichen Ruhestörern nehmen nicht nur in Linden-Nord stetig zu. Ärger gibt es unter anderem auch am Gartenfriedhof an der Marienstraße, am Andreas-Hermes-Platz und am Zentralen Omnibusbahnhof. Dabei spielen in der Regel nicht jugendliche Partygäste die Hauptrolle, sondern eher Menschen aus dem Trinkermilieu. Die Stadt hat ein Konzept gegen diese Art von Gelagen auf den Weg gebracht. Es soll nach der Sommerpause den Kommunalpolitikern vorgelegt werden.

Geht es nach den Plänen der Verwaltung, werden künftig städtische Ordnungshüter wie die „Servicegruppe Innenstadt“, Sozialarbeiter, die Polizei und die Parkranger des Grünflächenamtes nachts nach dem Rechten sehen. Aus den Erfahrungen der Helfer vor Ort ergeben sich dann die Maßnahmen, die an den verschiedenen Plätzen getroffen werden können. So können beispielsweise Konfliktmoderatoren eingesetzt werden oder die Betreuung eines Platzes den Mitarbeitern sozialer Einrichtungen übertragen werden.

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