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West Waldschlösschen hat neuen Eigentümer
Hannover Aus den Stadtteilen West Waldschlösschen hat neuen Eigentümer
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00:20 27.06.2015
Steht seit Jahren leer: Das Waldschlösschen in Ricklingen hat seine besten Tage längst hinter sich – nun soll das verfallene Gebäude bald wieder belebt werden. Quelle: Marcel Schwarzenberger
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Hannover

Arbeiter machen sich im Inneren des verfallenen Gebäudes zu schaffen. Im Stadtteil wird bereits über eine Neubelebung als Café und Hotel spekuliert. Und genau so wird es auch kommen: Ein Privatmann aus Ricklingen hat das Haus am Mühlenholzweg vor zwei Monaten gekauft. Binnen eines Jahres will er neues Leben in das Haus bringen, das gut ein Jahrhundert alt ist und schon seit Langem leersteht. „Das Waldschlösschen kommt wieder, mit Hotel und Gaststätte“, sagt der Investor, der vorläufig noch nicht mit seinem Namen in der Zeitung erscheinen möchte, gegenüber dem Stadt-Anzeiger.

Der Ricklinger kommt aus der Baubranche, hat das Rentenalter erreicht und möchte sich mit der Revitalisierung des historischen Hotels einen Traum erfüllen. Es hätte auch eine Gaststätte im Ausland sein können, erklärt der Investor. „Aber als alter Ricklinger liegt mir das Waldschlösschen am Herzen.“ Als Jugendlicher habe er eine Tanzschule besucht, die einst im großen Saal des Hotelrestaurants jungen Eleven die ersten Schritte auf dem Parkett beibrachte.

Die benachbarte Bundesstraße 3 stört den Bauherrn bei seinen Plänen nicht. Er setzt auf die guten Verkehrsanbindungen und rechnet auch mit dem geplanten Ausbau der Stadtbahnlinie nach Hemmingen. Am Ricklinger Stadtfriedhof soll in den nächsten Jahren ein Hochbahnsteig entstehen. Auch zum Waldschlösschen ist es von dort nicht weit. Wegen der Nähe zum Friedhof richtet sich der Investor auch auf Trauerfeiern ein. Gastronomie, ein Kaffeegarten und Hotelbetrieb - all das soll bis zum kommenden Jahr in Betrieb sein.

Einst ein beliebtes Ausflugsziel

Zwischen Stadtverwaltung und Investor laufen derzeit Abstimmungen über den Bau. Zu sehr ins Detail wollen beide Seiten noch nicht gehen. Erst im Mai hatte der Bezirksrat Ricklingen die Verwaltung aufgefordert, sich Gedanken um den Standort zu machen. Das Waldschlösschen galt schließlich einst als beliebtes Ausflugsziel. Durch den jahrzehntelangen Leerstand aber verfiel das Gebäude zusehends. Ob Nachnutzung oder Abriss - der Bezirksrat verlangte von der Stadt eine Lösung in die eine oder andere Richtung. Kurz darauf begannen erste Arbeiten im Hotel. „Das kam auch für uns überraschend“, erklärt Bezirksbürgermeister Andreas Markurth.

Auch Anliegern ist nicht verborgen geblieben, dass im Waldschlösschen etwas passiert. „Es sieht so aus, als ob dort entkernt wird“, sagt Hans-Karl Leonhardt, Vorsitzender des benachbarten Sportvereins TSV Saxonia. Vor gut drei Jahrzehnten sei der Gastronomiebetrieb im Hotel eingestellt worden, berichtet er. „Die Ricklinger Vereine haben in dem Saal, der gut 100 Personen fasste, oft und gern gefeiert“, erinnert sich der Klubchef. Längst haben sie Alternativen gefunden. Saxonia und andere Klubs haben zudem eigene Vereinslokale. Ein neues Gasthaus im Waldschlösschen wäre schon ein Konkurrenzbetrieb, meint Leonhardt. Dennoch sehe er einem Neuanfang gelassen entgegen. „Der Anblick eines verfallendes Hauses ist ja nicht gerade schön.“ Wichtig sei, dass jetzt endlich entschieden werde, ob das „marode Haus aufwendig saniert oder abgerissen wird“. Aus seiner Sicht sei der Abriss wohl die sinnvollste Lösung.

Möglichst viel vom Gebäude soll erhalten bleiben

Diese Meinung teilten viele Ricklinger, meint der neue Bauherr. „Aber das Waldschlösschen ist keine Ruine. Ich kriege das wieder hin.“ Möglichst viel von dem historischen Gebäude soll erhalten bleiben. Klempner- und Elektroarbeiten seien bereits ausgeschrieben, berichtet der Investor. Auch Servicepersonal und Köche will der Mann, der selbst kein Gastronom ist, einstellen.

Vorerst aber hat der Eigentümer Ärger mit Randalierern. Eingeworfene Scheiben und frische Graffiti habe er in den vergangenen Wochen zu beklagen gehabt. Kurzerhand hängte er Zettel am Waldschlösschen aus, auf denen er eine Belohnung für Hinweise auf die Täter ankündigte. „Ich hoffe, das wirkt jetzt auch.“

Der vorige Eigentümer, Franz Mögling, war mit einem Versuch gescheitert, das idyllisch am Ricklinger Holz gelegene Gebäude als Kleinhotel neu zu beleben. Auch eine Nachnutzung als Veranstaltungszentrum war noch im vergangenen Jahr im Gespräch. Für Wohnzwecke eignet sich der Standort wegen der benachbarten B 3 nicht. Die Eigentümerfamilie scheute den großen Sanierungsaufwand, um den alten Tanzsaal und die Räume neu herrichten zu lassen. Bereits vor einem Jahr hatte die Familie angekündigt, das Haus verkaufen zu wollen.

Von Marcel Schwarzenberger

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