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West Wehrmachtsdeserteure auf dem Fössefeld-Friedhof begraben
Hannover Aus den Stadtteilen West Wehrmachtsdeserteure auf dem Fössefeld-Friedhof begraben
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13:42 11.02.2011
Werner Trolp hat die Geschichte des Fössefeld-Friedhofs aufgeschrieben. Quelle: Gerda Valentin

Ziemlich unauffällig wirkt der Fössefeld-Friedhof, der am Rande von Limmer in Nähe zum Westschnellweg liegt. Hinter einer schlichten Mauer verbergen sich 840 Gräber, von denen die meisten militärischen Ursprungs sind. Tritt man durch das Eingangstor an der Friedhofstraße, ist nicht zu ahnen, dass es sich bei dieser Begräbnisstätte um einen außergewöhnlichen Ort handelt. Denn auf dem Fössefeld-Friedhof ruhen auch Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg wegen „Fahnenflucht“ oder „Sabotage“ erschossen wurden.

Einen ausgiebigen Beitrag dazu hat der ehemalige Oberstleutnant Werner Trolp jetzt in den Hannoverschen Geschichtsblättern veröffentlicht. Auf dem Fössefeld-Friedhof sind demnach 43 Soldaten begraben, die von der nationalsozialistischen Wehrmacht hingerichtet wurden. „Es genügte, nur eine Parole gegen die Nazis an die Wand zu malen, um an den Pfahl gestellt zu werden“, zitiert Trolp einen Zeitzeugen.

Der Autor schildert die Details einer solchen Exekution. Seine letzte Nacht verbrachte ein Verurteilter im Wehrmacht-Untersuchungsgefängnis am Waterlooplatz. Am folgenden Tag wurde er zum Militärgelände an der Kugelfangtrift in Vahrenheide transportiert und dort an den bewussten Pfahl gefesselt. Als Geistliche standen der Wehrkreispfarrer Laasch oder Superintendent Feilcke aus Limmer bereit. Zehn Mann bildeten das Erschießungspeloton und unter dem Kommando „Feuer!“ brach das Opfer tödlich getroffen in sich zusammen. „Es ist eine Mär, dass manche der Schützen nur Platzpatronen gehabt hätten. Geschossen wurde immer scharf“, sagte Trolp im Gespräch mit dem Stadt-Anzeiger. In einem Sarg wurde der Leichnam des Hingerichteten anschließend zum Fössefeld-Friedhof gebracht und dort beigesetzt.

Eigentlich schreibt Trolp gerade an seiner Doktorarbeit über die Militärseelsorge im Königreich Hannover. Auf einem „Nebenweg“ stieß er auf die hannoverschen Militärkirchenbücher aus dem Zweiten Weltkrieg. „Der Fössefeld-Friedhof ließ mich dann so schnell nicht wieder los“, berichtet der 67-Jährige. Unterstützung für weitere Nachforschungen fand er unter anderem im Kirchenbuchamt an der Hildesheimer Straße, beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Stadtarchiv Hannover.

Immer mehr Ergebnisse traten somit zutage: Weitere 19 tote Soldaten sind in den Listen unter der Kategorie „Selbstmord“ eingetragen. Auf dem Fössefeld-Friedhof fanden sie ihren Platz zwischen den Gräbern der Exekutierten. Eine geschlossene Doppelreihe befindet sich rechts vom Eingang in Nähe der Mauer und ist an den gleichförmigen, niedrigen Grabsteinen in Form eines „Eisernen Kreuzes“ zu erkennen; weitere Gräber liegen verstreut innerhalb der Abteilung 21 am Hauptweg. Jung gestorben sind die hier Bestatteten fast alle, und manche waren zum Zeitpunkt ihres gewaltsamen Todes erst 19 oder 20 Jahre alt.

In seiner Historie hat der Fössefeld-Friedhof bislang nur wenige Spuren hinterlassen. Angelegt wurde er 1868 als Garnisonsfriedhof für Angehörige des in Hannover stationierten Militärs. Ein Obelisk erinnert an die gefallenen Lindener aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71; auch ein Denkmal für im Lazarett verstorbene französische Kriegsgefangene ist vorhanden. Der Erste Weltkrieg füllte die Reihen. Nach 1920 wurde eine neue Kapelle errichtet und das Gelände auf 1,3 Hektar erweitert. Eine kurze Zeit diente der Fössefeld-Friedhof auch als öffentliche Begräbnisstätte, bevor ihn die Stadt 1971 außer Dienst stellte.

Durch Initiativen aus dem Freizeitheim Linden und dem Friedensbüro Hannover war bekannt, dass auf dem Fössefeld-Friedhof auch mehrere Deserteure aus dem Zweiten Weltkrieg bestattet sind. Dank der Forschungen von Werner Trolp und der Veröffentlichung in den Hannoverschen Geschichtsblättern, Neue Folge Band 63, bekam das Thema nun eine völlig neue Dimension. Die Stadt hat jetzt die Lindener „Otto-Brenner-Akademie“ damit beauftragt, Weiteres zur Geschichte des Fössefeld-Friedhofs zusammenzutragen. Egon Kuhn und Jonny Peter vom Arbeitskreis „Deserteure“ wollen sich bei ihren Recherchen auf die Arbeit von Trolp stützen. Auch ein Ziel haben sie sich bereits gesetzt: Wenn das Projekt weiter vorangekommen ist, wollen sie die Öffentlichkeit unter anderem durch eine Hinweis-Tafel auf dem Fössefeld-Friedhof informieren.

Gerda Valentin

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