Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Vereine wehren sich gegen Kündigung der Stadt
Hannover Aus den Stadtteilen West Vereine wehren sich gegen Kündigung der Stadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 28.06.2018
Viel Kritik: Vertreter von Vereinen und ehrenamtlichen Organisationen wollen die Kündigung des Raumes am Edelhof nicht hinnehmen. Quelle: Foto:Steele
Wettbergen

Das ehrenamtliche Engagement in Wettbergen ist mehr als vorzeigbar: 19 Vereine bieten im Stadtteil Woche für Woche Kurse und Treffen für junge und ältere Teilnehmer an, die gut angenommen werden. Anders sieht das beim Kommunalen Seniorenservice Hannover (KSH) aus, mit dem die Stadt in Wettbergen vertreten ist. Offenbar kann das Angebot nicht richtig Fuß fassen kann, die städtischen Senioren-Angebote sind nicht gut genug besucht – darum will die Verwaltung den KSH aus dem Stadtteil zurückziehen. Den Mietvertrag am Edelhof Wettbergen hat die Stadt bereits zum Jahresende gekündigt.

Für die Vereine, die den betroffenen Raum mitnutzen, ist das „eine Katastrophe“, wie sie bei einer Pressekonferenz verdeutlichten. Mitglieder des Verbandes Wettberger Vereine (VWV) machten ihrem Unmut über die Stadt bei dieser Gelegenheit aber auch im Hinblick auf andere Themen Luft.

Lückenloser Belegungsplan

„Es hieß von Seiten der Stadt, dass der Raum hier nicht gut angenommen wird“, sagte die DRK-Vorsitzende Karin Dohrmann – und hielt den wöchentlichen Belegungsplan hoch, der kaum Lücken hat. Neben dem DRK wird der Raum auch vom Sozialverband, von den Briefmarkenfreunden und anderen Gruppen regelmäßig genutzt.

„Das geht jetzt alles den Bach runter, wenn der Raum wegfällt“, bemerkte eine Anwohnerin verärgert. „Dann muss ich bald alleine zu Hause in meiner kleinen Wohnung sitzen.“ Der Gedanke daran trifft viele hart. Die Frage „Wo sollen wir denn hin?“ hallte immer wieder durch den Raum. „Man hat wirklich das Gefühl, dass Wettbergen abgehängt werden soll“, sagte Iris Nölting vom CDU-Kreisverband Hannover-Stadt. „Eigentlich sollte die Stadt es doch fördern, dass wir so eine starke ehrenamtliche Arbeit haben. Aber sie tut genau das Gegenteil und nimmt uns die Chance, dieses Ehrenamt auszufüllen.“

Inzwischen haben SPD und CDU im Bezirksrat einen Antrag gestellt, in dem sie Lösungen von der Verwaltung für die Raumsituation am Edelhof fordern. Um darauf zu reagieren, hat die Stadt allerdings vier Monate Zeit. „Diese Zeit haben wir nicht – es muss jetzt etwas passieren“, betonte Dohrmann. „Bald sind die Ferien und dann ist auch schon fast Oktober. Dann können wir hier einpacken.“

Auf Vorschlag von Bezirksratsfrau Michaela Michalowitz (CDU) wollen die Vereine nun eine Resolution an den Oberbürgermeister schicken. „Wir werden die geballte ehrenamtliche Kraft Wettbergens auffahren und um unseren Raum kämpfen“, sagte sie. Die Stadt habe den Vereinen gegenüber auch einen moralische Verpflichtung. „Der Raum ist schon das Minimum eines Angebots, das die Stadt ermöglichen kann. Es kann nicht sein, dass sie uns das auch noch wegnehmen wollen.“

Eine eigene Anmietung des Raumes durch den VWV steht nicht zur Debatte, da sicher kein Geld für die Miete hat. In diesem Zusammenhang ergab sich eine weitere Frage der Vereinsvertreter und Anwohner. „Wo fließt das Geld künftig hin, das eigentlich für die Seniorenarbeit in Wettbergen gedacht ist?“, fragte CDU-Kreisverbandsfrau Nölting. Eine Frage, die von der Stadt bisher unbeantwortet geblieben sei.

Bei der Pressekonferenz kamen weitere Probleme von Wettberger Vereinen zur Sprache.

Probleme bei der TuS

Die TuS Wettbergen fühlt sich von der Verwaltung im Stich gelassen. „Wir haben Riesenärger mit den Sanitäranlagen in unserem Sportpark“, sagte der Vorsitzende Wolfgang Neumann. „Seit Oktober 2017 werden die Duschen und Bäder saniert, aber es geht nicht voran.“ Zuletzt habe der Verein einen Antrag auf Pachtminderung an die Stadt geschickt, mit einer Antwortfrist bis zum 31. Mai – bislang gebe es noch keine Reaktion. Auch die Pflege des Sportparks sei „eine Katastrophe. Die städtische Wartung ist schlecht, unsere Plätze sehen schlimm aus“, betonte Neumann verärgert. „Es scheint, als wäre die TuS der Stadt egal.“ Weitere Aufgaben stehen an: Die Pflasterung des Parkplatzes muss bis zum Herbstlauf fertig sein, und es wird ein Betreiber für das Restaurant am Sportpark gesucht, dessen Pachtvertrag Ende des Jahres ausläuft. Es sei nun schwer, der Stadt in diesen Fällen zu vertrauen, meinte der TuS-Vorsitzende.

Kinderpark droht das Aus

Eine besonders prekäre Situation gibt es beim Kinderpark: Die Elterninitiative steht kurz vor der Schließung, weil ihr Mitglieder und Geld fehlen. Die Eltern bieten Spielgruppen und Gruppen für Kinder an, die bis zu drei Tage in der Woche zwischen 8.30 und 11.30 Uhr betreut werden. „Wir haben zum 1. August noch acht Plätze in unserer Krippengruppe frei“, sagte die Vorsitzende Claudia Behrens-Schmidt. Ohne städtische Unterstützung könne der Verein die finanziellen Probleme nicht bewältigen. „Wir brauchen Hilfe, weil wir sonst schließen müssen, bekommen aber keine.“

Von Johanna Steele

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die IGS-Linden ist als Partnerschule der Ideen-Expo ausgezeichnet worden. Grund dafür ist ein Escape-Room oder Rätselraum, den Schüler der Schule gestaltet hatten und der ein wahrer Publikumsmagnet auf der Ideen-Expo war.

24.06.2018

Denkmalschutz für eine ganze Straße? Das wäre neu in Hannover. Der Bezirksrat Ricklingen versucht eine solche Erhaltungssatzung für den Ricklinger Stadtweg zu erlassen, um das historische Straßenbild zu schützen.

23.06.2018

Hunderte Besucher kommen zum Straßenfest des Jamiel-Kiezes. Aber was ist das eigentlich?

22.06.2018