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West Wie die Kultur den Gipfel erreichte
Hannover Aus den Stadtteilen West Wie die Kultur den Gipfel erreichte
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08:59 25.01.2013
Der Verein Quartier bringt ordentlich Schwung in das kulturelle Leben auf dem Lindener Berg. Quelle: Gerda Valentin
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Linden-Mitte

Oben auf dem Lindener Berg ist der ehemalige Küchengartenpavillon längst zu einer Art Wahrzeichen für den gesamten Stadtteil geworden. Nur wenige Schritte hinter dem Tor des alten Lindener Bergfriedhofs bildet dieser Bau ein architektonisches Schmuckstück aus der Zeit des Barock. Aber auch drinnen hat er einiges zu bieten: Schon seit zehn Jahren ist hier der Verein Quartier zuhause, der das kulturelle Leben auf dem Lindener Berg seitdem ordentlich in Schwung gebracht hat.

Seine ersten Mitstreiter, von denen einige ihre Wurzeln noch in der Bürgerinitiative Linden-Nord aus den siebziger Jahren hatten, befanden eines Tages, dass man sich auch weiterhin für Linden engagieren könnte. Als Domizil entdeckten sie im Jahr 2000 den historischen Küchengartenpavillon. Das Gebäude war damals ziemlich marode. Aber mutig begründete die Gruppe den Verein Quartier und machte sich an ein Konzept für die Nutzung. Nach langen Diskussionen zogen Kulturamt, Friedhofsverwaltung, die Arbeitsgemeinschaft Lindener Vereine und weitere Förderer schließlich an einem Strang. Die Stadt ließ das Gebäude wieder herrichten, und im Dezember 2002 hielt der Verein Quartier darin seinen Einzug.

„Uns war es zunächst wichtig, fast täglich im Küchengartenpavillon anwesend zu sein - auch, um ihn vor Vandalismus zu schützen“, erinnert sich Jonny Peter vom Vorstand des Vereins. Gleich am Anfang schauten neugierig die ersten Spaziergänger vorbei. Schnell sprach sich herum, dass sich in dem Pavillon wieder „etwas tut“; und außerdem wurde noch zum Jahreswechsel 2003 der erste Linden-Kalender herausgegeben.

Seitdem hat sich die Arbeit des Vereins Quartier zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Mit der „Mix-Tour“ zu den Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung, bislang mehr als 60 Ausstellungen, Lesungen, kleinen Konzerten, drei Seifenkistenrennen und außerdem durch die Herausgabe von Broschüren wurden der Lindener Berg und seine Geschichte in das Licht der Öffentlichkeit gerückt.

Ein Großereignis ist in jedem Frühjahr das Scilla-Blütenfest. Tausende von Besuchern strömen dann zum Lindener Berg und erfreuen sich an dem strahlend blauen Blütenteppich und einem reichhaltigen Kulturprogramm. Doch den Veranstaltern hat die Scilla auch schon mal ein Schnippchen geschlagen und ausgerechnet zu ihrem Fest noch nicht geblüht. Deshalb bastelten Nachbar Dieter Hoffmann und seine Enkelin ein großes Bild und stellten das „blaue Wunder“ zum Trost für die vielen Vorbeiziehenden an den Wegesrand.

Überhaupt hat der Verein auch die Gemeinschaft auf dem Lindener Berg gefördert. Der Jazz-Club, Vertreter vom Biergarten „Lindener Turm“, der Kleingärtnerverein Linden und andere Anrainer versammeln sich regelmäßig zu einem „Gipfeltreffen“, um künftige Aktionen zu beraten. Viel beschäftigt sich der Verein Quartier mit der Geschichte des Stadtteils. „Im Mittelpunkt stehen für uns die Zeitzeugen“, sagt Jonny Peter. Einer davon ist der ehemalige „Lindener Butjer“ Horst Bohne, der bereits in fünf Heften seine Erinnerungen aus Kindheit und Jugend festgehalten hat.

Der Küchengartenpavillon selbst erhielt nach und nach Verbesserungen - unter anderem durch den hannoverschen Künstler Torsten Paul, der die Kuppel mit Motiven der vier Jahreszeiten ausmalte. Insgesamt zieht der Verein Quartier nach zehn Jahren eine positive Bilanz. „Auch dank Unterstützung aus dem Bezirksrat haben wir einige Engpässe überstanden“, fügt Jonny Peter hinzu. Das Jubiläum auf dem Lindener Berg bietet zugleich Anlass für einen Blick nach vorn: Künftig will sich der Verein mehr der Stadtteilentwicklung widmen und dabei - aus seiner Sicht - der „Schickimickisierung“ von Linden entgegenwirken.

Gerda Valentin

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