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West Wo Lindens spanisches Herz schlägt
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12:54 23.01.2014
Familie Comesana gründet den spanischen Gastrohandel Tres Mares mit Räumlichkeiten am Großmarkt. Eva Comesana. Quelle: Rainer Surrey
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Linden

32 Jahre ist es her, da begann die Erfolgsgeschichte der Familie Comesaña. Damals eröffnete Joaquin Comesaña einen spanischen Lebensmittelmarkt in der Ricklinger Straße - und von da an ging es nur noch bergauf: Im Jahr 1981 startete das Restaurant Rias Baixas 1 im ehemaligen Deisterstübchen, darauf folgte das Rias Baixas 2 im Ahrbergviertel, und vor 15 Jahren kam das O Atlantico in Linden Nord dazu.

Die Geschichte der Comesañas ist eine klassische Erzählung des Hocharbeitens einer Einwandererfamilie, von Fleiß, Verstand und Visionen. Vater Joaquin kam vor 40 Jahren aus Galizien nach Deutschland und jobbte zunächst im Lager des Großmarkts Schaper in Ronnenberg-Empelde; seine Frau arbeite bei Telefunken. Joaquins Eltern waren des Geldes wegen nach Deutschland gekommen, sein Vater arbeite bei der Hanomag. Doch Joaquin wollte mehr. Im Jahr 1981 eröffnete der heute 57-Jährige den spanischen Einzelhandel und baute mit seinem Bruder Carlos ab 1991 das Rias Baixas 1 auf.

„Das Rias sollte eigentlich ein Kneipentreff sein“, erzählt Sohn David. Oma Vitoria kochte dort zunächst für Studenten, die abends zum Essen kamen. „Das sprach sich dann schnell rum, und wir wurden größer und größer“, sagt David Comesaña. Die umtriebige Familie bildet das spanische Herz Lindens, der galizische Kulturverein „Centro Galego“ teilt sich mit dem Rias 2 eine Adresse.

Der Lebensmittelmarkt „Los Amigos“ befindet sich mittlerweile im Allerweg und Vater Joaquin ist mit seinen drei Kindern Eva, David und Ruben auf stetigem Expansionskurs. Der jüngste Coup ist der im September eröffnete spanische Gastronomiegroßhandel „Tres Mares“ auf dem Tönniesberg. Der Großhandel bildet nun gleichzeitig das Dach der „Grupo Tres Mares“ und beliefert neben den drei Restaurants und dem Lebensmittelmarkt auch externe Kunden wie Hotel- und Cateringunternehmen, darunter die „Best Western“- und Maritimhotels. Mit der Auslastung ist Gastronomieberater Jorge Delgado sehr zufrieden. „Das Angebot wird sehr gut angenommen, und die Caterer jubeln“, sagt Delgado zufrieden. Der Erfolg war keine Überraschung, denn im Großmarkt ist die Familie der erste Anbieter eines spanischen Sortiments.

Warum eröffnete man einen solchen Handel dann nicht früher? „Wir als Spanier haben uns wohl nicht so gut verkauft wie die Italiener mit ihrem Essen“, sagt David. Er ist Inhaber des Rias Baixas 2 im Ahrbergviertel. „Eigentlich sollte ein Café hier einziehen, aber keiner fand sich“, erzählt David. „Also sind wir hier reingegangen, und heute ist der Laden schon mittags voll“, sagt der 33-Jährige mit Stolz.

Denn nicht nur der Großhandel läuft blendend, auch der Einzelhandel und die Restaurants sind voll ausgelastet: Im Los Amigos kaufen täglich rund 240 Kunden ein, in den drei Restaurants bewirten die Geschwister täglich insgesamt 380 bis 450 Gäste. Die Unternehmensgruppe beschäftigt inzwischen 45 Mitarbeiter, „mehr als 90 Prozent davon sind Spanier“, erklärt Delgado.

Die Krise ihrer Landsleute in der Heimat bleibt auch den Comesañas nicht verborgen. „Wir bekommen beinahe jeden Tag Bewerbungen von Leuten aus Spanien, die bei uns arbeiten wollen“, sagt David. Doch deren Engagement sieht er auch kritisch. „Viele sehen Deutschland immer noch als das goldene Land. Aber hier muss man auch arbeiten, brutto ist nicht gleich netto, anders als in Spanien.“ Die meisten Bewerber sprächen kein Deutsch, doch nun seien die Zeiten anders als damals, als die Comesañas vor 40 Jahren nach Deutschland einwanderten. Immerhin wählte die Familie aus der Bewerberschaar 15 Spanier aus, die nun im Unternehmen arbeiten. „Wir helfen unseren neuen Mitarbeitern auch bei der Integration und besorgen ihnen Wohnungen“, sagt Delgado.

Der Erfolg hat auch Schattenseiten. „Wir sind authentisch und unser Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Deshalb gucken wir nicht auf die anderen, denn unter Spaniern gibt es viel Neid“, sagt David. „Wir werden von vielen nachgeahmt; in manchen spanischen Lokalen in Hannover findet man unsere Speisekarte, eins zu eins kopiert“, ärgert sich der 37-jährige Delgado. Doch die Familie bleibt unbeirrt. „Die persönliche Beziehung zu unseren Gästen macht unseren Erfolg aus“, sagt David. „Unsere Kunden sagen nicht: Ich fahre ins Rias, sie sagen: Ich fahre zu David, ich fahre zu Joaquin.“

Der Erfolg war und ist Resultat von Fleißarbeit. Auf die Frage nach Hobbys und Freizeitgestaltung können die Comesañas nur müde lächeln. „Wir arbeiten hart, die Galizier sind die Ostfriesen Spaniens: Fleißige und bodenständige Fischer“, sagt Delgado. Vater Joaquin baute sich damals alles allein auf. „Aber mir macht es Spaß. Solange ich gesund bin, arbeite ich“, sagt der Vater, der das Reden sonst lieber seinen Kindern überlässt. Und weil jeder in der Familie seinen eigenen Laden hat, gibt es kaum Streit: Eva betreibt den kleinen Supermarkt „Los Amigos“, Ruben das O Atlantico, David das Rias 1 und das Rias 2. Vater Joaquin steuert weiterhin im Hintergrund mit.

„Ärger gibt es selten, weil wir alle gleichberechtigt sind“, sagt David: „Ich kam mit 16 Jahren ins Rias, und dann bin ich da so reingewachsen.“ Das heute alle drei Kinder in der Gastronomie sind, ist deshalb sicher kein Zufall. „Wir wurden nie von unserem Vater gezwungen, ganz im Gegenteil. Er hätte es vielleicht lieber gehabt, wenn wir nicht in der Gastronomie gelandet wären“, sagt der Spanier der dritten Generation lachend.

Die Erfolgsgeschichte der Comesañas ist eine reine Familiengeschichte. Der einzige externe Mitarbeiter in der Geschäftsführerriege ist Delgado. Doch auch dessen spanischer Vater arbeitete in der Gastronomie und kannte Joaquin schon lange. Delgado Junior ist seit Anfang des Jahres im Familienbetrieb und kümmert sich als Gastronomieentwickler um Marketing und Geschäftsstrategien. „Nächstes Jahr wird es gleich mehrere Los Amigos Supermärkte geben“, verrät Delgado. Mit Comesañas können die Märkte dann aber nicht mehr besetzt werden: „Mehr Kinder gibt es ja noch nicht“, sagt Delgado lachend.

Eine Familie, fünfmal Spanien

Rias Baixas 1, Deisterstraße 77 Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend ab 18 Uhr, sonntags ab 17 Uhr, Dienstag Ruhetag. Küche geöffnet: Sonntag bis Donnerstag bis 23 Uhr, Freitag und Sonnabend bis 24 Uhr. Reservierung unter Telefon 45 38 31 Das Rias 1 ist eine rustikale Tapasbodega mit 40 Sitzplätzen. Das ehemalige Deisterstübchen ist das erste Restaurant der Familie.

Rias Baixas 2, Plaza de Rosalia 2 Öffnungzeiten: Montag bis Sonnabend ab 9 Uhr, sonn- und feiertags ab 10 Uhr. Küche geöffnet: siehe Rias 1. Reservierung unter Telefon 1 23 42 09. Das Rias 2 ist das gastronomische Zentrum auf dem frühereren Gelände der Wurstfabrik Fritz Ahrberg. Es bietet unter anderem ein wechselndes Mittagsmenü und 50 Tapasvarianten.

O Atlantico, Kötnerholzweg 6 Öffnungszeiten: Täglich ab 18 Uhr. Küche geöffnet: Montag bis Donnerstag bis 23 Uhr, Freitag und Sonnabend bis 24 Uhr. Reservierung unter Telefon 44 82 39. Das O Atlantico in Linden Nord ist inspiriert von der Atlantikküste Galiziens und lädt seine Gäste nach dem Essen mit einer zwölf Meter langen Bar zum Verweilen ein.

Los Amigos, Allerweg 1 Öffnungszeiten: Täglich von 9 Uhr bis 19 Uhr, Sonnabend von 8 Uhr bis 15 Uhr. Im Lebensmittelhandel Los Amigos gibt es alle Produkte, für die Spanien berühmt ist: Von Serranoschinken über frischen Fisch bis hin zu berühmten spanischen Weinen.

Tres Mares, Großmarkt am Tönniesberg 16-18, Hallen 61-65 Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 3 bis 9 Uhr. Der Gastronomiegroßhandel wurde im September eröffnet und führt für Geschäftskunden rund 800 Produkte auf 400 Quadratmetern. Zum Kundenkreis gehören neben Hotelketten und Supermärkten auch Restaurants und Eventveranstalter.

Von Sabrina Mazzola

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