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Wettbergen Wettbergen wird Müllwagen-Testgebiet
Hannover Aus den Stadtteilen Wettbergen Wettbergen wird Müllwagen-Testgebiet
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00:15 17.07.2016
Anwohner Katharina und Michael Siebert kritisieren unter anderem den geplanten Sammelplatz Aufhäuserstraße. Quelle: Schwarzenberger
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Hannover

Abgefahrene Autospiegel, eingedrückte Zäune, verletzte Kinder? Hat es offensichtlich im vergangenen Vierteljahrhundert nicht gegeben. So lange funktionierte im Wohngebiet Wettbergen-West die Müllabfuhr problemlos - das sagen die Anwohner. Allen schmalen Anliegerstraßen zum Trotz, durch die sich seit jeher große Müllfahrzeuge quetschten. Das geht nun nicht mehr. Die Aha-Müllfahrer dürfen es nicht mehr, sagt die Arbeitsschutzverordnung. Daher schlug Aha vor, dass die Gebühren zahlenden Kunden die Tonnen zur nächsten Durchgangsstraße rollen. Nun aber probiert der Entsorger ein völlig neues Verfahren. Der Test könnte zu einem völlig neuen Müllabfuhrsystem für bis zu 1700 Anliegerstraßen in der Region führen, die ähnliche Probleme vorweisen. Ein halbes Jahr lang will es Aha in Wettbergen ausprobieren. Das Wohngebiet wird zum Testfall für die gesamte Region Hannover.

Vorerst betroffen sind die Bewohner der Straßen Großweg, Erich-Lindstaedt-Hof, Heinrich-Jasper-Weg, Kiephof und Perelsweg. Sie alle münden in die Aufhäuserstraße, die die Ein- und Mehrfamilienhäuser mit dem hannoverschen Straßensystem verbindet. Die Aufhäuserstraße ist groß genug für die dreiachsigen und 2,50 Meter breiten Müllfahrzeuge. Die fein verästelten Anliegerstraßen aber wurden zu nicht befahrbaren Nadelöhren erklärt.

Aha legt Gründe vor

Aha legte Gründe vor: Die Bepflanzung der Vorgärten sei mit den Jahren so sehr gewachsen, dass sie die Sicht behinderte, es fehle an Wendemöglichkeiten - und rückwärts sollen die Kraftfahrer möglichst nicht fahren -, hinzu kämen immer mehr und größer werdende Anwohnerautos, die den Müllfahrzeugen den Weg erschwerten. Anwohner Michael Siebert konterte: „Hat nicht auch Aha immer größere Fahrzeuge angeschafft? Vielleicht klappt es eine Nummer kleiner ja besser.“ Aha-Sprecherin Helene Herich verneinte. Früher hätten die Entsorgungsfahrzeuge zwar eine Achse weniger besessen, seien aber auch nicht schmaler gewesen. „Große Fahrzeuge sind wirtschaftlicher“, sagte sie. Sie müssten seltener Touren unterbrechen, um ihre Last in der Deponie in Lahe abzuladen.

Kleinerer Wagen für schmale Straßen

Per Schreiben forderte Aha rund 70 Haushalte also zunächst auf, die Tonnen für Restmüll, Küchenabfälle, Papier und Wertstoffe selbst zur Aufhäuserstraße zu rollen; immer pünktlich zur Abholzeit. Es gab Proteste, auch die Wettberger Regionsabgeordnete Michaela Michalowitz schaltete sich ein. Es sei keinesfalls eine Option, dass selbst alte und kranke Anwohner ihre Tonnen eigenhändig zum Sammelplatz schleppten, kritisierte die CDU-Abgeordnete. Nach den Protesten aus der Siedlung folgte ein zweites Schreiben, in dem Aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz einen Test ankündigte. Ein kleinerer Lieferwagen wurde angemietet, der durch die schmalen Straßen passt.

Vergangene Woche wurde erstmals ein neues Prozedere ausprobiert. Die Müllmänner fuhren mit dem Lieferwagen in die sechs schmalen Straßen, luden die vollen Tonnen auf eine Laderampe und rollten bis zur Aufhäuserstraße. Dort worden allein an der Einmündung des Heinrich-Jasper-Wegs mehr als 30 Tonnen gesammelt. Auch an anderen Stellen blockierten die Tonnen Gehweg und Teile der Straße. Nach und nach wurden die Tonnen schließlich in den Müllwagen geleert - und das gleiche Spiel begann erneut. „Bei mir hat es gut eine Stunde gedauert, bis die leeren Tonnen wieder am Haus waren“, berichtete Nachbarin Sibylle Polkowski. Sie und die Sieberts sowie andere Anwohner glauben, dass der Kompromiss wenig Praxisnähe hat. Für die Aha-Mitarbeiter nicht, die jede Tonne zigfach herumschieben müssen. Und für die Anwohner nicht. Ihre Kritik: Das Verladen dauert lange, die Tonnen blockieren Gehwege, Teile der Straße und nehmen an den Kreuzungen die Sicht für rangierende Autofahrer. Und sie fürchten, dass die Stadt zeitlich begrenzte Parkverbote ausspricht, um es Aha leichter zu machen.

"Lösung war Mittel der Improvisation"

„Die demonstrierte Lösung war zunächst ein Mittel der Improvisation“, notierte Aha-Chef Schwarz später im Protokoll für den Test. Bis Oktober sucht der Betrieb nach einer Lösung. Ob jetzt dauerhaft nur noch Konvois aus großen Müllfahrzeugen und kleineren Transportern zu allen betroffenen Wohnvierteln in der Region fahren, ist also längst nicht klar. Oder es wird doch mit zwei unterschiedlich großen Fahrzeugtypen gearbeitet; in diesem Fall könnte es für schmale Nebenstraßen eigene Entsorgungstermine geben. Klar ist nur eines: Aha muss jetzt die gesamte Logistik auf den Prüfstand stellen.

Von Marcel Schwarzenberger

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