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Noch fehlen Betreiber für Flüchtlingsunterkünfte

Döhren-Wülfel Noch fehlen Betreiber für Flüchtlingsunterkünfte

Bezirksrat Döhren-Wülfel kritisiert Planungen der Stadt zur Flüchtlingsunterbringung. Unterdessen hat der Bau einer Modulanlage in der Karlsruher Straße begonnen.

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Geplante Standorte für Flüchtlingsunterkünfte in Döhren-Wülfel, hier: das frühere Wichernstift in der Grazer Straße (Waldhausen).

Quelle: Michael Zgoll

Döhren-Wülfel. Döhren-Wülfel. Neue Informationen der Verwaltung über die Unterbringung von Flüchtlingen in Döhren-Wülfel haben in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats für Unruhe gesorgt. So mochten manche Politiker nicht glauben, dass es für einige der geplanten Unterkünfte noch keinen Betreiber geben soll.

Wie Stadtbezirksmanagerin Birte Groenigk sagte, will die Stadt im ehemaligen Altenpflegeheim des Wichernstifts in der Grazer Straße (Waldhausen) 80 bis 90 Flüchtlinge unterbringen, teilweise aus Notunterkünften heraus. Einen Betreiber gebe es hier noch nicht. Wie Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner ergänzte, werden hier sowohl Familien wie auch alleinstehende Flüchtlinge eine Heimstatt finden. Die Altenpflegeeinrichtung ist in eine Birkenhof-Immobilie in Stöcken umgezogen.

Ebenfalls noch keinen Betreiber, so Groenigk, gebe es für die in Bau befindliche Modulanlage an der Karlsruher Straße. Auf einem früheren Parkplatz zwischen Rewe- und Netto-Markt werden Unterkünfte für rund hundert Flüchtlinge errichtet. Die Einrichtung soll um die Jahreswende herum bezugsfertig sein. Man könne doch nicht erst bauen und dann anfangen, einen Betreiber zu suchen, ereiferte sich CDU-Fraktionschefin Gabriele Jakob. Und sie äußerte einen Verdacht: „Es wird uns mal wieder nicht alles gesagt.“ Für gehöriges Grummeln im Rund sorgte auch die Mitteilung der Verwaltung, dass eine Modulanlage auf dem Parkplatz des Seelhorster Friedhofs erst Mitte 2016 bezugsfertig sein soll. Derzeit tut sich auf dem Gelände an der Garkenburgstraße noch gar nichts.

Auf Unverständnis stieß bei den Politikern ebenfalls der Standort Deutscher Pavillon auf dem Expo-Gelände. Einerseits, so die Kritik, dürfe der Edelbau aus Brandschutzgründen schon seit Langem nicht mehr für Veranstaltungen genutzt werden, andererseits wolle die Stadt hier Hunderte von Flüchtlingen unterbringen. Jakob monierte zudem, dass es in der Nachbarschaft keine ausreichenden Infrastruktur-Einrichtungen für die Neuankömmlinge gebe: „Keine Schule, keine Kita, keine Spielplätze, keine Geschäfte.“ Demgegenüber verwies die Bezirksbürgermeisterin darauf, dass Oberbürgermeister Stefan Schostok versprochen habe, dass in Hannover kein Flüchtling in einem unbeheizten Zelt wohnen müsse. Diese Maßgabe bestimme das Handeln der Verwaltung, und darum greife man auch zu ungewöhnlichen Mitteln wie dem Ankauf des Deutschen Pavillons.

Zum wiederholten Male kritisierte der Bezirksrat, dass es bei der schon vor zwei Jahren ins Gespräch gebrachten Flüchtlingsunterkunft Thurnithistraße immer noch keine sichtbaren Fortschritte gibt. Einige Politiker äußerten den Verdacht, dass die Stadt hier möglicherweise andere Pläne verfolge - etwa das Grundstück für einen attraktiven Preis an einen privaten Investor zu verkaufen. Demgegenüber versicherte Antje Kellner, dass an diesem attraktiven Döhrener Standort nichts anderes als ein Asylbewerberheim geplant sei. Weitere Unterkünfte im Bezirk, so hatte die Verwaltung bereits im Sommer mitgeteilt, sind für Erythropelstraße (Wülfel), Spittastraße (Mittelfeld) und Thaerstraße (Mittelfeld) vorgesehen.

Das Thema Flüchtlinge beschäftigte den Bezirksrat auch bei anderen Tagesordnungspunkten: Grünen-Fraktion wollte wissen, wie viele Schüler in Döhren-Wülfel derzeit Sprachförderunterricht erhalten. Antwort von Birte Groenigk: An der Grundschule Beuthener Straße gebe es 25 Kinder, für die die Einrichtung einer Sprachlernklasse geplant sei. Da die letzte Erhebung vom Ende des Schuljahrs 2014/15 stamme, sei aber davon auszugehen, dass sich der Bedarf erhöht habe; die Landesschulbehörde werte derzeit eine aktuelle Befragung aus.

Einstimmig befürwortete der Bezirksrat, dass der Integrationsbeirat Döhren-Wülfel aus seinem eigenen Etat 1000 Euro für die Anschaffung von Unterstützungsmaterialien für Flüchtlinge bereitstellt.

Auf die neu geschaffene Koordinierungsstelle der Stadt zu Flüchtlingsfragen wies Stadtbezirksmanagerin Groenigk hin. Die Nummer der telefonischen Hotline lautet (0511) 1683-00 88, im Internet kann man die Koordinierungsstelle Flüchtlingshilfe ansteuern.

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Wülfel in Zahlen
  • Stadtbezirk : Döhren-Wülfel, 8. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 33.593
  • Einwohner je Stadtteil: Döhren (13.277 Einwohner), Mittelfeld (8.166 Einwohner), Seelhorst (3.844 Einwohner), Waldhausen (2.136 Einwohner), Waldheim (1.815 Einwohner) und Wülfel (4.355 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 2.035 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahl : 30519
  • Markantes aus der Geschichte : Kirchenbauten in Wülfel lassen sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Ursprünglich gab es eine um 1350 errichtete Kapelle, an deren Standort 1911 ein Nachfolgebau im neugotischen Backsteinstil entstand. 1859 wurde die Brauerei Wülfel gegründet und hatte hier ihren Sitz bis in die 1990er Jahre. Das Unternehmen wurde 1992 von der Gilde Brauerei gekauft, die alten Gebäude wurden größtenteils abgerissen.
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