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Wülferoder Zwerge feiern 25. Geburtstag

Jubel im Dorf über dem Berg Wülferoder Zwerge feiern 25. Geburtstag

Seit 25 Jahren gibt es die Elterninitiative Wülferoder Zwerge. Die Dorfgemeinschaft feiert die kleinste Kita der Stadt – und sich selbst.

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Pastorin Mirjam Schmale erteilt Kindern, Eltern und Erzieherinnen den Segen.

Quelle: Schwarzenberger

Hannover. Robin fotografiert und kümmert sich um die Technik. Er hat sein Abitur gemacht, jetzt geht es vielleicht bald ans Studieren. Ans Weggehen aus Wülferode, dem einzigen wirklichen Dorf Hannovers, denkt er noch nicht. Robin singt bei den Travelers, wo auch Kronsberger und ein Lindener mitmischen. Vor ein paar Tagen erst trat die Band im Dorf auf, beim Open-Air der Bürgergemeinschaft. Sie mischt auch mit, genau wie der Senioren-Club, der Turn- und Spielverein (TSV) von 1921, die Kapellengemeinde, die Freiwillige Feuerwehr und der Männergesangverein. Alle zusammen feiern die jüngste Vereinigung im Dorf: Die Elterninitiative Wülferoder Zwerge wird 25. Es ist der kleinste Kindergarten Hannovers in Hannovers kleinstem Stadtteil. Die 900 Einwohner leben „über’m Berg“, wie sie hier sagen. Oder manchmal auch „vor’m Berg“. Hinter dem Berg ist dagegen Hannover, der große Nachbar mit seinem Außenposten Kronsberg. Dazwischen liegt ein halber Kilometer Landstraße.

Vom Stadtleben isoliert

Wülferode, seit der letzten großen Eingemeindungswelle 1974 zur Landeshauptstadt gehörend, war immer etwas vom Stadtleben isoliert - durch einen Hügel und weite Felder. Alle anderen einstigen Dörfer sind längst hineingewachsen in die Metropole, verbunden durch neue Wohngebiete. In Wülferode ist der Dorfcharakter noch unverfälscht. Es ist ein Segen, sagen sie oft hier. Manchmal ist es auch schwierig. Bei der Betreuung der Kleinsten zum Beispiel. 1991 sagten sich ein paar Eltern, dass sie auch in Wülferode etwas haben wollten. Eine kleine Kita, zehn Plätze, mehr nicht. Für die Kernarbeitszeit bis 14 Uhr. Ohne Weiteres wachsen könne die Kita trotz Warteliste kaum, sagt Tatjana Gräfe-Mattern. Da müssten neue Räume und eine neue Betriebserlaubnis her. Aber die übersichtliche Größe sei doch auch ein Geschenk. Gräfe-Mattern zog mit Mann und zwei Kindern 2014 aus der List nach Wülferode; in das Dorf haben sie sich verliebt. „Das Beste, was uns passieren konnte.“ Tochter Katharina lebt in der kleinen Kita sichtlich auf. Roswitha Brodehl, von Beginn an Erzieherin bei den Zwergen, geht Ende 2016 in Ruhestand, die Nachfolge ist geregelt. „Wir sind hier wie eine Familie, das wollen wir auch für die Kinder erhalten.“

Dieter kommt mit dem Eierwagen

Die Zwerge kamen 1991 erst in ein Wohnhaus, später in die alte Bäckerei. Die gibt es nicht mehr, wie auch den Metzger nicht. Auch sonst kann man nicht groß einkaufen in Wülferode. Es sei denn, der Dieter kommt mit seinem Eierwagen. Das tut er seit zehn, 15 Jahren jede Woche. Wer in die Stadt zum Einkaufen fährt, nimmt manchmal auch die Senioren und andere Fußgänger auf dem Weg nach Kronsberg mit. „Dafür ist Nachbarschaft da“, sagt Rudi Becker, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, die seit 32 Jahren existiert, 230 Mitglieder hat und viermal im Jahr Programmhefte herausgibt. Mit Workshops, Konzerten, Umzügen oder der Back-AG in der eigens eingerichteten Backstube neben der Alten Schule, die auch das Heimatmuseum der Bürgergemeinschaft birgt.

Es fehlt an Beleuchtung

Es fehlt an einer Beleuchtung „über’n Berg“, sagt Bärbel Ehrlich, für die SPD im Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode, seit 40 Jahren Kassenwartin beim TSV. Ihr Mann Walter ist dort Vorsitzender. Das Land aber finanziere die Straßenlaternen so schnell nicht. Es gibt da noch den alten Nartenhof, einen waschechten Bauernhof. Die Stadt kaufte ihn 2011, aber so richtig kommt die Neubelebung nicht in Schwung. Auch das historische Feuerwehrgerätehaus steht seit Jahren ungenutzt. Für beides wünschen sich die Wülferoder neues Leben.

An diesem Tag aber feiert die Dorfgemeinschaft: die Zwerge, aber auch sich selbst. Viele Bewohner sind da und betrachten die Kleinen, wie sie mit Brodehl Jesusfiguren an einen Baum hängen. Sie sehen, wie St.-Johannis-Pastorin Mirjam Schmale Kindern, Erziehern und Eltern den Segen erteilt. Und wissen, dass damit im Grunde auch sie gemeint sind.

Von Marcel Schwarzenberger

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Wülferode in Zahlen
  • Stadtbezirk : Kirchrode-Bemerode-Wülferode, 6. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 29.728
  • Einwohner je Stadtteil: Kirchrode (10.941 Ew.), Bemerode (17.908 Ew.) und Wülferode (879 Ew.)
  • Bevölkerungsdichte : 1.246 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30539/30559
  • Markantes aus der Geschichte: Die denkmalgeschützte Kapelle wurde im Jahr 1756 als Fachwerkbau errichtet. Ihre Glocke stammt aus dem Jahr 1644. Am 1. März 1974 wurde Wülferode im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform nach Hannover eingemeindet.
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