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Treppensteigen als Herausforderung

Zoo Treppensteigen als Herausforderung

Das, was vor den Sommerferien als Arbeitsgemeinschaft „Jung trifft Alt“ am Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (KWR) unter Leitung von Lehrer Joachim Tamm und der benachbarten Seniorenresidenz Kursana begann, hat sich längst zu einem festen Austausch entwickelt. Jetzt haben Schüler am eigenen Leib erfahren, was es heißt, alt zu sein.

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Eine Klasse mit tierischen Mitarbeitern

Hannover Alterssimulationsanzug mit Schülern des KWR im Kursana.

Quelle: Rainer Surrey

Zoo. Sie haben in sogenannten Alterssimulations­anzügen getestet, wie schwer es sein kann, eine Flasche zu öffnen, wenn die Hände nicht mehr so gut greifen können, oder eine Treppe hochzugehen, wenn die Gelenke schwer wie Blei sind. In den Anzug kommen Bleigewichte, eine Brille simuliert, wie die Augen schlechter werden, eine Halskrause macht das Kopfdrehen anstrengender. Der Anzug macht den Menschen, der ihn trägt, auf einmal gefühlt zum Senioren. Anna-Zoe Schlawin (13) hat mit dem Anzug, der ein wenig an ein Raumfahrer-Outfit erinnert, keine großen Probleme: „Ich spiele Hockey und stehe im Tor, da bin ich schwere Schutzkleidung gewohnt.“ Selbst eine Halskette kann sie mit den Handschuhen umlegen. Nur als sie im Seniorenheim zügig die Treppe hoch und runter gehen soll, ist sie schneller aus der Puste als sonst.

Als Lisann Wöhrle (13) den Anzug anlegt, schwankt sie unter der Last ein bisschen. „Viele Ältere haben Gleichgewichtsprobleme“, erläutert Pflegeleiterin und Ergotherapeutin Wiebke Hansen. Deshalb benutzten Senioren oft einen Rollator: „zum Festhalten.“ Kaum sagt sie es, geht über den Flur eine ältere Dame mit Rollator: „Seht ihr!?“, sagt Hansen. Für die Jüngeren ist es ein Erkenntnisgewinn: „Ich kann mir jetzt besser vorstellen, wie sich meine Großeltern oder andere Ältere fühlen“, sagt Anna-Zoe. Lisann nickt zustimmend, während sie Lien Händel (13) in den Anzug hilft.

Für die Älteren ist es eine willkommene Abwechslung: „Es ist schön, mit jungen Leuten zusammen zu sein, das haben wir ja nicht so oft“, sagt Edith Bertram (90). Von ihr kommt der Tipp, dass Anna-Zoe im Alterssimulationsanzug mal eine Kette anlegen soll: „Wir Frauen sind ja eitel und wollen hübsch aussehen, aber genau das wird schwieriger, wenn die Feinmotorik nachlässt.“ So schlimm, wie es den Schülern jetzt erscheine, sei das mit dem Altwerden gar nicht, meint Melitta Stenschke (89): „Man wird ja nicht auf einen Schlag alt, sondern über einen langen Zeitraum, der Körper kann sich daran gewöhnen.“

Lehrer Tamm möchte den Austausch fortführen. Die Senioren aus dem Kursana werden zu Schulfesten und Konzerten des Gymnasiums eingeladen, geplant ist auch ein Betreuungskonzept in der Mittagszeit.

Wenn am Freitag, 9. Oktober, das siebte Stiftungsfest der KWR-Stiftung gefeiert wird und der Mädchenchor auftritt, sitzen in der Aula bestimmt auch wieder einige Rentner aus dem Kursana. Und viele fühlen sich jünger als sie sind - auch dank des Kontakts zu den Schülern.

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Alles auf einen Blick: Der Maschsee, die drei warmen Brüder, das Ihme-Zentrum und das Anzeiger-Hochhaus - auf den Bildern von Steffen Goldenstein sehen die großen Bauwerke der Stadt ganz klein aus.

Zooviertel in Zahlen
  • Stadtbezirk : Mitte, 1. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 34.040
  • Einwohner je Stadtteil: MItte (9.418 Ew.), Calenberger Neustadt (6.556 Ew.), Oststadt (13.695 Ew.) und Zoo (4.371 Ew.)
  • Bevölkerungsdichte : 3.167 Einwohner/km²
  • Postleitzahlen : 30159, 30161, 30167, 30169, 30175
  • Markantes aus der Geschichte : Der spätere Reichspräsident Paul von Hindenburg lebte von 1919 bis 1925 im Stadtteil Zoo, woraus sich die heute noch vereinzelt verwendete Bezeichnung Hindenburgviertel ableitete.
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