Wennigsen. Selten war eine Ausschusssitzung so lehrreich: Die Biologin Barbara Kies von der Forscherwerkstatt Wennigsen packte Pipetten, Gläser und Backpulver aus. Mitglieder des Ausschusses für Soziales, Jugend, Sport und Gleichstellung durften darüber staunen, wie unterschiedlich Rotkohl Wasser färben kann.
Mit diesen und anderen Wahrnehmungsphänomenen will der Verein Die Kulturmacher Wennigser Kinder und Jugendliche überraschen. Für das Phänomobil Wennigsen fehlt es eigentlich nur noch an einem: dem Geld. Offiziell habe das Projekt am Jahresbeginn angefangen, sagte Thomas Haubrich.
Ursprünglich hatte der Ronnenberger Konzeptkünstler das Phänomobil im Zusammenhang mit dem Alten Zollhaus in Wennigsen kreiert. Geplant ist, ein Zentrum für kulturelle Bildung zu entwickeln und so den Erhalt des Gebäudes zu sichern.
„Das Phänomobil ist ein eigenständiges Projekt geworden“, betonte Haubrich im Ausschuss. Sein Vorschlag: Die Gemeinde steuert in zwei Jahren 126 000 Euro bei, die sie aus den Mitteln des Bildungs- und Teilhabepaketes des Bundes ohnehin erhält. Dafür würden Haubrich und seine Mitstreiter des Phänomobils an 1600 Stunden im Jahr Kindergärten und Schulen der Gemeinde kostenlos zur Verfügung stehen. In anderen Kommunen soll das Angebot stundenweise pro Kind abgerechnet werden. Die Resonanz sei schon jetzt vielversprechend.
Das Phänomobil werde auf jeden Fall auf Reisen gehen – die Frage ist nur, wie hoch der Wennigser Anteil an dem Projekt ist. Haubrich will Sponsoren für den Transporter und Kooperationspartner wie die Uni Witten/Herdecke mit ins Boot holen.
Ein Projekt zu fördern, das formell schon begonnen hat, sei rechtlich möglicherweise nicht in Ordnung. Diesen Hinweis gab Sandra Niehoff (CDU), die als beratendes Mitglied im Ausschuss sitzt. Der Einwand wird noch von der Gemeinde geprüft. Bis zur Ratssitzung am Donnerstag, 20. Januar, wird es eine Antwort dazu geben.
„Ich finde das Projekt toll, und wir sollten es so umsetzten“, sagte Jennifer Jürgens (SPD). Zustimmung gab es von allen Fraktionen. Mehrere Ausschussmitglieder sprachen sich jedoch dagegen aus, schon jetzt festzulegen, wie hoch der Anteil aus dem Bildungs- und Teilhabepaket ist, den Wennigsen beisteuert. Schulsozialdienst, Cafeteria und Kantine: Es gebe weitere Projekte, in die ebenfalls diese Bundesmittel investiert werden könnten, sagte Ernst Herbst (CDU).
Im Schulausschuss am Montag, 16. Januar soll darüber beraten werden. „Ich habe Bedenken, das ganze Geld in ein Projekt zu stecken“, sagte der Wennigser Behindertenbeaufragte Dirk Neddermeyer. mm
Der Verein Die Kulturmacher besteht seit 2009 und ist als gemeinnützig anerkannt. Er hat sich die Pflege und Förderung von Kultur im ländlichen Raum auf die Fahne geschrieben. Vorsitzender ist seit November der Holtenser Jens Friedrich. In Holtensen ist auch der Vereinssitz. Gründer Thomas Haubrich hatte den Vorsitz nach eigenen Angaben abgegeben, um nicht beim Phänomobil in Konflikte zu geraten. Der studierte Kommunikationswirt will die Projektleitung beim Phänomobil übernehmen.
Vorbild für den Verein ist der Wennigser Kunsthandwerker Erich Pollähne (1919 bis 2005), von dem viele der Wahrnehmungsobjekte stammen, die heute im Park der Sinne in Laatzen und im Wissenschaftsmuseum (Phaeno) in Wolfsburg zu sehen sind. mm
Michael Hemme
HAZ.de Anmeldung
