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Die Geschichte der Barsinghäuser Kinos

Barsinghausen Die Geschichte der Barsinghäuser Kinos

Kinos in Barsinghausen? Doch, es gab sie. Zu Hochzeiten besuchten viele Zehntausend Zuschauer jährlich die bis zu drei Lichtspieltheater des Orts. Ein Blick in die Vergangenheit.

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In den 1950er-Jahren topmodern: Der Kinosaal der „Schauburg“ an der Bahnhofstraße bot 400 Zuschauern Platz.

Quelle: Tadje/Stadtarchiv

Barsinghausen. Noch in den 1950er-Jahren lockte es jene, die sich über das aktuelle Weltgeschehen informieren wollten oder schlicht Zerstreuung und Unterhaltung suchten, in die Kinos. Nicht nur in den großen Städten zogen Wochenschau, Heimat- oder Trickfilm die Menschen in die teils riesigen Filmtheater, auch auf dem Land war das Interesse an den bewegten Bildern groß.

Das erste Kino in Barsinghausen eröffnete August Wildhagen am 18. Januar 1913 im heutigen Bücherhaus am Thie. Sein „Central-Kino-Theater“ hielt sich jedoch nur wenige Monate. Zeitgleich fanden sonntags im Saal des Gasthauses „Zum Klosterstollen“ an der Egestorfer Straße (ehemaliges Kulturzentrum Barsinghausen, heute Tagespflege) sogenannte kinematografische Vorführungen statt. Karl Hanssen war es, der hier im Jahr 1926 mit großem Aufwand das „Hansa-Theater“ errichten ließ. Die Provinz-Deister-Leine-Zeitung war voll des Lobes: „Mit großem Kostenaufwand, aber auch mit Geschick und edlem Geschmack hat der Inhaber … eine neue Unterhaltungsstätte geschaffen, die alles, was man sonst wohl in dieser Beziehung auf dem Lande antrifft, doch erheblich in den Schatten stellt.“ Das Hansa-Theater verfügte über etwa 300 Sitzplätze. Doch das sollte in der Bergarbeiterstadt längst nicht ausreichen.

1931 erhielt Barsinghausen ein weiteres Kino. Noch heute ist hinter dem Wohnhaus in der Schützenstraße 5 ein scheunenähnlicher Anbau zu erkennen. Hier betrieben Friedrich Tadje und seine Familie die „Kammer-Lichtspiele“, in der  fast 300 Zuschauer Platz fanden.  Bereits 1927 hatten Tadjes die „Wennigser Lichtspiele“ in einem gepachteten Tanzsaal eröffnet.

Der Boom der 1920er- und 1930er-Jahre hielt nach dem Zweiten Weltkrieg an. Den Zuschauern dürstete nach Zerstreuung, Unterhaltung und Informationen. Die Besucherzahlen der Kammer-Lichtspiele mit 292 Plätzen und des „Scala-Theaters“ (ehemals Central-Lichtspiele mit 400 Plätzen) überschritten das Vorkriegsniveau schnell: Bis Ende 1945 hatten 68 000 das Scala-Theater besucht. 1950 wurden in der Scala 93.000 Besucher gezählt, in der Kammer 63.000.

Dieser Erfolg veranlasste Friedrich und Luise Tadje, sich ihren Traum von einem großen, modernen Kino zu erfüllen. Am 6. Juli 1951 eröffnete an der Bahnhofstraße 1 die „Schauburg“ mit der Vorführung der Schmonzette „Auf der Alm da gibt‘s ka Sünd“. Die Schauburg war fortan das modernste und mit 470 Sitzplätzen größte Kino des Ortes. Das Haus verfügte über eine großräumige Kassenhalle und Foyer. Der Zuschauerraum war in Rot-Gold gehalten, dank des Gefälles war die Sicht auf die Leinwand aus jeder Sitzreihe sehr gut. An der Hausfront lockte der geschwungene Schriftzug „Schauburg“ in leuchtenden Lettern. Schaukästen informierten die Passanten über das Programm.

Ab 1955 betrieben die Tadjes in Wennigsen das zur Schauburg nahezu baugleiche „Tali-Theater (Tadje-Lichtspiel-Theater), zudem die Kammer-Lichtspiele sowie ein Kino in Rodenberg. Sie hatten nicht eben wenige Personen auf ihrer Lohnliste. Karin Tadje aus Egestorf, die 1960 in die Familie einheiratete und fortan im Büro des Kinos arbeitete, erinnert sich: „Wir beschäftigten Platzanweiser und Putzkräfte, Filmvorführer und sogar Leute, die den Ton regelten und die Fahrräder der Besucher in einer Garage neben dem Kinogebäude abstellten und bewachten.“ Alles in allem um die 20 Personen. Eine Anekdote muss sie immer wieder erzählen: „Es kam vor, das wir den gleichen Film in Barsinghausen etwas früher zeigten als in Wennigsen. Wenn die Filmrolle abgelaufen war, wurde sie aufs Motorrad geladen und schnellsten nach Wennigsen gefahren.“

Über die Jahre hinweg war „die Scala“, das Scala-Theater an der Egestorfer Straße, das 1956 von Marie und Walter Teichgräber modernisiert und mit 320 Plätzen ausgestattet wurde, der größte Konkurrent der Schauburg. „Es war immer entscheidend, wer den besseren Film hatte“, erklärt Karin Tadje. Filme mussten damals von den Produktionsfirmen in Staffeln – zumeist ein „Blockbuster“ und Füllmaterial, das nur wenige Gäste in die Säle lockte, geliehen werden. Da war bei der Auswahl Instinkt gefragt, denn ein und derselbe Film wurde pro Stadt nur an ein Kino verliehen

In den Hochzeiten liefen in der Schauburg auch unter der Woche Filme, und eine Zeit lang gab es an den Wochenenden sogar Nachtvorstellungen. „Am erfolgreichsten waren aber die Kindervorstellungen Sonntagnachmittags“, erinnert sich Tadje. Viele Eltern seien froh gewesen, ihre Kinder mal los zu sein und schickten sie für kleines Geld ins Kino.

In den 1960er-Jahren gewann das Fernsehen immer mehr an Bedeutung. Zudem wurden die Menschen mobiler und besuchten die Kinos in Hannover, wo viele Filme bereits Wochen vor dem Filmstart auf dem Lande anliefen. Die Tadjes reagierten, verlegten den Eingang von der Bahnhofstraße an die Seite, um im vorderen Bereich Geschäftsräume zu schaffen. Hier zog zunächst ein Café, anschließend die „Gala-Schenke“ und schließlich das griechische Restaurant „Akropolis“ ein. Es nutzte nichts, die Hochzeit des Kinos war vorbei. 1979 mussten die Tadjes ihre Schauburg schließen. Alle anderen Barsinghäuser Kinos hatten bereits vor Jahren den Betrieb eingestellt.

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Von Mirko Haendel

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