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Betriebe suchen dringend Nachwuchs

Barsinghausen Betriebe suchen dringend Nachwuchs

Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August suchen noch immer zahlreiche Betriebe im Calenberger Land nach Azubis. Drei von sechs befragten Betrieben haben noch unbesetzte Stellen - doch für Bewerbungen ist es noch nicht zu spät.

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Ralf Wunderatsch hat seine Ausbildung zum Parkett
leger bald abgeschlossen.

Quelle: Lisa Malecha

Calenberger Land. „Viele Bewerber wollten nur einen Stempel fürs Amt“, beklagt Yvonne Studier von Hörakustik Udo Scheppan, die auch nach offiziellem Bewerbungsschluss noch auf Interessenten hofft. Fast alle bisherigen Bewerber wurden abgelehnt, da sie den Anforderungen nicht entsprochen und unmotiviert gewirkt hätten. „Die, die wir gut fanden, haben sich den Job nicht zugetraut“, sagt Studier, die vom mangelnden Selbstbewusstsein vieler Jugendlicher überrascht ist. „Das gab es vorher noch nie.“

Ein mangelndes Interesse in Sachen Ausbildung beklagt auch Alexander Minnich, Geschäftsführer von „tepu Teppichboden“ in Barsinghausen. „Uns fehlen ein Parkettleger und ein Einzelhandelskaufmann“, sagt Minnich und hofft, dass er doch noch geeignete Azubis findet, auch wenn es immer schwieriger werde, Bewerber zu finden - trotz intensiver Zusammenarbeit mit Schulen. „Wir bieten unseren Azubis sogar Stipendien für Auslandsaufenthalte - viel mehr Anreiz geht nicht.“ Doch seine Branche sei derzeit einfach nicht im Trend, bedauert Minnich, der auch immer häufiger unqualifizierte Bewerber ablehnen muss. „Es wird gar nicht klar, warum sie bei uns arbeiten wollen“, sagt er. „Bei manchen Mappen fasst man sich echt an den Kopf.“

Anja Rühlich von Germerott Innenausbau aus Gehrden hat vor allem mit dem „staubtrockenen“ Image ihrer Branche zu kämpfen. Die Berufsbeschreibung des Trockenbaumonteurs sei auf vielen Internetseiten viel zu langweilig. „Obwohl das der Beruf ganz und gar nicht ist.“

Vielen Jugendlichen sei nicht bewusst, welche Aufstiegschancen sie nach abgeschlossener Lehre haben. „Es hört mit dem Trockenbaumonteur nicht auf. Man kann Projektleiter, Polier und vieles mehr werden“, sagt sie. Daher bemüht sich Germerott um Aufklärung an Schulen und hat eine Kooperation mit der Gehrdener Oberschule gestartet. Dennoch konnte eine der vier Trockenbaumonteur-Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. „Wir hatten acht Bewerber, von denen lediglich drei zum Auswahltraining erschienen sind“, sagt sie. Dieses mehrtägige Training habe unter anderem den Zweck, zu sehen, wem es wirklich ernst mit seiner Bewerbung ist.

Nina Oppenborn-Vollmer hingegen kann sich in diesem Jahr freuen. Eine Praktikantin hat sich kurzfristig entschlossen, zum 1. September ihre Lehre im Friseursalon Haarkunst Vollmer in Bredenbeck anzutreten. „Das war aber auch die einzige qualifizierte Bewerbung“, sagt die Friseurmeisterin. „Früher kamen die Bewerber vorbei und haben sich persönlich beworben - man hat gesehen, dass sie motiviert sind“, sagt sie. Das sei mittlerweile leider nicht mehr so.

Ganz andere Erfahrungen macht derzeit Jutta Moss-Lehmann, Geschäftsführerin der Moss-Lehmann GmbH mit acht Friseursalons: Fünf neue Lehrlinge fangen am Sonnabend bei ihr an. „Wir mussten einigen qualifizierten Bewerbern sogar absagen“, bedauert sie. Den großen Andrang führt sie auf intensives Werben zurück. „Wir machen beim Speeddating der Handwerkskammer mit, werben in sozialen Medien im Internet und an Schulen“, zählt sie auf.

Gut sieht es auch bei Tischlermeister Detlef Hüper aus, der seit 24 Jahren in seinem Benther Betrieb ausbildet - und in dieser Zeit viele Höhen und Tiefen erlebt hat. „Zu Anfang war Tischler ein richtiger Modeberuf - dann hat das Interesse kontinuierlich abgenommen“, sagt er. Schließlich habe er 2013 nur noch einen einzigen Bewerber gehabt.

„Daher bin ich im letzten Herbst zur Ausbildungsbörse an die Marie-Curie-Schule gegangen, und das hat wirklich was gebracht“, freut sich Hüper. Immerhin rund 15 Bewerbungen landeten auf seinem Schreibtisch - dabei kann er nur einen Lehrling einstellen.

Das Interview

Morgen beginnt das neue Ausbildungsjahr. Für alle, die keine Stelle gefunden haben, gibt es noch viele Möglichkeiten. Welche? Darüber hat Katharina Baier (47), Bereichsleiterin Nachwuchsförderung der Handwerkskammer Hannover, mit Mitarbeiterin Carina Bahl gesprochen.

Frau Baier, wie viele freie Stellen gibt es im neuen Ausbildungsjahr noch?

In unserer Lehrstellenbörse finden sich noch 551 Ausbildungsstellen in 62 tollen Handwerksberufen. Allerdings: Es bewegt sich gerade viel. Auf den letzten Drücker kommen viele Betriebe und Bewerber zusammen.

551 freie Stellen – das klingt viel ...

Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es da keine dramatische Steigerung. Aber man merkt, dass es Betrieben immer schwerer fällt, ihre Stellen zu besetzen.

Woran lässt sich das ablesen?

Als ich vor zehn Jahren in der Nachwuchsförderung der Handwerkskammer angefangen habe, gab es noch einen Lehrstellenmangel. Nun ist das anders: Wir haben schon 230 Stellen online für das Ausbildungsjahr ab August 2016. Die Firmen gehen jetzt intensiver auf die Suche und werben schon sehr früh für sich.

Wie kann die Handwerkskammer die Betriebe unterstützen?

Auf ganz unterschiedliche Weise. Einerseits bieten wir Mentoring-Programme an, andererseits gibt es unser Pinboard, das wie eine Partnerbörse zwischen Betrieben und Schulen funktioniert. Eine große Hilfe ist weiterhin die Lehrstellenbörse, die sich im Internet auf hwk-hannover.de/lehrstellen?boerse findet.

Welche Berufe sind besonders beliebt und welche nicht?

Kfz-Mechatroniker, Elektroniker und Metallbauer wollen viele werden – im Nahrungsmittelhandwerk wie bei Bäckereien und Fleischereien gibt es hingegen viele freie Stellen. Hinzukommen etwas unbekanntere Berufe wie Bodenleger oder Rollladen- und Sonnenschutzmechaniker. In diesem Fall sind die Betriebe gefragt, ihren Beruf anschaulicher zu präsentieren. Dabei helfen wir gern.

Haben Sie einen Tipp für Bewerber im Handwerk?

Es zählt vor allem Motivation. Die sollte in der Bewerbung deutlich werden, vielleicht indem man vorher anruft oder die gut sortierten Unterlagen persönlich vorbeibringt. Wer ein Schnupperarbeiten oder Praktikum anbietet, kann gleich im Job überzeugen. Das ist gut, erst recht, wenn anhand der Zeugnisse die Voraussetzungen nicht ideal sind. Wer Fragen hat, kann sich bei uns unter Telefon (0511) 54562290 melden.

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