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Barsinghausen

Beamte durchsuchen Bordell

Von Andreas Kannegießer

Bei einem groß angelegten Schlag gegen einen Menschenhändlerring sind die Ermittlungsbehörden gestern auch in Barsinghausen aktiv geworden: In einem Bordell an der Steinklippenstraße wurden drei Verdächtige festgenommen.

Die Aktion richtete sich nach Angaben der Landespolizeidirektion Stuttgart gegen einen Menschenhändlerring, der mit jungen, aus Rumänien stammenden Frauen sogenannte Flatrate-Bordelle in Heidelberg, Schönefeld, Recklinghausen, Kaiserslautern und auch in Barsinghausen betreibt. Die Gruppe soll die Frauen unter dem Vorwand einer Beschäftigung in der Gastronomie nach Deutschland gelockt und sie anschließend unter Androhung von Repressalien für die Familien der Opfer zur Arbeit in den Bordellen gezwungen haben.

Seit Sommer 2009 führt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gemeinsam mit der Polizei und dem Zoll aufwendige Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Menschenhändler. Gestern griffen die Ermittler zu: Insgesamt 780 Beamte von Polizei und Zoll durchsuchten gleichzeitig in fünf Bundesländern sowie in Rumänien und Spanien 44 Objekte. Dabei wurden 13 Haftbefehle vollstreckt und weitere sechs verdächtige Personen vorläufig festgenommen.

In dem Bordell an der Steinklippenstraße sind zwei Männer und eine Frau festgenommen worden. Alle drei sind rumänische Staatsbürger. Sie stehen nach den Worten von Michael Winkeler vom Hauptzollamt Stuttgart unter dringendem Verdacht, dem Menschenhändlerring anzugehören. Die Verhafteten sollen heute einem Haftrichter vorgeführt werden. Darüber hinaus haben die Ermittler gestern zwölf mutmaßliche Prostituierte in dem Barsinghäuser Bordell angetroffen.

Wie es mit dem Etablissement an der Steinklippenstraße weitergeht, steht nach Angaben der Behörden noch nicht fest. Eine Rechtsgrundlage für die Schließung gebe es nicht, sagte Winkeler. Wahrscheinlich werde aber keines der durchsuchten Bordelle in den nächsten Tagen öffnen. „Die Vernehmungen der Damen laufen.“

Das Barsinghäuser Bordell wird seit dem vergangenen Herbst unter einem neuen Namen geführt und bietet seitdem eine sogenannte Flatrate an: Freier zahlen einen Festbetrag und dürfen dann während ihres Besuchs so oft Sex haben, wie sie wollen.

Nach den Ermittlungsergebnissen müssen die Prostituierten in den Bordellen des Menschenhändlerrings als Scheinselbstständige arbeiten. Die bei der Anwerbung in Rumänien gemachten Zusagen über die Entlohnung wurden nicht eingehalten. Zudem sollen Steuern und Sozialabgaben nicht entrichtet worden sein.

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Der Thie ist der zentrale Platz in Barsinghausen. (Foto: Hönemann)
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