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Tod einer Seniorin: Freispruch für Pflegerin

Barsinghausen Tod einer Seniorin: Freispruch für Pflegerin

Hat eine Krankenschwester den Erstickungstod einer 87-jährigen Frau im Altenheim zu verantworten, weil sie beim Füttern der dementen Seniorin nicht rechtzeitig auf deren Atemnot reagierte? Richter Ingo Flasche sprach die Pflegerin vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

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Das Amtsgericht Wennigsen spricht eine Krankenschwester vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

Quelle: privat

Barsinghausen. "Im Zweifel für die Angeklagte", sagte der Richter. Von einem schuldhaften Fehlverhalten der 45-jährigen Angeklagten sei er nicht vorbehaltlos überzeugt, betonte der Strafrichter am Amtsgericht Wennigsen in seiner Urteilsbegründung. Insbesondere die Zeugenaussage einer ehemaligen Arbeitskollegin, die sich bei dem Vorfall im März 2015 ebenfalls im Zimmer aufhielt und eine Mitbewohnerin betreute, brachte in der Beweisaufnahme keine klaren Hinweise.

„Zwischen der Angeklagten und der Zeugin herrschte damals ein belastendes Kollegenverhältnis. Da waren auch Animositäten im Spiel. Darum bin ich mir nicht absolut sicher, ob die Zeugin tatsächlich die Wahrheit sagt“, erläuterte der Richter. In ihrer Aussage hatte die ehemalige Kollegin unter anderem angegeben, die Angeklagte habe damals nicht auf die Atemnot der Seniorin reagiert und die 87-Jährige, die unter Schluckbeschwerden litt, immer weiter mit Speisebrei gefüttert. „Ich hatte das Gefühl, meine Kollegin war beim Anreichen der Nahrung mit ihren Gedanken woanders“, sagte die Zeugin.

Diesen Vorwurf wies die angeklagte Krankenschwester zurück. Beim Füttern der Seniorin mit einer verdickten Mischung aus Milchsuppe und Kakao sei die demenzkranke Bewohnerin eines Barsinghäuser Altenheimes plötzlich blau im Gesicht angelaufen und habe ihren Oberkörper verkrampft. Sofort habe sie versucht, den ebenfalls verkrampften Mund der Seniorin zu öffnen und Speisereste aus dem Rachen zu holen. Kurze Zeit später habe sich die 87-Jährige erbrochen. Als eine weitere Kollegin zu Hilfe kam, habe sie versucht, den Hausarzt und die Angehörigen zu erreichen. In diesem Moment sei die Seniorin verstorben.

Warum sie keinen Notarzt alarmiert hat – das konnte die Angeklagte, die seit 2009 in dem Seniorenheim tätig war und mittlerweile einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat, in der Verhandlung nicht erklären. „Zweifelsfrei sicher ist lediglich, dass die Seniorin am Brei erstickt ist“, sagte Richter Ingo Flasche.

Von Frank Hermann

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