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"Die Bürger erwarten Lösungen"

Bürgermeister-Sommergespräch – Teil 2 "Die Bürger erwarten Lösungen"

So unterschiedlich die Kommunen im Calenberger Land auch sind – die Probleme, vor denen die Bürgermeister in Ronnenberg, Barsinghausen, Wennigsen und Gehrden stehen, ähneln sich in vielen Bereichen. Wir haben Stephanie Harms, Marc Lahmann, Christoph Meineke und Cord Mittendorf deshalb zu einem gemeinsamen, vierteiligen Interview an einen Tisch geholt.

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Gemeinsam wollen Stephanie Harms (Bild links, v. r.), Cord Mittendorf, Marc Lahmann und Christoph Meineke Südlink-Trassen verhindern.

Quelle: HAZ

Barsinghausen. Herr Meineke, Sie sind der dienstälteste Bürgermeister hier am Tisch. Hat sich in Ihrer Amtszeit die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Kommunen verändert?

Christoph Meineke: Auf jeden Fall. Ich arbeite in meinem neunten Amtsjahr und stelle fest, dass sowohl die Fachbereiche in den Rathäusern als auch die Bürgermeister untereinander noch nie so viel kommuniziert haben wie in den zurückliegenden Jahren. Das hat bei allen Themen kontinuierlich zugenommen, sodass wir mittlerweile eine etablierte Calenberger Runde haben, die es vor ein paar Jahren so noch nicht gab. Wir merken deutlich, dass Probleme zu teilen dabei hilft, Probleme zu lösen.

Ist das aus der Not entstanden?

Meineke: Nein. Es liegt auch daran, dass wir Bürgermeister - auch die Vorgänger - gut und völlig unabhängig von den Parteibüchern eng und sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir treffen uns regelmäßig und tauschen uns ganz offen aus.

Bei welchen Themen passiert das - und wo sehen Sie noch Möglichkeiten, das zu intensivieren?

Cord Mittendorf: Wir haben ja ganz praktisch im vergangenen Jahr bei Südlink zusammengearbeitet. Da haben wir in den einzelnen Räten eine gemeinsame Resolution verabschiedet und uns sofort zusammengeschlossen.

Stephanie Harms: Das ging ja sogar bis zu einer gemeinsamen Veranstaltung.

Mittendorf: Und das werden wir auch in Zukunft in Sachen Südlink so machen.

Nun ist Südlink ein Thema, bei dem alle das gemeinsame Ziel haben, es aus der Region fernzuhalten. Es gibt aber auch Bereiche, in denen jede Kommune ein eigenes Interesse hat. Gibt es Grenzen für diese Zusammenarbeit?

Marc Lahmann: Natürlich schaut jeder noch auf seine eigene Stadt und Gemeinde, das ist doch ganz klar. Aber nichtsdestotrotz ist es sinnvoll, ein sehr gutes Verhältnis zu den Kollegen zu haben. Wenn wir zum Beispiel sagen: Sollen wir die Abwässer aus Wennigsen mit klären oder nicht? Dann akzeptieren wir auch, wenn in Wennigsen eine sachliche Entscheidung getroffen wird, das doch lieber selbst zu machen. Aber dadurch, dass es diese Runde gibt und wir so gut zusammenarbeiten, kann man solche Themen einfacher besprechen. Christoph wird es auch nicht gefallen haben, dass sich Laverana (ein Naturkosmetikunternehmen, Anm. d. Red.) entschlossen hat, sich in Barsinghausen anzusiedeln. Da hat dann natürlich jeder ein eigenes Interesse, aber man kann offen darüber sprechen.

Harms: Man muss das Rad ja auch nicht immer neu erfinden. Gerade wenn man auf den Wirtschaftsstandort schaut, kann man sich auch einmal austauschen, was der andere macht, welche Möglichkeiten er ausprobiert hat und welche Projekte er plant. Dann kann man überlegen, ob das für einen selbst nicht vielleicht auch etwas ist.

Meineke: Wenn man zusammenarbeiten will, dann muss man das in erster Linie über die Chancen definieren. Viele Dienstleistungen, die wir als Kommune anbieten, sind ortsgebunden und geben daher wenig Anlass zu Konkurrenz. Zum Beispiel die Kinderbetreuung. Wir müssen dringend an das Thema Ganztagsbetreuung in der Grundschule ran, bei der es keine landesweit einheitliche Regelung gibt. Wir haben da ja keine Rivalität mit einer Grundschule in Goltern oder in Gehrden. Viele Bereiche sind gesetzlich geregelt - aber die Grauzone, in der es viele Modelle gibt, ist die Hortbetreuung. Allein in der Gemeinde Wennigsen existieren derzeit sieben verschiedene Lösungen.

Wie kann man das lösen?

Meineke: Wir haben bei unserem letzten Gespräch auf der Marienburg einen „Hort-Gipfel“ beschlossen. Wir Calenberger Kommunen wollen uns mit Fachleuten - zum Beispiel vom Städtetag - zusammensetzen, um zu schauen, wie wir Dienstleistungen verbessern können. Die Bürger erwarten Lösungen. Barsinghausen hat ein Modell, direkt an den Schulen zu betreuen. Wir haben zwei Horte an den Schulen und Initiativen von Eltern, Kindergärten und der Kirche. Nun müssen wir an einen Tisch, um von guten Beispielen zu lernen, aber auch aus denen, bei denen es nicht so gut gelaufen ist.

Wie regelmäßig sind diese Treffen?

Mittendorf: So alle acht Wochen. Und ich muss mich auch einmal bei meinen Kollegen bedanken. Als ich als neu gewählter Bürgermeister angefangen habe, gab es gleich einen Anruf von Christoph, der gesagt hat: „Wir haben hier eine Calenberger Runde - du lädst als erster ein.“ (Gelächter) Es ist für jemanden, der neu im Amt ist, eine enorme Erleichterung, wenn man in solch eine Runde dazukommen kann, zu der ja auch Ramona Schumann (Bürgermeisterin von Pattensen, Anm. d. Red.) gehört. Wir nehmen jeder etwas aus diesen zwei- oder dreistündigen Runden mit nach Hause.

Gibt es denn auch Bereiche, in denen Kommunen einzelne Aufgaben für andere übernehmen könnten?

Meineke: Also, da ist Wennigsens Exportschlager das Blitzgerät (lacht). In sechs Kommunen wird es eingesetzt. Vor allem ändern sich das Denken und die Arbeitsweise - der Tunnelblick schwindet. Früher hat jede Kommune erst einmal geschaut, wie sie ein Problem alleine lösen kann. Mittlerweile guckt man viel schneller nach Außen. Bei Kanalsanierungen arbeiten wir zum Beispiel mit Springe zusammen, im Flüchtlingsbereich tauschen Gehrden und Wennigsen sich eng aus, bei Kinderbetreuung außerhalb der Wohnsitzkommunen wird auf kurzem Wege kooperiert.

Mittendorf: Wir haben die Kehrmaschine und die Drehleiter, die wir mit anderen Kommunen teilen.

Harms: Einzelne Projekte gibt es, aber es ist definitiv noch ausbaufähig.

Ist es sogar denkbar, in der Verwaltung gemeinsame Stellen zu schaffen, um Kosten zu sparen?

Lahmann: Man überlegt in bestimmten Bereichen schon, ob es sich noch lohnt, eigenes Personal einzustellen. Das war bei uns bei der technischen Prüfung so, da reichten Seelze und uns jeweils ein halber technischer Prüfer. Aber eine halbe Stelle zu besetzen, ist immer schwierig. Deshalb hatten wir vereinbart, dass der technische Prüfer aus Seelze die Prüfung in Barsinghausen mit übernimmt. Aufgrund gestiegener Prüfungszahlen brauchen Seelze und Barsinghausen jetzt jeder wieder eine volle Stelle, weshalb diese erfolgreiche Zusammenarbeit im Herbst ausläuft. Dieses Beispiel zeigt aber, dass es durchaus Sinn macht, über eine Zusammenarbeit nachzudenken und dies auch praktiziert wird. Wobei ich glaube, dass wir hier in der Region Hannover von den Größen der Kommunen her die Bereiche, die uns von der Zuständigkeit zugeteilt worden sind, meist selbst erledigen können. Obwohl das Gewinnen von Personal für uns im öffentlichen Dienst tatsächlich immer schwieriger geworden ist.

Wieso?

Meineke: Wir haben es als erstes bei den Ausschreibungen in den erzieherischen Berufen gesehen, als die Betreuung der unter Dreijährigen kam und der Markt schlagartig leergefegt war. Wir merken es nun im Verwaltungsbereich. Sei es der demografische Wandel, sei es der gut laufende Arbeitsmarkt: Es ist schwer, gutes Personal zu finden. Letztendlich gucken alle Kommunen in der ganzen Region danach, wo sie gute Mitarbeiter herbekommen. Bei einem so engen Arbeitsmarkt ergeben sich natürliche Kooperationen: Wir arbeiten das Personal gegenseitig ein, es gibt Hospitationen, wechselseitige Urlaubsvertretungen und regelmäßige Arbeitstreffen. Wir Calenberger Kommunen schweißen uns nun eng zusammen.

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