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Die erste Lokomotive hieß Deister
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Calenberger Land Die erste Lokomotive hieß Deister

Die Deisterbahn feiert Jahrestag: Vor 140 Jahren, am 1. Mai 1872, fuhr der erste Zug über Weetzen nach Barsinghausen.

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Die Postkarte aus dem späten 19. Jahrhundert „Gruß aus Bantorf“ verdeutlicht die Eisenbahngeschichte rund um die Steinkohleförderung und den Postdienst.

Quelle: Picasa

Calenberger Land. Ursprünglich war die Bahnstrecke, die in Weetzen beginnt und in Haste endet, für den Transport von Steinkohle gebaut worden. „Die steigende Beliebtheit des jungen Beförderungsmittels bei Arbeitnehmern, Urlaubern und Ausflüglern in Deutschland führte zum Umdenken der Eisenbahngesellschaften, und man plante Neubaustrecken für den gemischten Güter- und Reisezugverkehr“, sagt Franz Blazek.

Der Wennigser Ortsbürgermeister hat sich intensiv mit der Geschichte des Eisenbahnverkehrs beschäftigt und zahlreiche historische Postkarten, Stempel und Kursbücher gesammelt.„Nur der Streckenteil zwischen Weetzen und Haste stellt die Deisterbahn dar“, sagt Blazek. Mit den Plänen zum Bau dieser Eisenbahn wurde bereits um 1860 begonnen. Der Hannover-Altenbekener Eisenbahngesellschaft (HAE) wurde im November 1868 von der preußischen Regierung die Baukonzession erteilt. Am 13. April 1872 wurde der erste Abschnitt Hannover-Hameln übergeben. Da zeitgleich an der Deisterstrecke gebaut wurde, konnte deren erster Abschnitt von Weetzen nach Barsinghausen am 1. Mai 1872 feierlich eröffnet werden. Nur 14 Wochen später, am 15. August 1872, wurde auch das Teilstück von Barsinghausen nach Haste für den Zugverkehr freigegeben.

Beim Bau der Strecken war der als Eisenbahnkönig bezeichnete Bethel Henry Strousberg als Generalunternehmer der HAE tätig. Strousberg lieferte sämtliche Lokomotiven. Aus seiner Fabrik in Linden rollten ab Ende 1871 die ersten Lokomotiven, die Namen wie Weser, Deister und Süntel trugen. „Durch ein geplatztes Rumäniengeschäft verlor Strousberg den größten Teil seines Vermögens“, sagt Blazek. Seine Lindener Lokomotivfabrik konnte von einer Auffanggesellschaft gerettet werden, der späteren Hanomag.

Bönnigser Bauern wollen einen Bahnhof in Lemmie

Die Empfangsgebäude in den Bahnhöfen der Deisterstrecke wurden überwiegend nach dem gleichen Schema errichtet. Der größte Bahnhof Weetzen wurde sogar nach den gleichen Plänen gebaut wie der Bahnhof der HAE in Hannover. Kleinere Bahnhöfe wie in Egestorf und Wennigsen wurden zunächst zweieinhalbgeschossig in Fachwerkbauweise errichtet.

Barsinghausen war sehr auf Güter- und weniger auf Personenverkehr eingerichtet. Am 1. Mai 1872 fuhr der erste Zug von Weetzen nach Barsinghausen, über Wennigsen und Egestorf. Die Haltepunkte in Lemmie und Kirchdorf gab es noch nicht. Dem ersten Fahrplan ist zu entnehmen, dass zu Beginn des Verkehrs auf der Deisterstrecke zwei Zugpaare täglich verkehrten und die Fahrt auf der 13,6 Kilometer langen Strecke 59 Minuten dauerte.

Der erste Zug wurde von der Lokomotive Deister gezogen. Wegen der Strecke nach Haste (25,38 Kilometer lang) wurden die Fahrzeiten länger. Die Züge fuhren nun ab Weetzen täglich um 8.40 Uhr, 16.05 Uhr und 21.50 Uhr und umgekehrt ab Haste im entsprechenden Zeittakt. Wennigsens Ortsbürgermeister Franz Blazek hat recherchiert, dass die Initiative zum Bau des Bahnhofs in Lemmie 1904 von Bauern aus Bönnigsen (heute ein Teil Degersens) ausging. Für sie war es einfacher, mit Pferdefuhrwerken nach Lemmie zu fahren als nach Wennigsen, wo sie eine Steigung bewältigen mussten. „Die Bahnhöfe lagen damals weit draußen“, sagt Blazek. Erst später seien sie von Wohnbebauung umschlossen worden.

Verwechslung in Wennigsen: Aus „Kloster“ wird „Klein“

Mit der Freigabe der Deisterbahn trat auch die Generalverfügung der Deutschen Reichs-Postverwaltung in Kraft. „Die Eisenbahn zwischen Weetzen und Barsinghausen wird am 1. Mai eröffnet und von demselben Zeitpunkt ab zur Beförderung von Postsendungen jeder Art unter Begleitung von Postconducteuren benutzt, welche dem Eisenbahn-Postamte Nr. 16 in Hannover zugewiesen sind“, heißt es in einem Amtsblatt.An der neuen Strecke gab es bereits ein Eisenbahnpostamt in Weetzen. Hinzu kamen die Postexpeditionen in Barsinghausen und Wennigsen. „Das bedeutete, dass vom ersten Tag an eine klassische Bahnpost möglich war“, sagt Franz Blazek, der sich als begeisterter Philatelist auch mit den Poststempeln der Bahn beschäftigt. Wennigsen hieß im Postwesen immer Wennigsen, nur die Eisenbahn wählte den Namen „Kloster Wennigsen“ um einen klaren Unterschied zu „Bennigsen“ herzustellen. Zu einer Verwechslung war es 1897 gekommen. Eine Druckerei hat im Kursbuch aus „Kloster Wennigsen“ „Kl. Wennigsen“ und daraus „Klein-Wennigsen“ gemacht.

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HAZ-Redakteur/in Michael Hemme

Streifzug durch Barsinghausen

Barsinghausen liegt am Deister – und profitiert vom Leben im und auf dem Berg. 300 Jahre Bergbautradition gehören genauso zur Stadt wie die landschaftliche Schönheit.

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