Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Eckard Bretzke: Ein Streiter für den Frieden

Barsinghausen Eckard Bretzke: Ein Streiter für den Frieden

Eckard Bretzke (74) setzt sich seit Jahrzehnten für Frieden und Versöhnung ein. Bundesweit bekannt geworden ist der Wahl-Barsinghäuser 1976 als Anti-AKW-Pastor von Grohnde. Für seine Verdienste um junge Arbeitslose sowie die Aufarbeitung des Holocaust erhielt er 2011 das Bundesverdienstkreuz.

Voriger Artikel
Ausstellung zeigt Frauen der Reformation
Nächster Artikel
Willkommen in Barsinghausen

Eckard Bretzke ist Mitglied im Forum für Politik und Kultur Barsinghausen und seit Jahrzehnten in der Friedensbewegung aktiv.

Quelle: Rocktäschel

Barsinghausen. Bretzke, seit 2002 im Ruhestand, ist Mitglied im Forum für Politik und Kultur Barsinghausen. In die Stadt zogen er und Ehefrau Susanne, weil ihnen die Nähe zum Wald und der S-Bahnanschluss wichtig waren. Aktiv und streitbar ist er geblieben.
Er habe ein starkes Gerechtigkeitsempfinden, sagt der ehemalige Pastor. 1961 gehörte er als Theologiestudent zu den lediglich 400 Kriegsdienstverweigerern: „Ich bin mit der Bibel in der Hand reinmarschiert. Da saßen drei alte Männer, die sich nicht vorstellen konnten, dass jemand dem Staat aufkündigt, mit der Waffe zu kämpfen.“
Er wurde anerkannt und hat sein ganzes Berufsleben als Beistand für Verweigerer gewirkt. Seine erste Station als Pastor war Hameln-Tündern, drei Kilometer vom zurzeit stillgelegten Atomkraftwerk (AKW) Grohnde entfernt. Zunächst habe er geglaubt, dass die Stromerzeugung durch Kernspaltung dem Fortschritt dient: „Ich war naiv.“ Doch dann studierte er, wie ein Druckwasserreaktor funktioniert und welche Gefahren damit verbunden sind.
Bretzke hielt schließlich eine thematische Predigt zur Schöpfungsgeschichte, und der Kirchenvorstand beschloss, einen Gemeindeabend im Pfarrhaus durchzuführen. Dieser sei offenbar so brisant gewesen, dass das politische Kommissariat der Kriminalpolizei einen Beamten incognito entsandte. Von da an sei er jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet worden.
Am 17. November 1976 lud Bretzke mit drei Hamelner Pastoren zum Bußgottesdienst am Maschendrahtzaun des AKWs ein. Es kamen 500 Menschen. Mit anderen Gruppen wurde eine bundesweite Demonstration für den 19. März 1977 vorbereitet. „Diese Demo ist bekannt geworden unter dem Titel Schlacht um Grohnde“, sagt Bretzke. Es begann friedlich. Er referierte und moderierte auf dem Platz vor der Zuckerfabrik in Kirchohsen vor etwa 2000 Teilnehmern. Dann habe die Polizei die Busse mit den Demonstranten nicht mehr durchgelassen. Um sie frei zu bekommen, hatten etliche Demonstranten den Bahnübergang in Kirchohsen besetzt.
„Deswegen hatte ich mich in einem Strafprozess wegen Nötigung zu verantworten“, erinnert Bretzke. Verurteilt wurde er nicht, auch andere Verfahren wurden eingestellt. Versuche der Staatskanzlei, ihn durch den Bischoff maßregeln zu lassen, scheiterten ebenfalls. Bretzke gehört heute dem Vereinsvorstand des Rechtshilfefonds Atomerbe Grohnde an, der die Klage gegen den Weiterbetrieb des AKWs unterstützt.
1977 kam er als Pastor in die Titus-Gemeinde in Hannover-Vahrenheide. Dort gründete er 1979 das erste kirchliche Arbeitslosenprojekt in Hannover, aus dem die Jugendhilfe-Einrichtung „Pro Beruf“ hervorging. „Der Kirchenvorstand hat mich sehr unterstützt und der Stadtkirchenverband das t 250 000 Mark-Projekt mit vorfinanziert. Es war ein großes Risiko, ging aber gut“, sagt Bretzke.
Außerdem gehört er zum Vorstand der 1985 von ihm mitgegründeten Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen, die ehrenamtlich die Arbeit der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers bei Celle fördert und Veranstaltungen zum Jahrestag der Befreiung am 15. April 1945 organisiert.

Von Jörg Rocktäschel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Barsinghausen
doc6snqo7zf9t31iw3exj21
Musik verbindet Flüchtlinge und Einheimische

Fotostrecke Barsinghausen: Musik verbindet Flüchtlinge und Einheimische

Ihr Kontakt zur Redaktion

Andreas Kannegießer:
Telefon: 05105 5213 - 14
E-Mail: andreas.kannegiesser@haz.de

Jörg Rocktäschel:
Telefon: 05105 5213 - 19
E-Mail: joerg.rocktaeschel@haz.de