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Eine neue Herzklappe für Laura

Barsinghausen Eine neue Herzklappe für Laura

Die achtjährige Laura ist mit einem Herzfehler geboren worden. Doch der 14. Oktober 2013 ist ein Wendepunkt in ihrem Leben. An diesem Tag hat sie eine Herzklappe bekommen, die sogar mitwächst.

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Laura (8), ihre Mutter Anja von der Burg (rechts) und Ira Thorsting vom Verein Kleine Herzen Hannover schauen sich gemeinsam Briefe mit Genesungswünschen von Klassenkameraden des Mädchens an. Kannegießer

Quelle: Andreas Kannegießer

Barsinghausen. Für die achtjährige Laura markiert der 14. Oktober dieses Jahres einen Wendepunkt in ihrem Leben. An diesem Tag hat das Mädchen nach einem innovativen Verfahren eine neue Herzklappe erhalten, die sogar mitwachsen wird. Inzwischen bereitet sich Laura auf die Rückkehr in die Schule vor. Sie hat alle Chancen, dauerhaft ganz gesund zu sein. Von Andreas Kannegiesser Barsinghausen. Laura ist mit einem Herzfehler geboren und musste bereits im Alter von drei Monaten zum ersten Mal operiert werden. Das Loch in der Herzklappe blieb aber und sorgte dafür, dass das Kind in den vergangenen Jahren schnell erschöpft war und sich schlecht konzentrieren konnte. Auf die lang ersehnte Operation habe die Familie zwei Jahre gewartet, berichtet Lauras Mutter Anja von der Burg. „So lange dauerte es, bis ein Spenderherz zur Verfügung stand.“ Die neuartige Herzklappe, die Laura in der Medizinischen Hochschule in Hannover in ihr eigenes Herz eingenäht wurde, stammt von einem gestorbenen Kind.

Für Anja von der Burg ist es wichtig, auf die Bedeutung von Organspenden hinzuweisen. „Wir sind sehr, sehr dankbar, dass eine Familie im Moment eines schweren Schicksalsschlags diesen Weg gegangen ist“, sagt die Mutter. Inzwischen fühlt sich Laura prima und kann es kaum erwarten, bald wieder in ihre Klasse 3a der Albert-Schweitzer-Schule zurückzukehren. Laura schwimmt gerne, spielt Fußball und tobt gerne mit Freunden herum. Etwa ein halbes Jahr lang muss die Achtjährige allerdings noch zurückhaltend sein: „Ich darf nicht schwimmen, nichts schleppen und auch nicht hinfallen, denn sonst kann die Narbe aufgehen“, erzählt die muntere Achtjährige. „Und das war ja sooo viel Arbeit für die Ärzte.“ Mächtig gefreut hat sich das Mädchen über den großen Umschlag mit vielen einzelnen Briefen, in denen ihre Klassenkameraden ihr gute Wünsche übermittelt haben. Anja von der Burg erinnert sich ungern an schwierige Zeiten vor der Operation. „Man ist so absolut ohnmächtig, wenn man das eigene Kind leiden sieht“, sagt die Mutter. Das sei „wie einmal in die Hölle und zurück“. Umso dankbarer ist die Familie für die Hilfe in der MHH – nicht nur für die medizinische Leistung des Teams um Chefarzt Alexander Horke, sondern auch für Betreuung und Unterstützung von Ehrenamtlichen wie etwa den Mitgliedern des Vereins Kleine Herzen. „Laura kann endlich ein normales Leben führen“, sagt Anja von der Burg. „Ich wünsche ihr so sehr, dass sich ihre Lebensträume erfüllen.“

Andreas Kannegießer

Verein Kleine Herzen

Unterstützung bei der Betreuung

Der Verein Kleine Herzen Hannover e.V. unterstützt die Medizinische Hochschule Hannover sehr engagiert im Bereich der Pflege und Betreuung ihrer kleinen Herzpatienten. „In Forschung und Lehre ist die MHH absolut führend, aber bei der Betreuung müssen wir helfen, weil Geld fehlt“, sagt Vereinsvorsitzende Ira Thorsting. Als Mutter zweier mittlerweile erwachsener herzkranker Kinder weiß sie um die Sorgen und Nöte betroffener Familien. Herzkranke Kinder müssen oft viele Monate, mitunter Jahre in der MHH zubringen, bis ein Spenderherz gefunden ist oder andere komplizierte Behandlungen abgeschlossen sind. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und ihren Eltern diese Aufenthalte in der Klinik zu erleichtern. Seit 2006 sind die „Kleinen Herzen“ als Initiative aktiv, 2010 wurde daraus ein Verein mit zurzeit 13 Mitgliedern. Mit viel Engagement wirbt der Verein Spendengelder ein. Finanziert worden ist bisher die Umgestaltung von sechs Patientenzimmern in der Kinderherzstation zu funktionalen Eltern-Kind-Zimmern. Im nächsten Jahr soll eine weitere Station umgestaltet werden. „Dafür haben wir 290.000 Euro zur Verfügung“, sagt Thorsting. Das reiche aber nicht – auch angesichts der vielen weiteren Projekte des Vereins. Die Kleinen Herzen haben eine Sozialbetreuung für die Patientenfamilien finanziert, die Einstellung einer Psychologin angestoßen und einen Dolmetscherdienst für internationale Patienten eingerichtet. Nächstes Ziel ist die Renovierung des Spielzimmers der Kinderherzstation. Informationen über den Verein gibt es im Internet auf kleineherzen.de im Internet.ka

 

Info

Herzklappen können sogar mitwachsen

Vor allem für betroffene Kinder ist das in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelte Verfahren zum Einsatz von Ersatzherzklappen ein Quantensprung: Die neuartigen Klappen können mitwachsen und müssen nicht nach fünf bis acht Jahren wieder ausgetauscht werden. Etwa ein Prozent aller Kinder wird mit einem Herzfehler geboren. Sehr oft sind die Klappen löcherig oder fehlgebildet, die den Blutfluss zwischen den vier Herzkammern regeln. Die Standardbehandlungsmethode war jahrzehntelang der Einsatz künstlicher Herzklappen oder von Klappen aus Schweineherzen. Deren Haltbarkeit ist begrenzt. Zudem müssen die Patienten ständig mit Blutverdünnern beziehungsweise Medikamenten gegen Abstoßungsreaktionen behandelt werden.Das neue Verfahren ist vor rund fünf Jahren an der MHH erstmals eingesetzt worden. Inzwischen haben mehr als 70 Patienten eine solche Klappe erhalten, ohne dass Nachoperationen erforderlich waren. Grundlage ist eine Organspende. In einem aufwendigen Laborprozess werden die Spenderklappen so aufbereitet, dass nur noch das biologische Gerüst übrig bleibt. Dieses Gerüst ist im Körper des Empfängers dennoch sofort funktionsfähig und wird schnell mit eigenen Körperzellen besiedelt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Klappen problemlos mitwachsen. ka

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