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Protest gegen Flüchtlingsunterkunft spaltet Dorf

Blockadeaktion in Kirchdorf Protest gegen Flüchtlingsunterkunft spaltet Dorf

Dass in Barsinghausen-Kirchdorf eine Flüchtlingsunterkunft gebaut wird, sorgt im Dorf für Unruhe. Mehrere Anwohner hatten am Montag die Zufahrt zur Baustelle blockiert, eine Bürgerinitiative kritisiert den Neubau. Die Kirchdorfer beurteilen den Protest ihrer Mitbürger höchst unterschiedlich.

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Die Protestaktion lockt Interessierte wie Roland Dreher an.

Quelle: Naumann

Barsinghausen. Es könnte alles so idyllisch sein in Kirchdorf am Deister. Wenige Meter vom Waldrand entfernt grasen zwei Pferde auf einer saftigen Wiese. Sie schauen nur kurz irritiert auf, als zwei große Lastwagen vorbeirollen. Die biegen auf eine Baustelle ab, die derzeit für Unruhe im Dorf sorgt, das zu Barsinghausen gehört. Vier Anwohner haben die Zufahrt zur Baustelle blockiert, denn dort entsteht eine Flüchtlingsunterkunft. Baufahrzeuge kamen zeitweilig nicht mehr aufs Grundstück. Die Aktion erinnert an einen Vorfall im Hamburger Nobelviertel Blankenese. Dort sollten Anfang April Bäume für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft gefällt werden – die Blockade durch Anwohnerfahrzeuge hat bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Kirchdorf ist nicht Blankenese. Aber auch dort sind einige Anwohner nicht einverstanden, dass auf der Fläche am Ortsrand eine Unterkunft entsteht, gebaut von der Region. Sie haben sich zur Bürgerinitiative „Gemeinsam in Barsinghausen“ zusammengeschlossen. Offiziell aufgerufen hat sie nicht zu dem Park-Protest. Man habe eine Unaufmerksamkeit der Stadt genutzt, die es versäumt hatte, Schilder aufzustellen, heißt es. Nach wenigen Stunden war die Aktion vorbei, inzwischen sind auch Schilder installiert.

Die Kirchdorfer beurteilen den Protest ihrer Mitbürger höchst unterschiedlich. „Ich finde das ganz schrecklich“, sagt eine Frau, die mit ihren Hunden unterwegs ist. Sie kann die abweisende Haltung gegen Menschen auf der Flucht nicht nachvollziehen. Denn nur so sei doch die Park-Blockade zu verstehen. Roland Dreher aus dem Nachbarort Egestorf spricht dagegen von einer „pfiffigen Aktion“, die völlig legal sei. „Das ist doch die einzige Möglichkeit, als Bürger auf Missstände aufmerksam zu machen“, findet er. Denn auch er ist gegen den Standort der Unterkunft. Allerdings aus anderen Gründen als die Bürgerinitiative: „Hier wird eine in Barsinghausen einmalige Tier- und Pflanzenwelt zerstört.“
Einer, der sein Auto vor der Baustelle abgestellt hat, ist Damian Wacławski. Er ist Sprecher der Initiative und verteidigt den Protest. „Wir machen das nicht aus Spaß, sondern um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen.“ Und das laute nicht, den Bau der Flüchtlingsunterkunft zu verhindern, vielmehr seien Anwohner aufgebracht, weil sie sich übergangen fühlen. Er wirft der Stadt Aktionismus und Dilettantismus vor. Sie halte „überstürzt und auf Biegen und Brechen an einer Baumaßnahme fest“, die wegen der sinkenden Flüchtlingszahlen unnötig sei – zulasten der Lebensqualität der Anwohner. Zudem liege keine Baugenehmigung vor.

Dem widerspricht Barsinghausens Bürgermeister Marc Lahmann. Die Stadt habe der Region am Montag eine Teilbaugenehmigung erteilt, die Fundament­arbeiten zulasse. Den Protest gegen den Standort kann Lahmann nicht verstehen, denn: „Gewählte Vertreter haben in einem demokratischen Prozess über den Standort entschieden.“

Von Gerko Naumann

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