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Gott ist der edelste, absolute Humanist

Barsinghausen Gott ist der edelste, absolute Humanist

„Gott hat die Menschen nicht erschaffen, um verherrlicht zu werden. Er ist darauf nicht angewiesen, auch wenn viele Menschen in vielen Religionen das glauben.“ Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster, hat am Donnerstagabend seine Zuhörer erstaunt.

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Professor Mouhanad Khorchide spricht in der Petrusgemeinde über den Islam.

Quelle: Rocktäschel

Barsinghausen. Sein Gottesbild und seine Auslegung des Korans entspricht so gar nicht dem Bild, das die meisten Christen vom Islam haben. IS-Terror und oft verbreitete Zitate aus dem Koran, die den Islam als gewaltbereite Religion gegenüber Anders- oder Ungläubigen darstellen, sprechen dagegen. Auch Muslime widersprechen dem Professor, der auf Einladung von Karin Dörner, Bücherhaus am Thie, und dem Kirchenkreis Ronnenberg, in die Petrusgemeinde gekommen ist.
Khorchide, Autor des Buchs „Gott glaubt an den Menschen. Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus“, hat Morddrohungen erhalten. Er steht unter Polizeischutz. Der fiel zwar am Donnerstag den rund 90 Zuhörern nicht auf, war aber vorhanden.
Laut Khorchide ist der Islam keine Gesetzesreligion. Das Gegenteil werde lediglich in jenen Staaten behauptet, die auf einer Mentalität des Gehorsams aufbauen, also totalitär sind.
Ein weiteres Problem sei, dass bei vielen gläubigen Muslimen die Ansicht verbreitet ist, dass die im neunten Jahrhundert entstandenen Auslegungen des Korans für immer gültig sind. Gerade diese Reformverweigerung über Jahrhunderte habe zu Fehlinterpretationen geführt, und dies falsche Islamverständnis sei zum einzig wahren Islam erklärt worden.
Doch auf die Fragen des 21. Jahrhunderts können nicht die Antworten aus dem neunten gegeben werden, betont er. Zwar gebe es Regeln und Vorschriften, die eingehalten werden sollen. Dazu zählen Gebet und das Fasten. Doch beides sei dazu da, dass die Menschen eine tiefe Reise in sich selbst unternehmen, um sich dem transzendentalen zu öffnen. Gott sei der edelste, absolute Humanist. Er habe dem Menschen seinen Geist eingehaucht und die Freiheit gegeben, souverän zu handeln, ein Leben voller Güte, Barmherzigkeit, Gnade, Liebe und Empathie zu führen.
„Der Islam lehnt eigentlich religiöse Strukturen ab. Die Menschen geben Chancen ab, wenn sie sich dennoch nur an Autoritäten halten“, betont er: „Es gibt keinen vollkommenen Menschen, aber er muss sich bemühen, sich auf den Weg machen.“ Gewalt sei ein Produkt des „sich Verschließens“.
Khorchide spricht selbst dem IS nicht den Glauben ab, habe aber die falsche Lesart. Dass der IS mit dem Koran argumentiere, irritiere selbst viele Moslems. Dennoch sei der IS kein theologisches, sondern ein politisches Problem und nutze das Vakuum aus, das in einigen Staaten des nahen Ostens auf Grund politischer Veränderungen entstanden sei.
Die Frage, warum es dort so schwierig sei, endlich Demokratien zu entwickeln, begründete er mit einem tiefen Misstrauen gegenüber dem Westen. „Wir hätten Bildung anstatt Waffen exportieren sollen“, sagte Khorchide. Selbst seine Familie im Libanon empfinde Europa noch immer als Unterstützer der ehemaligen Unterdrücker.

Von Jörg Rocktäschel

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