In das Rittergut Nordgoltern kehrt wieder Leben ein. Rund zehn Jahre lang hatte das historische Gebäudeensemble leer gestanden, nun hat die Familie Deegener aus Stemmen das Gut erworben. Bereits zum Jahresende wollen die Deegeners mit ihren drei Töchtern ihr neues Zuhause beziehen.
Das Ambiente eines Gutshofes mit viel historischer Bausubstanz und alten Bäumen ist dem Arztehepaar wohl bekannt: Zurzeit lebt die Familie noch als Mieter auf dem Rittergut in Stemmen. „Ein Neubau kam für uns nie in Frage“, sagt Karen Deegener. Nachdem die Familie im vergangenen Jahr begonnen hatte, sich zaghaft für das Gut in Nordgoltern zu interessieren, dauerte es noch ein halbes Jahr bis zum Abschluss des Kaufvertrages.
„Wir haben irgendwann entschieden: Das wird unsere Lebensaufgabe“, sagt Karen Deegener, die als Ärztin im Management der Medizinischen Hochschule beschäftigt ist. „Es ist ein wunderschönes Haus“, ergänzt ihr Mann Tim, auch wenn „wirtschaftliche Vernunftgründe eigentlich nicht für das Gebäude sprechen“. Rund 420 Jahre alt ist das Gutshaus, das auf den Gewölbekellern einer alten Wasserburg errichtet worden ist. Die Deegeners wollen zunächst das Haupthaus mit seinen 500 Quadratmetern Wohnfläche auf zwei Geschossen herrichten. „Wir teilen die Fläche auf in drei Wohnungen, zwei davon werden vermietet“, erläutert Tim Deegener.
Der 40-jährige Facharzt für Anästhesie betont, dass die gesamte Sanierung eng mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werde. So sollen etwa die schmucklosen Fenster an der Südfassade durch Sprossenfenster nach historischem Vorbild ersetzt werden. Die Gebäudesubstanz ist grundsätzlich in Ordnung – das meterdicke Bruchsteinmauerwerk ebenso wie die meisten Balken in den Decken und die Fachwerkkonstruktion des Obergeschosses. Die gesamte Gebäudetechnik und die Isolierung müssen aber an moderne Standards angepasst werden. „Wir werden alle Leitungen, die Heizung und die Sanitäreinrichtungen erneuern“, sagt Deegener. „Nach einem geeigneten Energiekonzept suchen wir noch.“
Langfristig will die Familie auch die Nebengebäude nach und nach sanieren und einen Teil behutsam für Wohnzwecke nutzen. Dazu gehört vor allem die an das Haupthaus angebaute Kapelle, die seit einem Brand vor rund 100 Jahren als Kornspeicher genutzt wurde. Sieben bis acht Familien könnten einmal auf dem Gut leben, schätzen die Deegeners. „Das wäre eine ganz schöne Gemeinschaft.“
von Andreas Kannegießer
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