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Zu wenig Lebensmittel: Tafel zieht Notbremse

Barsinghausen/Gehrden Zu wenig Lebensmittel: Tafel zieht Notbremse

Zu wenig Obst und Gemüse, erschöpfte Helfer, kaum freier Lagerplatz - aber immer mehr Hilfsbedürftige: Die Lebensmittelausgabe der Tafel Barsinghausen zieht die Notbremse. Wegen der unaufhörlichen Flüchtlingsströme werden vorerst keine neuen Kunden mehr für die Ausgabestelle registriert - Aufnahmestopp.

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Stoßen an ihre Grenzen: Gudrun Schulz (links) und Marita Lucht bedienen die Kunden an der Lebensmittelausgabe in Barsinghausen.

Quelle: Hartung

Barsinghausen/Gehrden. Sie haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Und auch künftig will das Leitungsteam die Situation Monat für Monat neu bewerten. Trotzdem: Marion Meents, Günter Gottschalk vom Trägerverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und Heidi Rogge haben sich fest gelegt: "Wir haben für Januar einen vorläufigen Aufnahmestopp beschlossen. Es werden vorerst keine neuen Bedarfsgemeinschaften mehr registriert", sagt Rogge.

Was das bedeutet, klingt unbarmherzig, ist aber derzeit offenbar die einzige Lösung: "Wer keinen unserer eingeschweißten Ausweise vorlegt, bekommt keine Lebensmittel. Wir können sonst nicht mehr alle Kunden zufrieden stellen", sagt Rogge. Der Hintergrund: "Seit Anfang Dezember haben wir 60 Neuaufnahmen verzeichnet - fast alles Flüchtlinge", sagt Rogge. An jedem Montag und Donnerstag werden die Kunden am Langenäcker mit gespendeten Lebensmitteln versorgt. "Allein in der vergangenen Woche haben wir rund 250 Bedarfsgemeinschaften bedient. Das sind etwa 1000 Menschen an zwei Ausgabetagen", beschreibt Rogge das Ausmaß.

Zuletzt hat sich die Situation nach Angaben des Leitungsteams regelrecht zugespitzt. "Die Flüchtlinge werden untereinander aggressiv, wenn Obst oder Gemüse notgedrungen nicht gleichberechtigt ausgegeben werden kann", sagt Rogge. Kürzlich habe der Vater einer Vier-Personen-Familie förmlich gebrüllt, weil er nur vier Birnen bekommen habe.

Das Problem sei aber keineswegs, dass zu wenig gespendet werde. "Wir bekommen von den Supermärkten regelmäßig mehrere Kisten voll mit Lebensmitteln", betont Rogge. Das Dilemma: "Selbst wenn wir mehr private Spenden bekommen, haben wir zu wenig Leute, um noch mehr Waren zu sortieren. Und wenn wir noch mehr Helfer hätten, wäre zu wenig Lagerplatz frei." Die zu bewältigende Grenze sei überschritten. "Von der Logistik her ist ein größeres Ausmaß an Hilfe in dieser Form nicht mehr ehrenamtlich möglich", sagt Rogge.

Bei der Tafel Barsinghausen engagieren sich zwar insgesamt bis zu 70 Freiwillige. Trotzdem stoßen auch die Helfer an ihre Grenzen. "Wir haben an einem Tag mit sieben Frauen innerhalb von dreieinhalb Stunden 400 Haushalte, also rund 1200 Personen bedient."

Die gute Nachricht: Die Ausgabestelle in Gehrden verfügt vorerst keinen Aufnahmestopp. Dort werden einmal in der Woche rund 100 Bedarfsgemeinschaften versorgt - Tendenz steigend. "Zuletzt gab es 22 Neuaufnahmen, und die Flüchtlingszahlen steigen", weiß Rogge. Zwecklos sei es für Bedürftige aus Wennigsen oder Barsinghausen, dorthin zu fahren. "Man muss nachweisen, dass der Wohnort in Gehrden oder Ronnenberg liegt", betont Rogge.

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