Um Jugendliche in Heimen oder bei Pflegefamilien unterzubringen, hat das Rat beschlossen, dem Burgdorfer Jugendamt 100.000 Euro mehr zur Verfügung zu stellen. „Behörden holen mehr Kinder aus den Familien.“ – „Immer öfter greifen Jugendämter in Familien ein.“ Schlagzeilen wie diese gingen am Wochenende durch die Presse und fußen auf Zahlen im neuen statistischen Datenatlas des Landes Niedersachsen. Danach schauen Gesellschaft und Behörden heute genauer hin und reagieren schneller, um Kinder und Jugendliche vor Gewalttaten in ihren Familie zu schützen.
Entsprechend müssen auch mehr Kinder und Jugendliche anders untergebracht werden, wie in Burgdorf anhand von Ausgabenzahlen deutlich geworden ist. Erstmals seit Jahren musste der Etat für die stationäre Unterbringung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen außerplanmäßig um 100.000 Euro aufgestockt werden.
Nach Angaben von Jens Niemann vom Jugendamt gehen nicht nur in Burgdorf die Fallzahlen in allen Bereichen der meist kostenintensiven Jugendmaßnahmen in die Höhe. Die Ursachen seien komplex und nicht allein darin zu finden, dass die Jugendlichen selbst immer schwieriger würden: „Das wäre zu schlicht gedacht.“ Das Ganze sei eher eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung und habe sicher mit Problemen wie zunehmender Armut und Arbeitslosigkeit zu tun.
Rund die Hälfte des rund 1,5 Millionen Euro umfassenen Etats des Jugendamtes geht nach Niemanns Worten für die Unterbringung in Heimen und anderen Wohnformen drauf. Davon wurden bislang etwa 400 000 Euro für die Heimunterbringung erforderlich, die schon mal mit 4000 bis 4500 Euro pro Monat zu Buche schlage. Blieb die Zahl in der Vergangenheit immer im einstelligen Bereich, so sei sie diesmal auf zehn Kinder und Jugendliche angestiegen, die in Heimen wie der Pestalozzi-Stiftung in Burgwedel oder dem evangelischen Kinderheim in Celle untergebracht werden mussten.
von Norbert Korte
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