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Beim Singen gibt es keine Auswechselbank

Burgdorf Beim Singen gibt es keine Auswechselbank

CampusMusik, die Singschule der Pankratius-Kirchengemeinde, ist den Kirchenkreiskantoren Tina Röber-Burzeya und Martin Burzeya eine Herzensangelegenheit. 180 Kinder singen dort mittlerweile. Über das Geheimnis ihres Erfolges sprach Anzeiger-Redakteur Joachim Dege mit den beiden Kirchenmusikern.

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Die hohe Beteiligung an der CampusMusik-Kinderchorfreizeit – hier im Jahr 2014 – ist ein Zeichen für den Erfolg der Singschule.

Quelle: Privat

Burgdorf. Obgleich der Anzeiger vielfach berichtete, nicht alle unsere Leser wissen es: Was genau ist die Singschule CampusMusik?

Tina Röber-Burzeya: Bei uns haben Menschen von eineinhalb bis 18 Jahren die Möglichkeit zu singen.

Martin Burzeya: Und zwar altersangepasst. Sowohl pädagogisch wie musikalisch. Und auch geschlechterangepasst in der Musikwerkstatt für Jungs von der zweiten bis vierten Klasse.

Sie haben ziemlich viel Erfolg mit Ihrer Singschule. Die Zahl der Sänger hat sich in den vergangenen sechs Jahren auf 180 verdoppelt. Wie haben Sie das denn hinbekommen?

Tina Röber-Burzeya: Das hängt sicherlich mit unserem Umzug vom Spittasaal neben der St.-Pankratius-Kirche in das Gemeindehaus an der Gartenstraße zusammen. Kinderchöre hatten wir ja vorher schon. An der Gartenstraße haben wir dann 2010 die Singschule eröffnet, weil wir auch räumlich viel bessere Möglichkeiten dort haben, etwa für szenische Einstudierungen und die Stimmbildung. Und auch pädagogisch. Dazu kommt das CampusCafé mit seiner einladenden Atmosphäre.

Martin Burzeya: Ja, das CampusCafé, wo Kinder auch mal Hausaufgaben machen und spielen, sich Eltern treffen und austauschen können, ist sowieso die Keimzelle für gute Ideen. Eine weitere Rolle spielt wohl auch der die Persönlichkeit fördernde Faktor des Singens in der Gemeinschaft. Und natürlich sind wir lange genug in Burgdorf, kennen unheimlich viele Leute und die uns. Ich lasse mein Kind ja auch lieber von einem Fußballtrainer trainieren, wenn ich ihn persönlich kenne.

Und dann gibt es ja auch noch Kreativangebote im Dunstkreis der Singschule.

Tina Röber-Burzeya: Genau. CampusCreativ zum Beispiel hat unsere Diakonin Caroline Singer gemeinsam mit Kinderchormüttern konzipiert. Dieser Kreis lädt mehrfach im Jahr dazu ein, eigene kreative Ideen umzusetzen, zum Beispiel das Gestalten eines Mosaikspiegels.

Martin Burzeya: Und in der Musikwerkstatt für Jungen bauen wir Requisiten für unsere Singspiel- und Musicalaufführungen. Zurzeit haben wir 16 Jungs, die proben und werkeln. Das ist eine Kooperation mit dem Ganztagsangebot der Grundschule I.

Aber sagen Sie mal: Für zwei Leute, die sich eine Stelle teilen, ist das alles doch wohl ein wenig viel. Wie schaffen Sie das nur? Oder haben Sie Helfer?

Tina Röber-Burzeya: Na ja, Helfer? Das ist zu wenig gesagt. Da gibt es Michael Meyer-Frerichs, der den Musikgarten leitet, also das Eltern-Kind-Singen für die Kleinkinder, und uns einen Teil der Büroarbeit abnimmt. Und natürlich Caroline Singer, die das CampusCafé, CampusCreativ, CampusCulinaria und CampusZeit koordiniert und mit Ehrenamtlichen umsetzt. Ohne unsere Eltern aber ginge wenig. Um die 50 Ehrenamtliche unterstützen uns. Sonst wären Kinderchorfreizeiten mit 75 Kindern ja gar nicht machbar.

Martin Burzeya: Man muss schon sagen, die Elternmitarbeit gehört zum Konzept.

Das Ganze ist ja ein Angebot der Kirchengemeinde. Wie wirkt das alles denn in die Gemeinde hinein?

Martin Burzeya: Man kann schon von einer Vernetzung sprechen. Ein Beispiel: Die erwachsenen Sänger der Kantorei bekommen bei der Probe im Gemeindehaus mit, ach, da unten ist ja das CampusCafé. Und dann sagen sie sich, da backe ich doch mal einen Kuchen. So kommen die Beteiligten miteinander in Kontakt, und es entstehen Freundschaften. Das lockt dann vielleicht auch mal jemanden an, der vorher nicht kam.

Tina Röber-Burzeya: Ein Kuchen ist für uns so wertvoll wie die Betreuung bei der Chorfreizeit. Jeder ist frei zu entscheiden, wie er sich einbringen will, punktuell oder längerfristig bei bestimmten Projekten. Auch Flüchtlingen haben wir schon geholfen über unser Netzwerk.

Und auch über die Gemeinde und sogar über Burgdorf hinaus hat die Singschule Strahlkraft?

Tina Röber-Burzeya: Das merkt man dann am Geld, das wir ja auch brauchen für unsere Projekte. Wir werden etwa von der Region, von Stiftungen und von der Landeskirche finanziell unterstützt.

Martin Burzeya: Auch Kinder aus Lehrte und Uetze besuchen CampusMusik. Aus Edemissen kommt sogar eine Mutter mit ihrem Kind in den Musikgarten.

Der Slogan Ihrer Singschule lautet „Singen macht glücklich“. Wie ist das zu verstehen?

Tina Röber-Burzeya: Also erstens: Wir singen ja nicht nur. Wir sprechen auch mit den Kindern. Die werden es in den Proben und Freizeiten auch los, wenn sie mal der Schuh drückt. Im Vordergrund steht aber natürlich, dass wir gemeinschaftlich etwas auf die Beine stellen. In der Gruppe ist jeder wichtig. Es gibt keinen Wettbewerb, keine Verlierer, keine Auswechselbank. Egal wie schlau einer ist, oder wie dick oder dünn, wir alle arbeiten auf ein gemeinsames Ziel hin, kümmern uns umeinander und geben aufeinander acht.

Wie es scheint, können Sie sich entspannt zurücklehnen. Gibt es gleichwohl Zukunftspläne?

Tina Röber-Burzeya: Den Ist-Zustand zu halten, ist ja auch schon eine große Herausforderung an das ganze Team. Aber ja. Wir wollen ab Februar 2017 einen Musikgarten für Mütter und Babys ab drei Monaten anbieten. Dazu haben wir gerade jemanden in die Ausbildung geschickt, eine ausgebildete Kinderkrankenschwester.

Martin Burzeya: Mit unserer Musikwerkstatt möchten wir die Zusammenarbeit mit der OGS noch intensivieren. Dabei denken wir an Aufführungen bei Schulfeierlichkeiten wie Einschulungen und Schulentlassungen.

Tina Röber-Burzeya: Außerdem sind wir mit dem Mehrgenerationenhaus und dem Nachbarschaftstreff im Gespräch, wie man über Musik die deutsche Sprache transportieren kann. Wir würden gern Flüchtlingsmütter und deren Kinder in unsere Chorgruppen integrieren.

Sommerfest im Gemeindehaus

Die Singschule der St.-Pankratius-Kirchengemeinde lädt für Sonnabend, 20. August, ein zu einem Sommerfest. Das soll von 11 bis 17 Uhr im Gemeindehaus an der Gartenstraße 28 und im Kindergarten am Fröbelweg steigen. Geplant sind Aktionen im Haus, im Innenhof und im Garten. Entdecken, mitmachen und genießen – darum soll es beim Campus-Sommerfest gehen: Die Gäste können das CampusMusik-Angebot kennenlernen, selbst musizieren, tanzen und in Workshops Instrumente ausprobieren. Eine Themen-Rallye mit Gewinnspiel lockt. Das Projekt CampusCulinaria hält Fingerfood bereit. Kaffee und Waffeln gibt’s im CampusCafé.

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