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Ärzte klären über Grippeschutzimpfung auf

Burgdorf Ärzte klären über Grippeschutzimpfung auf

Mit jedem Herbst beginnt eine neue Debatte darüber, ob eine Grippeschutzimpfung sinnvoll ist – und für wen. Darüber klären Burgdorfs Mediziner ihre Patienten auf. 

Burgdorf. Ben und Ida strahlen. "Gut!" war die Grippeschutzimpfung, die sie von Kinderarzt Dominik Nolte bekommen haben - da sind sich die beiden Geschwister einig. Doch so ein riesengroßes Lächeln wie Ben und Ida haben längst nicht alle Patienten vor und nach einer Impfung im Gesicht - mit Recht?

Die Scheu vor der Grippeschutzimpfung liegt nicht nur am "kleinen Pikser", mit dem die Ärzte sie häufig ankündigen - gerade ältere Patienten verweigerten sich der Grippeimpfung aus einem anderen Grund, beobachtet die Burgdorfer Allgemeinmedizinerin Marika Rudolf-Wimmer: "Viele Menschen in dieser Altersgruppe sagen mir, sie seien nach der Impfung krank geworden." Dabei handele es sich jedoch nicht um eine Grippe, sondern eine "ganz normale Reaktion des Immunsystems", so Rudolf-Wimmer. Nolte kennt solche Rückmeldungen ebenfalls und erklärt: "Viele Patienten bekommen nach der Grippeimpfung allein aufgrund der Jahreszeit eine Erkältung - das verwechseln sie dann." Nur etwa drei Prozent der Geimpften hätten eine tatsächliche Impfreaktion, etwa in Form von Gliederschmerzen oder aber einer Rötung oder Schwellung an der Impfstelle.

Marika Rudolf-Wimmer impft in der Grippesaison vor allem Risikopatienten: "Dazu gehören Schwangere, schwer Kranke, Menschen ab 60 Jahren und solche, die im medizinischen Bereich arbeiten", erläutert die Ärztin die Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts. Grundsätzlich gehe es bei Impfungen auch um den Kollektivschutz, jedoch gelte diese Grundlage vor allem für gefährlichere Erkrankungen - daher empfiehlt sie Patienten ohne Indikation die Impfung nicht zwingend. Nolte ist an dieser Stelle anderer Meinung - Patienten mit Indikation legt er die Impfung ebenso nahe wie allen, die sich danach erkundigen - auch wenn nicht alle Krankenkassen die Grippeimpfung bezahlen: "Ich erzähle meinen Patienten immer, dass ich auch meine eigenen Kinder gegen Grippe impfe, obwohl sie keine Indikation haben - das zeigt: Die Impfung ist sicher und ich bin überzeugt von ihrem Nutzen. Wir haben in Niedersachsen eine generelle Impfempfehlung gegen Grippe."

Ohnehin sei "die Überzeugung des Arztes der entscheidende Faktor", um vielen Menschen die Entscheidung für eine Impfung leichter zu machen, resümiert Nolte. "Wenn ich mich entschieden für die Impfung ausspreche, schließen sich dem auch meine Patienten an." Marika Rudolf-Wimmer schlägt einen anderen Weg vor: "Wir sollten weg von reißerischer Werbung für die Impfung und hin zu sachlicher Aufklärung. Statt 'Lass dich impfen!' sollten wir einfach mal 'Informier dich!' sagen. Viele Patienten sind durch die vielen Impfungen auch überfordert und fragen sich, ob jede davon nötig ist."

Bei vielen Patienten sorge auch die Debatte um den tri- oder tetravalenten Impfstoff für Unsicherheit, bemerken die beiden Ärzte: Während der trivalente Impfstoff lediglich gegen drei Erreger wirkt, wirkt der tetravalente noch gegen einen vierten - diesen Impfstoff zahlen die Krankenkassen in der Regel jedoch nicht. Die Frage nach dem besseren Impfstoff sei zwar "aus Kassensicht leider eine rein wirtschaftliche Frage", räumt Nolte ein, "nichtsdestotrotz liegt die Wahrscheinlichkeit bei 90 Prozent, dass der trivalente Impfstoff wirkt. Sich deshalb gar nicht impfen zu lassen, ist ein Fehler." Der zusätzliche Nutzen des vermehrten Impfschutzes betrage "bei doppelten Kosten nur circa 5 bis 10 Prozent."

Insgesamt verfüge die Region im bundesweiten Vergleich über eine hohe Impfrate, Burgdorf sogar über eine noch höhere, weiß Dominik Nolte: "Wir sind froh, wenn wir bei den Kindern eine zweistellige Quote erreichen - es ist gut, dass Burgdorf mit vielen vernünftigen Ärzten versorgt ist", urteilt er. Insgesamt, so Nolte, liegt die Impfquote im Schnitt bei circa 35 Prozent.

Für alle, die einer Impfung immer noch skeptisch gegenüberstehen sollten oder sie noch nicht durchgeführt haben, hat Nolte trotzdem einen Rat: "Man sollte sich regelmäßig die Hände waschen und sich nicht ins Gesicht fassen - das mindert das Infektionsrisiko zu einem entscheidenden Teil, kann die Impfung aber nicht ersetzen", betont der Kinder- und Jugendarzt.

Bei allen Kontroversen: Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte sich in jedem Fall impfen lassen, da sind sich Nolte und Rudolf-Wimmer einig. Wer die Impfung noch nicht durchgeführt hat, ist jetzt noch gut in der Zeit: "Man sollte sich zwischen Oktober und Dezember impfen lassen", raten die beiden Burgdorfer Ärzte. Vielleicht strahlt er dabei auch so wie Ben und Ida.

Von Konstantin Klenke

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