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Altes Bier schreibt Geschichte

Burgdorf Altes Bier schreibt Geschichte

Bei den Bauarbeiten an der neuen Brauerei im Gewerbegebiet Nordwest ist jetzt eine 100 Jahre alte Bierflasche aufgetaucht. Was zunächst nach einem lustigen Zufall klingt, stellt die Braugeschichte der Stadt infrage.

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Julia Rohlf freut sich über den Fund auf der Baustelle ihrer neuen Brauerei im Gewerbegebiet Nordwest: Eine annähernd 100 Jahre alte Bierflasche.

Quelle: Johanna Stein

Burgdorf. Burgdorfs Biergeschichte muss umgeschrieben werden: Bei den Bauarbeiten der neuen Brauerei an der Lise-Meitner-Straße hat ein Arbeiter eine alte Bierflasche mit Bügelverschluss gefunden. Darauf steht geschrieben: „Eigentum der Brauerei Burgdorf H. Seidel“.

Recherchen in verschiedenen Chroniken, darunter die „Burgdorfer Jahreschronik 1989“ von Wolfgang Obst, ergeben: Hermann Seidel ist einer der beiden Seidel-Brüder aus Sachsen, die um 1850 eine Brauerei in Burgdorf gründeten. Um die Jahrhundertwende übernahm der Unternehmer Hugo Rost dann die Seidel-Brauerei. Eine Rost-Bierflasche war bereits im Jahr 1989 bei Bauarbeiten gefunden worden.

In Burgdorf wurde also keineswegs seit 150 Jahren kein Bier mehr gebraut, wie es auf der Internetseite der neuen Burgdorfer Brauerei heißt. „Wir wussten das vorher nicht, hatten uns die Chronik nicht angeschaut“, sagt Uwe Grünheid von der Brauerei Burgdorf GmbH. Die falsche Angabe auf der Homepage werde er umgehend ändern.
Zunächst sah es so aus, als sei in Burgdorf sogar noch bis 1972 Bier gebraut worden. Obst schreibt in seiner Chronik: „In den zwanziger Jahren kaufte die Hildesheimer Actienbrauerei das Unternehmen und führte es als Niederlage weiter. [...] [Die Brauerei] ging schließlich in den Besitz der Einbecker Brauerei über und wurde 1972 stillgelegt.“

Burkhard Wolters, ebenfalls Chronikautor in Burgdorf, legte das zunächst so aus, dass das Gebäude bis zum Abriss 1972 als Brauerei genutzt wurde. Tatsächlich meint die Bezeichnung „Niederlage“ von Obst aber nicht wie gedacht „Niederlassung“. Stattdessen wurde das alte Brauereigebäude, wie mehrere Quellen belegen, von der Hildesheimer Brauerei als Lager und Vertriebsraum genutzt. Gebraut wurde dort bereits mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 nicht mehr.

Gut 100 Jahre ist es nun also her, dass in der Stadt Bier letztmals gebraut wurde. „Und jetzt finden wir da, wo wir eine neue Brauerei bauen, eine alte Bierflasche – das ist doch ein Zeichen“, sagt Grünheid. „Dass die heil geblieben ist in all den Jahren, ist unglaublich“, sagt Julia Rohlf, Geschäftsführerin der Brauerei. Der Fund werde einen Ehrenplatz in einer Vitrine bekommen, wenn der Bau fertig ist.

Von Johanna Stein

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