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Richterin verurteilt Nudisten zu Geldstrafe

Burgdorf Richterin verurteilt Nudisten zu Geldstrafe

Das Amtsgericht Burgdorf hat am Montag einen Nudisten zu einer Geldstrafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verurteilt. Der 81 Jahre alte Mann läuft am Rande der Weststadt regelmäßig nur mit einem Lendenschurz bekleidet durch die Natur und macht Turnübungen. Eine Nachbarin hatte ihn angezeigt.

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Das Amtsgericht hat einen 81 Jahre alten Nudisten verurteilt, weil der trotz Beschwerden von Nachbarn regelmäßig nackig durchs Gelände läuft.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Strafrichterin Richterin Stephanie Rohe sah keine andere Möglichkeit, als den aus ihrer Sicht uneinsichtigen Senior juristisch in die Schranken zu weisen, indem sie ihm eine milde Geldstrafe von 150 Euro aufbrummte. Denn nach dem Gesetz ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe zu bestrafen, wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt.

Mit Sex hatte der Fall freilich nicht das Geringste zu tun. Wohl aber fühlte sich eine 61-jährige Nachbarin, der der Witwer an jenem Morgen im Januar beim Hundespaziergang fast nackt begegnet war, belästigt. Zumal der kleine schwarze Lendenschurz, den der alte Mann noch am Leib trug, dessen Geschlecht nur solange verdeckte, bis der Angeklagte mit seinen Turnübungen begann. Die Frau zeigte den 81-Jährigen bei der Polizei an, nachdem dieser ihrer Aufforderung, seine Nackedei doch bitteschön zu unterlassen, nicht nachkommen wollte.

Die Beweisaufnahme im Prozess hatte etwas Groteskes. Der Angeklagte, der ohne Anwalt erschienen war, hatte seinen schwerhörigen Freund mitgebracht. Er selbst war nur des Stammelns mächtig. Weil der Freund aber der richterlichen Vernehmung des Angeklagten gar nicht richtig folgen konnte, rief dieser immer wieder dazwischen, störte so die Verhandlung und musste sich deshalb mehrere Ermahnungen der Richterin gefallen lassen.

Immerhin: Der Freund machte zur Verteidigung geltend, dass der Angeklagte bereits seit 50 jahren bekennender Nudist sei: "So wie Herr Baxmann (Bürgermeister der Stadt Burgdorf; Anmerkung d. Redaktion) bekennender Sozialdemokrat ist." - Es nutzte alles nichts. Der Angeklagte radebrach, dass er auf seine Leibesertüchtigungen im Adamskostüm weder verzichen wolle noch könne. Tatsächlich, so sagten die Anzeigeerstatterin und ein weiterer Nachbar im Zeugenstand aus, habe der 81-Jährige bis vor wenigen Tagen an seinem Nudistentum in aller Öffentlichkeit festgehalten.

"So geht das nicht", schrieb die Richterin dem Angeklagten ins Stammbuch. Da er keine Einsicht zeige, möge ihm das Urteil zur Warnung gereichen: "Sie müssen dafür sorgen, dass Ihr Geschlechtsteil in der Öffentlichkeit niemand sehen kann." Der Mann verließ weinend den Gerichtssaal.

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