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Die Geschichte eines Absturzes

Burgdorf Die Geschichte eines Absturzes

Mit der Verurteilung von zwei Männern im Alter von 39 und 29 Jahren zu Freiheitsstrafen hat das Amtsgericht Burgdorf am Montag juristisch den Schlussstrich unter eine Serie von Eigentumsdelikten gezogen, die beide im Sommer vergangenen Jahres verübt hatten, um ihre Drogensucht zu finanzieren.

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Das Amtsgericht Burgdorf verurteilt zwei Serieneinbrecher zu milden Freiheitsstrafen.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Der Prozess offenbarte, wie zwei Menschen den Boden unter den Füßen verlieren und sozial abstürzen können: Der 39-Jährige, der in einem Kinderheim in der DDR sexuell missbraucht worden war, an seiner Ehe scheiterte und sich als mittlerweile bekennender Homosexueller obendrein mit dem HIV-Virus infizierte. Der 29-Jährige, der als technischer Betriebsleiter in einem großen Burgdorfer Lebensmittelbetrieb täglich bis zu 14 Stunden lang arbeitete. Weil er das Pensum nur mithilfe stimulierender Drogen schaffte, zerbrach die Ehe. Dann verlor er auch noch den Job. Beide Männer lernten sich dann in einer Entzugstherapie kennen, bildeten eine Wohngemeinschaft, ergaben sich haltlos in ihr Schicksal: Sie soffen zusammen, nahmen gemeinsam Drogen, begingen gemeinsam Straftaten.

Dafür erhielten sie jetzt milde Strafen: Ein Jahr und drei Monate setzte es für den 29-Jährigen, zehn Monate für seinen älteren Komplizen. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Stephanie Rohe setzte beide Freiheitsstrafen zur Bewährung aus.

Die Angeklagten hatten im Juni 2015 einen Supermarkt an der Gartenstraße aufgebrochen, mussten aber ohne Beute türmen, weil die Alarmanlage losging. Dann knackten sie am Bahnhof in Burgdorf sowie in Algermissen (Landkreis Hildesheim) etliche Autos. Mit erbeuteten Navigationsgeräten und sonstigem Diebesgut finanzierten sie den Alkohol, den sie gleich nach dem Aufstehen tranken, ferner das Valium und das Morphium, um sich tagsüber aus dem Alltagsgeschehen zu katapultieren, und schließlich die Fitmacherdroge Amphetamin mit dem Ziel, nach Einbruch der Dunkelheit Straftaten zu begehen.

Ein an den Ermittlungen beteiligter Polizeibeamter sagte am Rande der Hauptverhandlung, dass die von der Staatsanwaltschaft angeklagten sieben Taten nur die Spitze des Eisbergs waren. Die Polizei habe damals eine spürbare Häufung von Einbrüchen registriert, die die Handschrift der Angeklagten getragen hätten.

Dass die beiden Männer Milde erfuhren, verdankten sie unter anderem ihren Anwälten, die in einem Rechtsgespräch mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft eine sogenannte Verständigung erreichten. Der Deal war: Die Angeklagten räumten alle angeklagten Taten frank und frei ein, was die Beweisaufnahme abkürzte und zur Folge hatte, dass nur zwei der 15 geladenen Zeugen aussagen mussten. Dafür sollten die Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt werden, für den 29-Jährigen maximal eineinhalb Jahre sowie für den 39-Jährigen maximal ein Jahr betragen. Das Gericht reizte diesen Rahmen nicht aus.

Milde ließ das Gericht aber auch deshalb walten, weil die Angeklagten selbst geläutert wirkten. Beide haben inzwischen auf eigene Initiative Entzugstherapieren begonnen und weitere in Aussicht. Sie leben seit einem Jahr drogenfrei. Das Gericht unterstellte daher, dass beide ihr Leben in den Griff bekommen und fortan auch straffrei leben werden.

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