Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Als die Burgdorfer auswanderten

Burgdorf Als die Burgdorfer auswanderten

Das Bild mit John F. Kennedy im Wagen des texanischen Gourverneurpaares John und Idanell Connally kurz vor dem tödlichen Attentat 1963 ist weltberühmt. Was jedoch kaum einer weiß: Idanell ist die Urenkelin des Burgdorfers Heinrich Brill, der 1859 nach Amerika auswanderte.

Voriger Artikel
Mikroorganismen fressen Autos sauber
Nächster Artikel
Flüchtlingshelfer fordern Mitgefühl

Kurz vor dem Attentat auf John F. Kennedy in Dallas. Im Auto saß auch Idanell Connally (vorn), die Gattin des texanischen Gouverneurs und Urenkelin eines Burgdorfer Auswanderers.

Quelle: Library of Congress

Burgdorf. Mehr als 300 Burgdorfer haben im 19. Jahrhundert ihre Heimat in Richtung Amerika verlassen – aus Abenteuerlust und wirtschaftlichen Gründen. Oder, weil die Obrigkeit sie einfach auf die Auswandererschiffe verfrachtete. Den Schicksalen der Auswanderer aus Burgdorf haben die Stadthistoriker Dieter Heun und Heidi Rust nachgespürt.

Das Ergebnis ihrer zehnmonatigen Recherche in Archiven, alten Kirchenbüchern, via Internet in Passagierlisten und bei Einwanderungsbehörden haben die ehrenamtlichen Stadthistoriker in ihrem neuen Buch „Ab nach Amerika! – Burgdorfer Auswanderer im 19. Jahrhundert“ veröffentlicht. Es ist das fünfte Gemeinschaftswerk der beiden, die es verstehen, unterhaltsame und informative Bücher über bisher kaum beachtete Kapitel der Stadtgeschichte zu schreiben.

Bei seinen Recherchen ist das Autorengespann auch auf Unerwartetes gestoßen. „Mich hat die rigorose Abschiebepraxis unerwünschter Personen überrascht“, sagt Heun. „Bei der Ausbürgung sind die Behörden perfide vorgegangen. Sie stellten die Kosten des Unterhalts für 20 Jahre den Kosten der Überfahrt gegenüber“, berichtet er. In der Regel war die Schiffsreise billiger, sodass die Obrigkeit unliebsame Bürger – vor allem Arme und Straftäter – heimlich auf die Schiffe in die neue Welt verfrachtete. „Das Königreich Hannover war Vorreiter mit dieser Praxis“, erzählt Heun.

Mit dem Schicksal eines solchen Menschen beginnt das Buch: Christian Wolf muss seine Heimat verlassen. Der Leser erlebt in einer detailreichen Schilderung, wie der siebenfache Familienvater immer wieder Straftaten begeht, bis dem Amt Burgdorf der Geduldsfaden reißt. Der Galanteriewarenhändler Wolf wird nach Bremerhaven-Lehe gebracht, wo er als Zwangspassagier an Bord der J. H. Adami geht.

Urenkelin Heinrich Brills überlebt Kennedy-Attentat

Eine der wohl spektakulärsten Geschichten in dem Buch ist die Heinrich Brills, der im Haus Marktstraße 65 aufgewachsen war. Als 15-jähriger gelernter Sattler wanderte Heinrich 1859 gemeinsam mit seinen älteren Schwestern nach Amerika aus. In Texas angekommen versuchte er sich zunächst als Farmer, arbeiteten jedoch bald wieder in seinem ursprünglich Beruf, den auch sein Sohn August erlernte.

Dieser kaufte 1912 den Betrieb, in dem er arbeitete, und entwickelte ihn mit seinem Sohn Arno, der 1896 geboren wurde, zu einer bedeutenden Lederwarenfabrik: Modellstücke aus der Produktion der A.W. Brill Company befinden sich heute im Texas Ranger Museum.

Arno heiratete 1917 Kathleen Inks, ihr erstes Kind war Idanell, geboren 1919. Idanell heiratete mit 20 den zwei Jahre älteren Jurastudenten John Connally, der 1962 zum Gouverneur von Texas gewählt wurde. Damit wurde Idanell, die Urenkelin des Burgdorfers Heinrich Brill, Texas’ First Lady. Deshalb saß sie mit im Auto, als John F. Kennedy am 22. November 1963 durch Dallas fuhr und von den tödlichen Schüssen getroffen wurde. Idanell blieb unverletzt. Bis ins hohe Alter engagierte sie sich für soziale Projekte. 2006 starb sie.

Das Buch

Das 210 Seite starke Buch ist mit alten Dokumenten, Abbildungen und Stammbäumen der Auswanderer illustriert. Herausgeber ist der Förderverein Stadtmuseum Burgdorf. Die beiden Autoren verzichten wie bei ihren vorherigen Publikationen auf ein Honorar und stellen den Verkaufserlös der gemeinnützigen Arbeit des VVV zur Verfügung.Ab nach Amerika!“ ist zum Preis von 16,95 Euro (14,95 für VVV-Mitglieder) in der VVV-Geschäftsstelle, Braunschweiger Straße 2, der Buchhandlung FreyRaum, Marktstraße 54, und Wegener’s Buchhandlung, Hann. Neustadt 25, erhältlich.

doc6qv1qdmrs75v7a0k4wg

Das Haus, in dem Heinrich Brill aufwuchs, steht heute noch an Marktstraße. Bis zum Jahr 1995 befand sich darin die Gastwirtschaft Zum Mond.

Quelle: Johanna Stein
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6spbwii5es91l9mp4k4p
Rat peilt die schwarze Null an

Fotostrecke Burgdorf: Rat peilt die schwarze Null an