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Viele Weststädter sind in der Abwehrhaltung

Burgdorf Viele Weststädter sind in der Abwehrhaltung

Die Bewohner der Weststadt sind offenkundig beunruhigt darüber, dass die Region für die Stadt Burgdorf ein Flüchtlingsheim im Gewerbegebiet Nordwest plant. Das ist in einer Einwohnerversammlung, zu der die Stadt am Dienstagabend in die Astrid-Lindgren-Grundschule eingeladen hatte, deutlich geworden.

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Die Stadt informiert in der Aula der Astrid-Lindgren-Grundschule annähernd 100 Menschen über die geplante Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet Nordwest.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Es war bereits die vierte Einwohnerversammlung dieser Art zu den geplanten Flüchtlingsunterkünften. Knapp 100 Menschen kamen. Anders als bisher meldeten sich dieses Mal überwiegend die Skeptiker zu Wort und meldeten Bedenken an. Die womöglich zur Integrationsarbeit bereiten Weststädter schienen in der Minderheit zu sein oder waren gar nicht erst gekommen.

Für die Stadt informierte deren für das Ressort Soziales verantwortliche Stadtrat Michael Kugel über Einzelheiten zu der Unterkunft im dritten, bislang noch nicht vermarkteten Bauabschnitt des Gewerbegebiets. Auf Druck der von WGS-Ratsherr Kurt Ulrich Schulz mobilisierten Anwohner soll das Heim von der vorhandenen Wohnbebauung abgerückt auf einem Grünstreifen entstehen.

Die Region Hannover plane dort auf einem lang gestreckten, 40 Meter tiefen städtischen Areal in Verlängerung der Otto-Hahn-Straße eine Massenunterkunft für 146 bis 206 Menschen. Wieviel Menschen genau dort letztlich ein Dach über dem Kopf erhalten, hänge davon ab, ob Einzelpersonen oder Familien nach Burgdorf kämen, sagte Kugel. In L-Form würden vier zweigeschossige Wohnkomplexe sowie ein Gemeinschaftsgebäude in errichtet, zudem gemeinschaftlich zu nutzende Außenanlagen. Die aus Holz konstruierten Wohnmodule würden in Österreich produziert und dann an Ort und Stelle montiert.

Die Stadt will die Bewohner mit ein bis zwei Sozialarbeitern betreuen und einen Hausmeister für die Unterkunft beschäftigen. Wann das Heim gebaut wird und in Betrieb geht, sei noch offen. Erst werde die Region die Unterkunft neben der Feuerwehr bauen, dann ähnliche Projekte in sieben weiteren Kommunen realisieren. "Danach sind wir wieder dran", sagte Kugel.

Bürgermeister Alfred Baxmann sicherte zu, dass die Stadt akribisch auf Verteilungsgerechtigkeit achten werde. Am Ende werde es Unterkünfte in allen Ortsteilen geben, auch in den Dörfern. Weil für dieses Jahr 800 bis 1200 Flüchtlinge zu erwarten seien, müsse sich die Stadt zunächst auf den Bau großer Unterkünfte konzentrieren.

Ein alter Mann kritisierte das Verfahren. Offenbar sei alles schon entschieden und werde nur noch durchexerziert. Die Bürger müssten das dann so hinnehmen. Dieser und ein weiterer Versammlungsteilnehmer warfen die Frage nach der Sicherheit der Bevölkerung in der Weststadt auf und wollten wissen, ob die Stadt Sicherheitsdienste anheuern werde. Bürgermeister Baxmann erwiderte, die Stadt stehe im ständigen Austausch mit der Polizei. Dort sei von Sicherheitsproblemen nichts bekannt.

Ein Anwohner des Habichtshorstweges wehrte sich gegen Pläne der Stadt, auf Freiflächen in diesem Wohngebiet sowie an der Lippoldstraße weitere Flüchtlingsunterkünfte vorzusehen: "Nehmen Sie doch Flächen draußen um die Stadt herum, aber zerstören Sie keine wunderschönen Wohngebiete." Bürgermeister Baxmann hielt dagegen: Wer in einer Stadt lebe, müsse hinnehmen, dass sich sein Wohnumfeld im Laufe der Jahre verändert. Er versicherte, dass am Habichtshorstweg und anderswo keine Fremdkörper gebaut würden, sondern allenfalls Wohnraum, der sich in die vorhandene Bebauung einpasst.

Ein Gewerbetreibender erweckte den Eindruck, dass weitere Ansiedlungen von Betrieben in Nordwest schwierig werden könnten, wenn etwaige Interessenten von der geplanten Unterkunft erführen.  Dem widersprach die Stadt. Der Wirtschaftsförderer sei mit allen im Gespräch. Bisher habe kein Interessent zurück gezogen.

Margarethe Bredemeier und Hartwig Laak warben indessen für einen offenen Umgang mit den Flüchtlingen: "Wir müssen zu ihnen hingehen und ihnen unsere Zuwendung geben", warb Bredemeier für ein Engagment in der Integrationsarbeit und schilderte, dass sie bei einem Besuch in der Unterkunft an der Friederikenstraße mit offenen Armen aufgenommen worden sei. Laak sagte: "Wir haben die Aufgabe in der Weststadt, mit diesen Leuten umzugehen."

Beide ernteten für ihre Äußerungen jeweils Applaus; ein Indiz dafür, dass doch nicht nur besorgte Bürger gekommen waren. Allen zusammen schrieb Bürgermeister Baxmann ins Stammbuch: "Die eigentliche Aufgabe der Integration kommt erst noch auf uns zu."

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