Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Eine Ersatzmama für Youssif

Burgdorf Eine Ersatzmama für Youssif

Eine Geschichte, die zeigt, wie einfach gelungene Integration sein kann: Die pensionierte Lehrerin Heidelore Pedde und der von der Elfenbeinküste geflohene 19-jährige Youssif Domande leben seit drei Monaten in einer ganz speziellen Wohngemeinschaft.

Voriger Artikel
Amara braucht Stammzellen
Nächster Artikel
Sieben Firmen wollen Windräder bauen

Ein Herz und eine Seele: Heidelore Pedde ist für den 19-jährigen Youssif Domande von der Elfenbeinküste zu einer Ersatzmutter geworden.

Quelle: Sandra Köhler

Burgdorf. Bereits seit einem Vierteljahrhundert beherbergt die 73-jährige Pedde immer wieder junge Erwachsene aus anderen Ländern in ihren Wohnräumen: „Ich habe ein großes Haus und viel Platz.“

Das wusste auch die Koordinatorin des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses, Ursula Wieker. Deshalb sprach sie die Seniorin an, als sie für den jungen Flüchtling eine Alternative zum Asylbewerberheim an der Friederikenstraße finden wollte. „Als ich hörte, dass sie eine Mama für ihn suchte, war ich Feuer und Flamme“, sagt Pedde und fügt hinzu: „Youssif ist das Beste, was mir in diesem Jahr passiert ist.“

Die Chemie zwischen ihr und dem jungen Mann, der als 13-Jähriger seine Heimat verließ, im Februar in Burgdorf ankam und seit Mai bei ihr wohnt, stimmte sofort: „Wir haben erst einmal eine halbe Stunde gespielt, um uns kennenzulernen. Er tippte auf seine Nase und sagte das Wort auf Französisch, ich auf Deutsch“, erinnert sich Pedde an die erste Begegnung mit dem Ivorer. Er habe sich trotz trauriger Erfahrungen auf seiner jahrelangen beschwerlichen Odyssee durch das kriegsgebeutelte Mali, durch Algerien, Marokko und Spanien ein überaus sonniges Gemüt bewahrt und sei zudem sehr hilfsbereit und wissbegierig, sagt sie. „Ich lerne von ihr Kultur, Tradition und die Sprache“, antwortet der junge Mann auf die Frage, was ihm bei der Gastmutter am besten gefalle. So besuchte er mit ihr bereits eine Vernissage, bei der er Gefallen am Fotografieren und auch an klassischer Musik fand. „Er sagte: Das ist toll“, erinnert sich Pedde begeistert. „Ich weiß nicht, ob meine Kinder das so empfunden hätten.“

Für ihre Anleitung revanchiert er sich tatkräftig. „Als Youssif letztens hörte, dass ich mit jemandem eine Absprache über das Rasenmähen traf, sagte er zu mir, er helfe auch anderen Leuten im Garten, er mache das“, nennt Pedde ein Beispiel. Ein anderes Mal holte er einen Bekannten, der das kaputte Fahrrad reparierte. Besonders begeistert war Pedde darüber, dass er sie zu ihrem Geburtstag mit Gerichten aus seiner Heimat bekocht hatte: „Das hat noch nie jemand für mich getan. Freundinnen machen einen Kuchen oder einen Salat. Aber Youssif ist morgens nach Hannover gefahren, hat dort im afrikanischen Laden eingekauft und für 14 Leute gekocht.“

Das Zusammenleben gestaltet sich Pedde zufolge ausgesprochen entspannt: „Wenn wir zusammen da sind, essen wir gemeinsam und haben eine Menge Spaß. Youssif hat einen eigenen Schlüssel und kann kommen und gehen, wie er will.“

Wie es weitergeht mit Youssif, ist noch nicht klar. Er ist bei den Behörden registriert, der weitere Verlauf des Verfahrens ist derzeit nicht abzusehen.

Von Sandra Köhler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6spbwii5es91l9mp4k4p
Rat peilt die schwarze Null an

Fotostrecke Burgdorf: Rat peilt die schwarze Null an