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Floppt die Passivhaussiedlung?

Burgdorf Floppt die Passivhaussiedlung?

Nördlich des Zillewegs soll Burgdorfs erste Passivhaussiedlung entstehen. Es wird auch bereits gebaut, doch offenbar entsprechen nicht alle Gebäude dem energetischen Standard. Beobachtungen eines Nachbarn des Neubaugebiets hat eine Baufirma, die dort schlüsselfertige Passivenergiehäuser errichtet, bestätigt.

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Im Neubaugebiet Nördlich Zilleweg wachsen die ersten Häuser in die Höhe.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Burgdorf. Gebaut wird bereits auf 16 der 28 Grundstücke. Während bei einigen Gebäuden schon das Dach fertig ist, ist für andere gerade die Bodenplatte gegossen worden. Bei einem Rundgang durchs Baugebiet ist schwer zu erkennen, wo ein Passivhaus entsteht und wo nicht.

„Ich werde alle Kriterien erfüllen“, sagt Sükrü Baran. Der Burgdorfer Unternehmer baut für seine Familie ein 240 Quadratmeter großes Haus. Bei einem Rundgang durch den Rohbau weist Baran auf einige Details hin: die Dämmung der Außenwände, gut sichtbar an den Fensterleibungen, und die Öffnungen in den Decken für die Lüftungsanlage - Pflichtausstattung eines Passivhauses. „Zudem kommen aufs Dach Solarzellen für die Warmwasserbereitung.“

Zwei Grundstücke weiter lässt eine Architektin ein Doppelhaus errichten. Nach Angaben der Handwerker als Passivhaus. Zwei Nummern kleiner wird das Haus, für das Alex Walter und Alex Schmidt gerade die Wände des Erdgeschosses hochziehen. Nach Angaben der beiden Bauarbeiter soll es ebenfalls Passivhausstandard erfüllen. „Es bekommt auch eine Galerie und wird das schönste Haus im Baugebiet sein“, schwärmt Walter. Eine Großburgwedeler Baufirma baut nach eigenem Bekunden in der Siedlung vier zertifizierte Passivhäuser. Doch: „Viele Bauherren waren auch bei uns und haben gesagt, dass sie kein Passivhaus wollen“, sagt ein Projektleiter des Unternehmens.

Ein Nachbar des neuen Baugebiets berichtet von einem Häuslebauer, der ihm gesagt habe, dass er kein Passivhaus baue, weil es sehr teuer sei. Da nehme er lieber die Vertragsstrafe von 10 000 Euro in Kauf. Diese fällt an, wenn sechs Monate nach der Fertigstellung nicht nachgewiesen werden kann, dass alle Kriterien eines Passivhauses erfüllt sind - so steht es im Kaufvertrag für jedes Grundstück. „Diese Praxis wird auch von anderen Städten angewandt“, sagt Stadtsprecherin Eva-Maria Dobriloff. „Das Baurecht bietet außer dieser vertraglichen Regelung keine andere Möglichkeit, einen entsprechenden Energiestandard festzuschreiben und dessen Realisierung durchzusetzen.“

Die Passivhaussiedlung ist eine Idee der Grünen. Gemeinsam mit der SPD wurde das Projekt im Rat beschlossen. „Allerdings wollten wir eine viel höhere Vertragsstrafe“, sagt Ratsherr Detlef Knauer. Doch dafür gab es keine Mehrheit.

So läuft es bei den Nachbarn

Das Interesse an Passivhäusern hält sich auch in anderen Kommunen in Grenzen: So gewährte die Gemeinde Isernhagen in ihrem Baugebiet Wietzeaue den Bauherren einen Preisnachlass von 10 Euro pro Quadratmeter Fläche – wenn sich die Bauherren bereits beim Kaufvertrag ihres Grundstücks für ein KfW40-Haus in Passivhausbauweise entschieden hatten. Doch von 73 Käufern im ersten Bauabschnitt nahmen nur vier das Angebot an. Angesichts dieses Ergebnisses fordern Isernhagens Grüne jetzt in einem Ratsantrag, dass die Gemeinde bei Grundstücksverkäufen den Bau eines KfW-Effizienzhauses vorschreibt, das nur 55 Prozent der Energie eines vergleichbaren Neubaus nach Energieeinsparverordnung verbraucht. Diese Forderung könne Isernhagen erheben – schließlich gab es Hunderte Interessenten für das Bauland.

Frank Walter

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