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Burgdorf soll seine Heimat werden

Burgdorf Burgdorf soll seine Heimat werden

Farid Mohammadi lebt seit zwei Jahren in Burgdorf. Er hat einen Ausbildungsplatz und spricht fast fließend Deutsch. Doch die Zukunft des jungen Mannes aus Afghanistan ist nach wie vor ungewiss.

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Der Flüchtling Farid Mohammadi aus Afghanistan hat sein B1-Sprachdiplom bestanden.

Quelle: Isabell Rollenhagen

Burgdorf. Wenn Farid Mohammadi seinen Briefkasten leert, macht sich ein ungutes Gefühl in ihm breit. Denn er könnte darin jeden Tag verhängnisvolle Post finden: Der 19-Jährige ist Afghane und sein Asylverfahren bis heute nicht abgeschlossen.

Trotz der belastenden Situation ist Mohammadi ein fleißiger, strebsamer Mensch. Vor Kurzem erst überreichte ihm Kultusministerin Frauke Heiligenstadt bei einem Festakt an der Uni Hildesheim sein B1-Sprachdiplom. Erworben hat er es an der Berufsschule Burgdorf. Obwohl Mohammadi erst seit zwei Jahren in Deutschland ist, spricht er unsere Sprache erstaunlich gut. Das hat er dank seines Ehrgeizes und mit der Unterstützung der Lehrer und des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses (BMGH) geschafft. „Trotz seiner schweren Situation geht Farid seinen Weg“, sagt Ursula Wieker vom BMGH. Sie habe großen Respekt vor dem jungen Mann.

Seine traurige Geschichte begann als Achtjähriger: Damals wurde er zur Waise, musste mit seinen Schwestern das Land verlassen, um bei Verwandten im Iran zu leben. Mit 14 machte er sich allein auf den Weg nach Europa. Die Flucht dauerte vier Monate - und endete zunächst in Griechenland. Von dort wurde er nach Belgien geschickt, wo er aber kein Zuhause fand. Als er 17 Jahre alt war, kam er nach Deutschland in ein Göttinger Kinderheim. Allerdings nur bis zu seinem 18. Geburtstag, dann überstellten ihn die Behörden ins Aufnahmelager Friedland. Seine Reise endete 24 Tage später in Burgdorf - vorerst. Denn ob er bleiben kann, weiß Mohammadi nicht. Und das, obwohl er nach den Sommerferien eine Ausbildung zum Altenpfleger beginnt.

Trotzdem lässt sich der junge Mann mit dem schüchternen Lächeln nicht entmutigen. „Ich möchte die Ausbildung abschließen und wenn es klappt, auch noch studieren“, sagt er. Anderen Menschen zu helfen, das mache er gern, erklärt er seine Berufswahl. Außerdem will er etwas zurückgeben, denn Mohammadi weiß die Unterstützung zu schätzen, die er vom BMGH und seinen Sozialarbeitern bekommt. Deshalb engagiert sich der 19-Jährige auch für andere Flüchtlinge: Er springt als Übersetzer ein, wenn es bei einem Landsmann mit dem Deutsch nicht so gut klappt, oder hilft dabei, wenn Sachspenden abzuholen sind.

Mit dem Deutschlernen, seinem Praktikum in einem Pflegeheim und der Arbeit im BMGH hat Mohammadi einen straffen Zeitplan. Trotzdem hat er Freunde gefunden. Und es sind nicht nur Flüchtlinge, die ihn in seiner Einzimmerwohnung besuchen kommen.

Obwohl er sich gut integriert fühlt, hat er oft Sehnsucht nach seinen Schwestern, die immer noch im Iran sind. Sie telefonieren so oft es geht. „Sie fehlen mir sehr“, sagt er. Nicht so seine ehemalige Heimat Afghanistan: „Ich war lange nicht mehr zu Hause und bin schon so lange auf der Flucht. Ich wünsche mir, dass ich mich irgendwann einmal irgendwo zu Hause fühle.“ Das kann für ihn nur ein Ort sein, wo er sicher ist - vielleicht wird es einmal Burgdorf sein.

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