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Moderner Teufelsgeiger zelebriert Romantik

Burgdorf Moderner Teufelsgeiger zelebriert Romantik

Wie von einer anderen Welt war das sonntägliche Schlosskonzert, für das der Kulturverein Scena mit Roman Kim einen der zur Zeit höchstgehandelten Geigenvirtuosen gewonnen hatte. Gewöhnlich war an diesem Abend gar nichts, das Abweichen vom verabredeten Programm nur der Anfang.

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Roman Kim gibt, begleitet von Jure Gorucan, den Paganini der Neuzeit.

Quelle: Sandra Köhler

Burgdorf. Inspiration und Vorbild des technisch unglaublich versierten 25-Jährigen ist Niccolò Paganini. Wie sein Idol greift Kim sämtliche schwierigen Griffe inklusive Doppelflageolett mit spielerischer Leichtigkeit, setzt beim Spiel scheinbar Zeit und Physik außer Kraft, entlockt seinem Instrument experimentelle Klänge, die auch von Vögeln, Flöten oder E-Gitarren herrühren könnten. Und wie der berühmte Genuese liebt er die großen Gesten, das auf die Spitze getriebene Gefühl, grenzensprengende Leidenschaft. Die Romantik ist das, was ihn erfüllt, antreibt, in ihm brennt. Je schwieriger, desto mehr lebt er auf: Die Teufelstriller-Sonate scheint Tartini geradezu für ihn gedacht zu haben.

Dieses Feuer auch in seinen Zuhörern zu entzünden: Dazu nimmt sich der Ausnahmegeiger die volle Freiheit aller ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Und zwar in jeder Hinsicht. Da wählt er Stücke, die ihm besser zu seiner Disposition passen. Schlägt wahnwitzige Tempi an, die die Melodie schlichtweg nur noch ahnbar machen. Spielt komplizierte polyphone Partien. Sogar mit den Zähnen bringt er die Saiten zum Klingen. Dass er sich inmitten dieser Grenzgänge einer Prismabrille bedient, um sich ganz in sich zu versenken: Das ist mehr als verständlich.

In seinen zwischen Liszt und Avantgarde schwankenden Eigenkompositionen wie den Romanzen in B und Ges vertiefte Kim all dieses nach außen Gekehrte noch. Das machte es schwierig für den Pianisten Jure Gorucan, der so zum reinen Begleiter wurde. Aber auch für den Teil des Publikums, der eher berührende Innerlichkeit schätzt und darum nur schwer Zugang zum extrovertierten Affekt des jungen Mannes fand.

Macht er sich jetzt lustig über Verdi? - Diese Frage schwebte über seiner Komposition "Il Brindisi", die Motive aus La Traviata variierte. Die Antwort: kein Spott, sondern eine Huldigung auf die ganze eigene Weise des jungen Violinvirtuosen. Ungewöhnlich auch die Zugaben mit sehr speziellen Variationen über "Stille Nacht" und einem Rock-Pop-Medley. Da setzte es zu Recht einen riesigen Applaus.

Von Sandra Köhler

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