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Hanf-Versuchsfeld wird zum Labyrinth

Burgdorf Hanf-Versuchsfeld wird zum Labyrinth

Auf einem Feld in Klein Schillerslage öffnet Heinrich Wieker am Sonnabendnachmittag, 2. Juli, sein Hanflabyrinth. Auf schmalen Pfaden – von Wieker mit dem Rasenmäher gezogen – können die Besucher durch den bis zu mehr als zwei Meter hohen Pflanzendschungel laufen.

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Heinrich Wieker (großes Bild) steht mitten auf seinem Hanffeld in Klein Schillerslage, auf dem er Mitte August seine neu entwickelte Erntemaschine ausprobieren will. Bis dahin lädt er jeden Sonnabend – ab 2. Juli – ins Labyrinth ein, das er auf dem Versuchsfeld angelegt hat.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Klein Schillerslage/Burgdorf. Mit dieser Spaßaktion will Heinrich Wieker den hohen Nutzwert des Hanfs bekannter machen. Wer dabei an die berauschende Wirkung der Cannabinole in den Hanfblüten denkt, der liegt allerdings falsch. Hanf ist nicht nur eine der ältesten Nutzpflanzen des Menschen, sondern auch ein Tausendsassa. Alle oberirdischen Pflanzenteile sind verwertbar: als Baumaterial, als Nahrungsmittel, zur Ölherstellung für Treibstoff und biologisch abbaubare Kunststoffe, für die Papierherstellung sowie als Wirkstoff für pharmazeutische Erzeugnisse, zum Beispiel gegen Schmerzen, zählt Wieker auf.

Mitte August will Wieker das ein Hektar große Hanffeld, das der Burgdorfer Elektroingenieur sich von Gerald Meller, Biolandwirt in Ramlingen, hat bestellen lassen, abernten. Denn es dient in erster Linie als Versuchsfeld. Auf diesem will Wieker eine Erntemaschine ausprobieren, die er selbst entwickelt hat. Diese baut der 50-Jährige, der jahrzehntelang für Firmen Prozessleitsysteme entworfen hat, derzeit zusammen mit Boris Kliszat in der Otzer Schmiede.

Auf die Idee habe ihn der Besuch eines Hanfanbaubetriebs in Tschechien gebracht, sagt Wieker. Die dortige Erntetechnik könne man getrost mittelalterlich nennen. Deshalb sei er überzeugt, dass es einen Bedarf für eine Erntemaschine gibt, die die Hanfblüten schonend von den Stängeln trennen und im gleichen Arbeitsgang die Samen ernten kann. Er habe schon Anfragen aus Polen, Kroatien und anderen Balkanstaaten, sagt Wieker.

Von seinem Prototyp will der Ingenieur nur so viel verraten: Es ist ein Selbstfahrer, der innerhalb von drei Stunden einen Hektar Hanf erntet. Zudem werde seine Erfindung leichter und kostengünstiger sein als die derzeit am Markt angebotenen Vollernter. Mit einem Preis von 600 000 Euro seien diese für kleinere Hanfanbaubetriebe unerschwinglich. Zudem verdichteten sie mit ihrem Gewicht von 18 Tonnen den Ackerboden, sagt er.

Bis zur Ernte Mitte August kann das Hanflabyrinth ab heute jeden Sonnabend von 12 bis 18 Uhr begangen werden. Wieker steht bereit, um Fragen rund um die älteste Kulturpflanze zu beantworten. Als Erfrischung bietet er den Besuchern Cannabislimonade – „Ganz sicher ohne berauschende Wirkung!“ – an. Das Feld liegt aus Richtung Schillerslage (Zollstraße) kommend auf der rechten Seite direkt am Klein Schillerslager Ortseingang.

Jedes Hanffeld muss angemeldet werden

Der Anbau von Hanf, der in Deutschland von 1982 bis 1996 gänzlich verboten war, ist an strenge Auflagen geknüpft. Es darf nur Saatgut von den 42 EU-zertifizierten Hanfsorten verwendet werden, die alle einen geringen Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) haben. „Der Anbau muss angemeldet und der Nachweis erbracht werden, dass man einen Abnehmer für den Nutzhanf hat“, sagt Reent Martens vom Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Verlte. In Niedersachsen werden laut Martens gerade einmal 300 Hektar Hanf für die Faserernte angebaut. Dabei sei die Pflanze auch ackerbautechnisch interessant: Sie wächst schnell, wird bis zu vier Meter hoch, sodass Wildkräuter kaum gedeihen und der Acker im nächsten Jahr sauber ist.

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Die Hanfpflanzen die auf dem Feld in Klein Schillerslage gedeihen, tragen sowohl weibliche als auch männliche Blütenblätter.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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