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Concerto Paradiso baut umjubelte Brücke

Burgdorf Concerto Paradiso baut umjubelte Brücke

Vor ausverkauftem Haus hat das Ensemble Concerto Paradiso im Sommerkonzert der Barockmusikreihe „Die 4 Jahreszeiten“ am Sonntagabend mit musikalischen Mitteln vermittelt zwischen Europa und dem ehemaligen Osmanischen Reich. Der Kulturaustausch mit Klängen gelang. Das Publikum reagierte begeistert.

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Einen Hör- und Erkenntnisgewinn bescherte das Konzert des Ensembles Concerto Paradiso seinem Publikum am Sontagabend im Schloss.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Können Werke türkischer Komponisten neben solchen aus dem Venedig der Barockepoche in einem deutschen Konzertsaal bestehen? Klingt das schräg – oder ist das womöglich sogar ein Musikgenuss? Den Konzertveranstaltern des Kulturvereins Scena war wohl bewusst, dass sie nicht nur vor dem Hintergrund der aktuellen Spannungen zwischen Europa und der Türkei ein Wagnis eingingen mit diesem Programm, das auch für Concerto Paradiso eine Premiere darstellte, wie die Flötistin und Ney-Spielerin Valentina Ballanova verriet. Denn klassisch-osmanische Musik hat das Ensemble bereits aufgeführt, nie zuvor aber diese gleichberechtigt neben Barockmusik erklingen lassen.Am Ende dieses denkwürdigen Konzertabends war Scenas Wagemut in einen Hör- und Erkenntnisgewinn für die Zuhörer umgemünzt. Denn alles andere als oberlehrerhaft nahmen die fünf Musiker aus Italien, Israel, der Türkei und dem Iran ihr Publikum mit auf eine lohnenswerte Klangreise: aus dem vertrauten Venedig ins fremde Konstantinopel (heute Istanbul). Womit dann auch der Spannungsbogen beschrieben wäre, aus der die Multikultimusikertruppe die „Brücke“, so Titel ihres Programms, errichtete.

Das Konzept ging voll auf. Dabei diente das vertraut Klingende einer meisterhaft intonierten Folia von Paolo Benedetto Bellinzani ebenso als Türöffner wie die Ciaccona von Benedetto Marcello. Das Publikum betrat die Brücke, zunächst etwas abwartend, aber neugierig. Als es schließlich auf der anderen Seite ankam, wollte es schier nicht mehr herunter von diesem Bauwerk, das Concerto Paradiso konstruierte aus so unterschiedlichen Klangschulen wie der am Hofe des Sultans von Konstantinopel und jener in der berühmten Lagunenstadt. Zumal die Flötistin und Ney-Spielerin Valentina Bellanova ihre Zuhörer charmant moderierend an die Hand nahm und die Charakteristika der komplexen osmanischen Kompositionen erläuterte. So fiel es dem Publikum nicht schwer, sich während des Konzerts den eingangs ungewohnten Klangfolgen etwa eines Ali Ufuki zu öffnen.

Im Gegenteil: Mit zunehmender Dauer des zweistündigen Konzerts klang das ursprünglich Fremde immer vertrauter. Als Concerto Paradiso dann mit dem Yuruk Semai auch noch einen Klassiker der osmanischen Tonarchitektur sowohl im Original wie in westlicher Notation spielte, hatte es das Publikum längst für die Schönheit des vermeintlich Fremden eingenommen. Mehr noch: Die Zuhörer zeigten sich begeistert und erklatschten sich eine umjubelte Zugabe.

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