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Krimifans hängen an Kutschers Lippen

Burgdorf Krimifans hängen an Kutschers Lippen

Restlos ausverkauft ist die Lesung mit dem Bestseller-Autor Volker Kutscher in Wegeners Buchhandlung am Donnerstagabend gewesen. 100 Krimi-Fans erlebten einen spannenden Literaturabend, der sie zeitlich an die Bruchstelle von fragiler Weimarer Republik zur Nazi-Dikatur zurückversetzte.

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Dafür stehen die Krimi-Fands Schlange: Volker Kutscher signiert Bücher.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Kutschers Kriminalromane, die im Berlin des erstarkenden Nationalsozialismus' spielen, besäßen die "Verführungskraft eines Suchtmittels", zitierte Buchhändlerin Gitana Wegener einen Kritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, um den Erfolgsautor zwischen all ihren Buchregalen in Burgdorf zu begrüßen und vorzustellen. Die Zuhörer hätten das freilich nicht gebraucht, um zu wissen, mit wem sie es zu tun bekommen sollten in den folgenden zwei Stunden. Denn die 100, die gekommen waren und auf die eng gestellten Klappstühle pflanzten, sind durch die Bank eingefleischte Kutscher-Jünger. Sie hängen dem kölschen Teilzeit-Berliner an den Lippen, der in allen seinen sechs bisher erschienenen Fällen des eigenwilligen Ermittlers Gereon Rath strafrechtlich Relevantes mit zeitgeschichtlichem Geschehen so spannend verdichtet, dass schon mehr als eine Million seiner Krimis über die Ladentische gingen.

Kutscher kann lesen, was ihn angenehm unterscheidet von vielen seiner Kollegen, und seien diese noch so erfolgreich. Mit bisweilen lakonischer Stimme konfrontiert er seine Zuhörer zu Beginn der Lesung mit dem Prolog von "Lunapark". Der hat es in sich. Da weiß man sofort, wo man ist: Nämlich in der brutalsten Welt, die sich denken lässt. Wo für die Sturmabteilung von Hitlers NSDAP, kurz: SA, Juden keine Menschen sind. Eine zweite Passage, die Kutscher liest, beschreibt das Spannungsverhältnis zwischen Kommissar Rath, der kein Nazi ist, und der Geheimen Staatspolizei. Gemeinsam sollen sie den Leichenfund eines SA-Mannes aufklären. In einer dritten Passage führt Kutscher dann auch noch Raths Ehefrau ein. So ist der Literaturfreund orientiert über Zeit, Raum und handelnde Personen, ohne dass der Roman, in dem es an Leichen nur so wimmelt, auch nur andeutungsweise vorweggenommen wäre.

Der eigentliche Erkenntnisgewinn fürs Publikum speist sich freilich auch weniger aus den gelesenen Buchpassagen, die allenfalls Lust auf mehr machen. Vielmehr stellt sich Kutscher in der Pause und nach der Lesung dem Gespräch mit seinen Lesern, erläutert diesen, wie er arbeitet, wie er seinen Plot und seine Figuren anlegt und entwickelt, wieviele Folgen er noch in petto und welche literarischen Eisen er gerade im Feuer hat. Im Oktober erscheinen drei von der Kult-Illustratorin Kat Menschik bebilderte Kurzgeschichten. Zur Leipziger Buchmesse im März kommt sein erster Gereon-Rath-Fall, "Nasser Fisch", als Comic auf den Markt. 2017 schließlich strahlt der TV-Bezahlsender Sky - im Jahr darauf auch die ARD - die in zwei Staffeln abgedrehte Kutscher-Krimi-Serie "Nasser Fisch" aus.

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Volker Kutscher liest in Wegerners Buchhandlung aus seinem jüngsten Roman "Lunapark".

Quelle: Joachim Dege
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