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Der Scout im Renten-Dschungel

Burgdorf Der Scout im Renten-Dschungel

Wenn es um die Rente geht, gleich von welcher Versicherung – Karl-Heinz Dralle (68) aus Otze weiß Rat. Dafür wird der ehrenamtliche Versichertenälteste alle zwei, drei Monate über die neue Entwicklung im Rentensektor informiert. Mit Dralle sprach Anette Wulf-Dettmer über die Rentenreform und wie man davon profitieren kann.

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Sprechstunde des Versichertenältesten im Burgdorfer Rathaus: Karl-Heinz Dralle im Beratungsgespräch mit zwei Frauen.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Burgdorf. Herr Dralle, das neue Rentenpaket hat einen Ansturm auf die Geschäftsstellen der Rentenversicherungen ausgelöst. Kommen auch in Ihre Sprechstunden mehr Menschen, die sich beraten lassen wollen?

Ja, die Nachfrage ist deutlich, um mehr als ein Drittel, gestiegen. Seit 1. Juli habe ich mehr als 20, besonders langjährig Versicherte und genauso viele Mütter beraten.

Welche Neuerung ist Ihrer Ansicht nach die gravierendste?

Die Angleichung der Mütterrente. Weil eben Frauen, die das Rentenalter erreicht haben, aber bislang keinen Rentenanspruch hatten, jetzt erstmals die Möglichkeit haben, eine eigene Rente zu bekommen.

Wie funktioniert das?

Um überhaupt einen Anspruch auf Rentenzahlung zu haben, müssen fünf Beitragsjahre auf dem Rentenkonto stehen. Für diese Beitragszeit wurde bislang pro Kind ein Jahr angerechnet. Seit dem 1. Juli werden Müttern pro Kind zwei Beitragsjahre angerechnet. Das heißt, einer Frau mit drei Kindern werden sechs Beitragsjahre gutgeschrieben. Damit haben sie die Bedingung erfüllt, dass ihnen Rente gezahlt wird.

Heißt das im Umkehrschluss, Mütter mit einem oder zwei Kindern gehen wieder leer aus?

Nein. Müttern mit zwei Kindern kann ich nur empfehlen, für die fehlenden zwölf Monate freiwillige Rentenbeiträge zu zahlen.

Wie teuer ist das?

Der Mindestbeitrag für ein Jahr beträgt 1020,60 Euro. Um das Rentenkonto bis zum Minimum zu füllen, muss diese Summe auf einmal bezahlt werden. Dafür gibt es dann 119 Euro brutto im Monat. Das heißt, die Zuzahlung hat sich nach zehn Monaten rentiert.

Läuft das automatisch?

Nein, um die Mütterrente zu bekommen, muss jede Frau im Rentenalter zwingend einen Antrag stellen und zwar bis zum 30. Oktober 2014. Dann erhalten die Mütter die Rente rückwirkend ab dem 1. Juli 2014. Wer später kommt, erhält die Rente zwar auch, aber sie wird erst ab dem Datum der Antragsstellung gezahlt. Wichtig ist: Die Mütterrente wird nur für Kinder bezahlt, die in Deutschland erzogen sind.

Was ist mit Müttern und teilweise auch Vätern, die im Rentenalter sind und die alte Mütterrente erhalten?

Sie müssen nichts tun, nur Geduld haben. Die Rentenversicherungen zahlen die Erhöhung automatisch. Bis Ende Oktober wollen die Landesversicherungsanstalten alles berechnet haben und das Geld dann rückwirkend überweisen. Bei der Rentenversicherung Bund kann es bis Weihnachten dauern.

Wie helfen Sie den Ratsuchenden?

Wenn ein Termin vereinbart ist, sage ich den Frauen, was sie für einen Antrag mitbringen müssen: Die Rentenversicherungsnummer, wenn vorhanden. Sonst beantrage ich eine. Personalausweis, Stammbuch mit Heiratsurkunde und Geburtsurkunde der Kinder, die elfstellige persönliche Identifikationsnummer vom Bundessteueramt, Bankverbindung mit IBAN, Krankenversicherungsschein, Wohnsitznachweis für 1990, Rentenversicherungsnummer des Ehepartners, auch bei Witwen. Wenn sie alles dabei haben, kann ich den Antrag für die Frauen online stellen. Für jedes Beratungsgespräch, das übrigens kostenlos ist, plane ich 45 Minuten ein.

Was ist für die Rente mit 63 ohne Abschlag zu beachten?

Für die 45 Beitragsjahre werden bestimmte Zeiten nicht berechnet. Wer zum Beispiel die Berufstätigkeit für einen Schulbesuch oder ein Studium unterbrochen hat, bekommt diese Ausbildungszeiten nicht angerechnet. Zudem zählen Zeiten der Arbeitslosigkeit vom 61. bis 63. Lebensjahr nicht mit. Es gibt sehr viele Ausnahmeregelungen, deshalb ist ein Beratungsgespräch empfehlenswert.

Woher kommen Ihre Klienten?

Aus allen Ortsteilen von Burgdorf und Uetze ebenso wie aus der Gemeinde Burgwedel. Ich fahre auch schon mal nach Fuhrberg, um Senioren, die nicht mehr mobil sind, zu beraten. Generell spielt es keine Rolle, wo jemand wohnt.

Heißt das, Ratsuchende müssen nicht zur Rentenversicherung, wo derzeit lange Wartezeiten an der Tagesordnung sind, sondern können alle Fragen mit Ihnen klären?

Ja, ich kann alle Fragen klären und alle Anträge aufnehmen. Termine für die Sprechstunden in Uetze und Burgdorf können in den Rathäusern vereinbart werden, für Burgdorf unter Telefon (0 51 36) 89 83 00 und für Uetze unter (0 51 73) 97 00 62. Aber ich mache auch Hausbesuche. Letztes Jahr habe ich sogar Heiligabend einen Antrag aufgenommen.

Erhalten Sie auch Rückmeldungen von Ihren Klienten?

Ich bekam jetzt einen Dankbrief von einer 80-Jährigen, für die ich die neue Mütterrente beantragt habe und die das Geld bereits erhält.

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