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Quintett kümmert sich um 500 Flüchtlinge

Burgdorf Quintett kümmert sich um 500 Flüchtlinge

Welche Behörde kümmert sich um den Asylantrag? Wo findet eine Familie, die zusammengeführt wird, kurzfristig eine Wohnung? Und gibt es freie Plätze in einem Deutschkurs? All diese Fragen stellen sich den städtischen Sozialarbeitern täglich – und doch weicht jeder Tag vom anderen ab.

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Ryanne Schmidt.

Quelle: Bismark

Burgdorf. Mit politischem Beschluss hat die Verwaltung in den vergangenen Monaten vier Sozialarbeiter für die Betreuung der Flüchtlinge eingestellt und das Team ergänzt um Benjamin Starke aus dem Bundesfreiwilligendienst. Dass weniger Flüchtlinge kommen, merkt das Quintett vor allem daran, dass sich Aufgaben ändern. Es geht nicht mehr nur um die Frage nach einer Unterkunft, sondern zunehmend auch um die nach einer Perspektive. „Diese wiederum hängt stark davon ab, aus welchem Land der Flüchtling stammt“, sagt Dörte Bayo.

Sie und ihre Kollegen kümmern sich um Behördengänge, sie übergeben die Willkommenspakete mit wichtigen Telefonnummern, sie vermitteln Arzttermine und sie stehen bei Fragen rund um die vielfältigen Anträge als Ansprechpartner bereit – auch für die Nachbarn. Eines aber tun sie nicht: „Wir fragen die Menschen nicht aus, auch nicht nach den Gründen für die Flucht“, sagt Izabella Depta und berichtet von unterschiedlichen Erfahrungen: „Manche erzählen ihr Schicksal von sich aus, andere ziehen sich zurück.“ Alle aber, wissen die Sozialarbeiter, wünschen sich den Kontakt zu deutschen Gesprächspartnern, um die Sprache kennen zu lernen und einen Einblick in das Leben zu erhalten. „Das können wir nicht leisten“, sagt Ryanne Schmidt.

Für die Hauptamtlichen mit ihrem zentralen Büro an der Friederikenstraße ist deshalb das Netzwerk an ehrenamtlichen Initiativen unersetzlich. „Manchmal muss ich auch erklären, weshalb die Stadt die Sozialarbeiter und Freiwillige braucht“, sagt Starke und nennt als Beispiel die Sportpatenschaften, die zwar im Interesse der gut 500 Flüchtlinge sind, das Zeitbudget der Sozialarbeiter aber sprengen. „Wenn ich die Aufgaben aufzähle, verstehen die Vereinsvertreter, weshalb wir uns nicht mehr einbringen können“, sagt er.

Deshalb zählen Netzwerktreffen wie die wöchentlichen Teambesprechungen zu den festen Terminen im Kalendern. Sonst aber, betonen alle unisono, müssten sie ihren Arbeitstag oft spontan umplanen – keiner sei wie der andere. „Die Erkrankung eines Kindes kommt immer überraschend“, sagt Depta und Schmidt nennt als Beispiel eine Familienzusammenführung, die das Team innerhalb von drei Tagen stemmen musste – inklusive einer Wohnung.

Mit Blick auf die zurückliegenden Monate und die oft geforderte Integration wünscht sich Eitel Moch mehr couragierte Burgdorfer, die in die Unterkünfte kommen und mit den Flüchtlingen sprechen. „Es geht um Teetrinken oder Spaziergänge, immer wieder und verlässlich“, sagt er. Die Flüchtlinge suchten den Kontakt, fügt er hinzu und betont, ob beim Radfahren oder der Mülltrennung: „Sie wollen alles richtig machen, aber das gelingt nicht immer.“ Dafür wiederum wünsche er sich mehr Verständnis der Nachbarn.

Das Team

Izabella Depta: Für Familien, die am Ostlandring wohnen oder die seit Februar 2016 an die Retschystraße und den Berliner Ring zugewiesen wurden, ist die 37-jährige Izabela Depta die erste Ansprechpartnerin. Die Diplom-Sozialwissenschaftlerin hatte vor ihrem Wechsel nach Burgdorf im Februar 2016 beim Step-Projekt in Hannover gearbeitet. Sie wohnt mit ihrer Familie in Langenhagen.

Eitel Moch: Bereits in den 1990-er Jahren arbeitete Eitel Moch als Sozialarbeiter mit Flüchtlingen – damals in Hannover-Misburg. Nach einer Station bei der offenen Kinder- und Jugendarbeit wechselte der 58-Jährige zur Stadt Burgdorf und betreut Bewohner der Friederikenstraße 43 sowie Menschen, die von August bis Februar dezentral untergebracht wurde. Er lebt mit seiner Familie in Uetze. 

Ryanne Schmidt: Ihr Anerkennungsjahr zur staatlich anerkannten Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin leistete die 25-jährige Ryanne Schmidt im Kinderkrankehaus Auf der Bult, dort arbeitete sie bis zum Jahreswechsel im Sozialdienst Somatik. Dann wechselte sie zur Stadt Burgdorf und ist zuständig für die Friederikenstraße 29, angrenzende Wohnungen und alleinreisende Männer. Sie lebt in Hannover.

Dörte Bayo: Seit Februar dieses Jahres arbeitet die 42-jährige Diplom-Sozialwissenschaftlerin bei der Stadt Burgdorf. Dabei zeichnet sie vor allem verantwortlich für dezentral untergebrachte Familien und Einzelreisende, die seit Februar zugewiesen wurden. Sie bietet Sprechstunden in der Friederikenstraße, Drei Eichen und im Sportinghotel an. Bayo lebt mit ihrer Familie in Hannover.

Benjamin Starke: Erste Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingen sammelte der 18-jährige Benjamin Starke bei der Organisation der Kleiderkammer in Hülptingsen. Seit April leistet er seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt und übernimmt unter anderem die Sprechstunden in der Friederikenstraße 43. Er kümmert sich zudem um Sport- und Freizeitangebote und Deutschkurse für Flüchtlinge.

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Von Redakteur Antje Bismark

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