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Drei Frauen leiten den Baumarkt

Burgdorf Drei Frauen leiten den Baumarkt

Das größte Bauprojekt in Burgdorf ist fast fertig gestellt. Nach sieben Monaten Bauzeit eröffnet die Mölders-Gruppe am Donnerstag, 30. Juli, im Gewerbegebiet Nordwest ihren Hagebaumarkt mit Garten-Center. Mit Rena Garbe hat dort fortan eine Frau das Sagen.

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Rena Garbe leitet den neuen Hagebaumarkt an der Lise-Meitner-Straße im Gewerbepark Nordwest.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Garbe ist im Baumarkgeschäft mit allen Wassern gewaschen. Zuletzt leitete sie den Max-Bahr-Baumarkt in Hannovers Stadtteil Wülfel. Die 46-Jährige stammt aus Meißen. Heute lebt sie am Deister. Mit zwei weiteren Frauen bildet Garbe, unterstützt von ihrem Stellvertreter Dieter Weißmann, ein weibliches Dreigestirn an der Spitze des Burgdorfer Hagebaumarkts. Die Gartenbauingenieurin Dorothee Dickob-Rosocha soll das Garten-Center leiten. Heike Meyer übernimmt als Disponentin die dritte Schlüsselstelle. Sie sorgt dafür, dass die richtige Ware stets ausreichend im Markt vorhanden ist.

Garbe genießt in ihrer neuen Mannschaft, die gegenwärtig damit beschäftigt ist, den Markt einzurichten, nach kurzer Zeit hohes Ansehen. Die Mitarbeiter schätzen nach eigener Darstellung Garbes teamorientierten Führungsstil: Klare Ansagen paarten sich mit einem freundlichen, wertschätzenden Umgangston, so ist von allen Seiten zu hören.

„Es ist schon was anderes mit einer Frau als Chef. Sehr angenehm. Sie ist locker und nimmt uns auch mal zur Seite und fragt, wie’s geht“, sagt Juliane Jäger, die in der Elektroabteilung arbeitet. In ihrer früheren Firma, einem Burgdorfer Handwerksbetrieb, hatte sie es hauptsächlich mit Männern zu tun und war einen anderen Umgangston gewöhnt.

Garbe hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Beim ehemaligen Branchenriesen Max Bahr durchlief sie eine Ausbildung zur Handelsassistentin, die auf die Filialleitung abzielt. Anschließend sammelte sie jede Menge Berufserfahrung in neun Baumärkten in ganz Deutschland. Zur Mölders-Gruppe stieß sie am 1. April, nachdem ihr alter Arbeitgeber Insolvenz hatte anmelden müssen. Seit dem Frühjahr bereitete sie die Markteröffnung in Burgdorf vom Celler Hagebaumarkt aus vor.

Dass Baumärkte reine Männersache seien, hält Garbe für ein Vorurteil. Frauen, das zeige ihre Erfahrung, interessierten sich zunehmend fürs Heimwerken. Und wenn Frauen mit einer Bohrmaschine noch nicht umzugehen wüssten, dann könnten sie es leicht lernen. Dazu werde sie im Hagebaumarkt künftig Heimwerkerseminare für Frauen anbieten.

Im Garten-Center soll es außerdem Kräuter-Seminare sowie Rosen- und Orchideentage geben. Aber auch die Männer kämen nicht zu kurz. Kniffe und Tipps vom Profi vermittelten etwa die Grill-Seminare am 12. September und am 4. Dezember.

Das Heimwerkerparadies leuchtet rot

Es ist ein Hämmern und ein Schrauben in Burgdorfs Gewerbegebiet Nordwest. Der Schweiß fließt in Strömen. Seit fünf Wochen schon richten mehr als 30 Beschäftigte den neuen, knallroten Hagebaumarkt mitsamt Gartencenter ein.

In der 5000 Quadratmeter großen Halle mit der roten Außenfassade gleich neben dem Kreisel vor der Auffahrt zur Umgehungsstraße herrscht rege Betriebsamkeit. Die Lise-Meitner-Straße im Gewerbegebiet ist tagsüber zugeparkt. Von Mölders-Mitarbeitern, Lieferanten und Handwerkern, die alle nur das eine Ziel verfolgen: den neuen Hagebaumarkt fit zu machen für den auf drei Tage angesetzten Eröffnungstrubel am Monatsende.

Die Heimwerkerbranche ist in Bewegung. Nach der Pleite des Baumarktriesen Praktiker/Max Bahr sortiert sich der Markt gerade neu. Laut Branchenmagazin „Baumarktmanager“ eröffnen in den Monaten Juni, Juli und August sage und schreibe 22 neue Baumärkte in Deutschland, große und kleine, darunter auch der des Hagebau-Partners Mölders in Burgdorf mit seinem 2100 Quadratmeter großen Gartencenter und einem 1600 Quadratmeter großen Außenlager.

Hagebau rangiert nach Branchenprimus Obi und den Wettbewerbern Bauhaus und Hornbach auf Platz vier unter Deutschlands Baumarktketten und bringt es auf einen Jahresumsatz von zuletzt 2,9 Milliarden Euro. Insgesamt haben die dominierenden 30 deutschen Baumarktbetreiber 2014 stolze 32,75 Milliarden Euro brutto umgesetzt.

Zig Lastwagen und Kleintransporter steuern täglich den Hagebaumarkt an der Lise-Meitner-Straße an, laden tonnenweise Waren ab – vom Verlängerungskabel über Fliesen bis zur quietschgelben Gießkanne. Stephan Rieke, Leiter der Warenannahme, und seine Kollegen nehmen die Fahrer in Empfang. Sie überwachen den Abladevorgang, verteilen mit Hubwagen und Gabelstaplern nach Plänen die Waren auf die zugewiesenen Regale in der Halle. In der Regel eine Woche später schicken die Lieferanten den Speditionen eigene Mitarbeiter hinterher. Diese sorgen dann für die wohlfeile Präsentation im Regal sowie das Auszeichnen und das Einscannen der Preise für das Kassensystem. Berge von Verpackungsmüll, die anfallen, sortieren Rieke und seine Leute in grüne Container.

Für seine Burgdorfer Dependance mit einer Gesamtverkaufsfläche von 8700 Quadratmetern hat das Familienunternehmen Mölders mit Sitz in Bad Bevensen eigens die Hagebaumarkt Burgdorf GmbH gegründet. Mölders betreibt als Partnerunternehmen der Hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG in Soltau fünf eigene Baustoffhandlungen und neun Baumärkte. Ähnlich dimensionierte Heimwerkerparadiese, mit denen es die Burgdorfer Mölders-Filiale aufnehmen muss, gibt es in Lehrte (Obi), in Altwarmbüchen (Hornbach) und in Celle (Hagebau, Toom, Impec und Obi).

In der Mölders-Truppe herrscht Aufbruchstimmung. Neue Mitarbeiter wie langjährige Angestellte bescheinigen ihrem Arbeitgeber unisono eine auf Wertschätzung gründende Unternehmenskultur. Baumarktleiterin Rena Garbe neige zu verbindlicher Ansprache, sagt einer. Die Chefin erkundige sich auch mal freundlich, ob es einem gut gehe, sagt eine andere. Einmal in der Woche lädt Garbe ihre Leute zum gemeinsamen Pizza-Essen oder zu Kaffee und Kuchen ein. Auch gegrillt hat man schon miteinander – das motiviert. Und es schweißt die neu zusammengewürfelte Baumarkt-Mannschaft zusammen.

Nach Angaben von Marketingleiterin Nicole Sroka hat Mölders 40 neue Stellen geschaffen. 18 Frauen und 15 Männer seien eingestellt worden. Außerdem beschäftigte das Unternehmen zwei 450-Euro-Kräfte. Weitere Mitarbeiter für die Kassen und Fachberater für die Bereiche Baustoffe, Sanitär, Elektro und fürs Gartencenter würden noch gesucht. Auch Auszubildende wolle Mölders einstellen. Hinter vorgehaltener Hand verrät ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen will, dass alle Mitarbeiter nur befristete Verträge erhalten hätten, für ein Jahr. Danach gebe es dann noch einmal ein weiteres Jahr, bevor es zur Festanstellung komme. Darum wolle er vorerst noch von seinem Wohnort zu seinem Arbeitsplatz pendeln. Juliane Jäger (23) aus Burgdorf hat in der Elektroabteilung einen Ganztagsjob bekommen. Die gelernte Kauffrau im Einzelhandel sortiert Waren ein, hängt große, mittlere und kleine Preisschilder auf. Sie räumt auf, baut um, macht sauber. Seit dem 1. Mai gehört sie zur Mölders-Familie. Nach der Einarbeitungsphase im Hagebaumarkt in Celle packt sie jetzt in Burgdorf mit an. Einen Gabelstaplerführerschein habe sie schon machen dürfen, einen Lehrgang im Nachmachen von Schlüsseln genossen, eine Einweisung in den Mietmaschinenpark erhalten sowie eine LED-Leuchtmittel-Schulung. „Man lernt hier viel“, sagt die junge Frau.

Dafür, dass die Kassen bald klingeln können, sorgt Systemadministrator Heiko Linnes. Der langjährige Mölders-Angestellte richtet die fünf Kassen und die 18 Informationsterminals im neuen Markt ein, vernetzt diese mit dem Server in der Firmenzentrale und legt die Zugriffsrechte für die Mitarbeiter fest. Noch ist nicht alles fertig. Draußen auf dem Parkplatz verlegen Bauarbeiter die letzten Pflastersteine. Die Pflanzen für den Gartenmarkt sollen als Frischware kurz vor der Eröffnung eintreffen. Im Eingangsbereich, wo die Großbäckerei Steineke einen Backshop eröffnen will, sind noch Ladenbauer am Werk. Bis zum 30. Juli soll dann aber alles picobello sein, geben sich alle sicher. Bis dahin sei der Parkplatz tadellos hergerichtet, verspricht Bauherr Cornelius Ebel, dessen Peiner Unternehmen Flatt und Ebel Grundstücksgesellschaft OHG die Immobilie errichtet hat und an Mölders verpachtet. Und auch Jan Könnig, Leiter der Mölders-Warenwirtschaft, zeigt sich überzeugt, dass am Eröffnungsdonnerstag sämtliche 45.000 Artikel der 450 Hersteller am rechten Fleck sein werden und das Heimwerkerherz höher schlagen lassen.

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