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Düngen der Äcker soll strenger geregelt werden

Burgdorf/Lehrte/Sehnde Düngen der Äcker soll strenger geregelt werden

Das Düngegesetz soll bundesweit neu geregelt werden und noch dieses Jahr in Kraft treten. Die Landwirte in Burgdorf und Umgebung sind besorgt, dass dann die Fruchtbarkeit ihrer Ackerböden und damit die Ertragssicherkeit sinken.

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Das geplante Gesetz will das Düngen - hier Hans-Heinrich Meyfeld auf einem Feld bei Arpke - stärker reglementieren.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Burgdorf. Das geplante bundesweit geltende Düngegesetz, das noch in 2016 in Kraft treten soll, beschert den landwirtschaftlichen Betrieben mehr Bürokratie und einen höheren Verwaltungsaufwand. Die Bauern fürchten zudem, dass die Fruchtbarkeit ihrer Ackerböden und damit auch deren Ertragssicherheit sinkt.

Die Kritik entzündet sich daran, dass die Gesetzesvorgaben den Bedingungen in den sehr unterschiedlichen Naturräumen Deutschlands - Stichwort Bodenqualität und Witterung - nicht gerecht werden. Das Ziel des Gesetzes, den Gewässer- und Grundwasserschutz zu verbessern, sei unstrittig, aber: „Die Landwirte bundesweit in ein System zu pressen, kann nicht ohne Anpassungsklausel für individuelle Lösungen funktionieren“, sagt Helmut Dammann-Tamke, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Alle Fraktionen im Landtag seien sich einig, dass das Düngegesetz so nicht laufen könne.

Der Arbeitskreis Landwirtschaft der CDU-Fraktion traf sich kürzlich beim Bezirkslandwirt Cord-Heinrich Schweer in Hülptingsen. Die Politiker informierten sich über die zu erwartenden Auswirkungen der Düngegesetznovelle auf die leichten, sandigen Böden mit intensiver Feldberegnung. Diese sind offenbar gravierend.

Denn künftig werden die Landwirte nach einer Trockenperiode im Frühjahr - eine Wetterlage, die immer häufiger auftritt - kaum noch nachdüngen können. „In der Regel haben wir im zeitigen Frühjahr schon den Dünger aufgebracht, der für eine durchschnittliche Ernte reicht“, sagt Schweer und erklärt: Damit die Kulturpflanzen auf dem Acker die Trockenheit überstehen, müssen sie beregnet werden. Dadurch kann ein Großteil der Nährstoffe in tiefere Bodenschichten gelangen, wo er von den jungen Pflanzen mit ihren kurzen Wurzeln nicht zu erreichen ist. Deshalb muss erneut gedüngt werden, damit die Pflanzen wachsen können.

Doch das treibt die Stickstoffbilanz - das Hauptinstrument des Düngegesetzes - in die Höhe. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass in einem Jahr nur so viel Stickstoff (N) und Phosphat (P) gedüngt werden dürfen, wie die Kulturpflanzen dem Boden in dieser Zeit entziehen. Am Ende der Vegetationsperiode dürfen durchschnittlich - berechnet wird die N-Bilanz auf einen Zeitraum von drei Jahren - nicht mehr als 60 Kilo N pro Hektar (50 Kilo ab 2018) im Ackerboden bleiben.

Wetterkapriolen erfordern flexiblen Düngereinsatz

Damit dieser Richtwert nicht überschritten wird, müsse entweder auf die Nachdüngung verzichtet oder in den Folgejahren weniger Dünger ausgebracht werden, erläutert Schweer: „Für meinen Betrieb auf Feldern mit 25 Bodenpunkten wäre das eine mittelschwere Katastrophe.“ Um Wetterkapriolen auszugleichen, sei es sinnvoll, die Stickstoffbilanz statt wie geplant auf drei auf sechs Jahre zu mitteln, sind sich die CDU-Landespolitiker einig. „Unsere Sorge ist, dass man uns die Möglichkeit nimmt, unsere Pflanzen über mehrere Jahre gut zu versorgen“, bringt Schweer die Bedenken seiner Berufskollegen auf den Punkt.

Auflagen erschweren den Einsatz von Tiermist

In die N-Bilanz fließt auch die Verwendung organischer Dünger wie Gülle, Mist, Biogassubstrat oder Zwischenfrüchte ein. Damit taucht das nächste Problem auf: „Der organische Dünger muss im ersten Jahr zu 90 Prozent auf die N-Bilanz angerechnet werden, obwohl er seine Nährstoffe erst im Laufe von vier bis fünf Jahren freigibt“, sagt Hans-Heinrich Meyfeld, Landwirt in Dolgen. Die Folge: Die Pflanzen werden für eine durchschnittliche Ernte nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. „Wir werden auf den Weizenfeldern kein Brotgetreide mehr erzeugen können, sondern höchstens Futterqualität“, sagt Meyfeld.

Dabei mache es durchaus Sinn, organischen Dünger auf den hiesigen Ackerbaubetrieben einzusetzen, erklärt Georg Busse von der Landberatung Hannover-Burgdorf. Die Zwischenfrüchte halten den Stickstoff in den Wintermonaten im Boden und werden deshalb in den Wassergewinnungsgebieten Burgdorfer und Fuhrberger Holz nach der Ernte auf allen Äckern ausgesät. Sie verringern zudem den Schädlingsbefall und fördern wie das Düngen mit Mist oder Gülle die Humusbildung im Boden.

„Ich habe immer mit Hühnermist gedüngt, aber mit den neuen Vorgaben ist das für mich tot“, sagt Meyfeld - und das nicht nur wegen der Stickstoffbilanz, sondern auch wegen der Verordnung zur Zwischenlagerung von Stallmist und Geflügelkot in Niedersachsen. Beides darf seit September 2015 nur noch maximal sechs Monate auf landwirtschaftlich genutzten Flächen gelagert werden und ist mit einer Folie abzudecken. Das soll verhindern, dass Stickstoff ausgewaschen wird, in den Boden und von dort ins Grundwasser gelangt. „Darüber hinaus muss solch eine Lagerstätte 20 Meter von Gräben entfernt sein und darf nicht direkt über einer Drainage angelegt werden“, erklärt Meyfeld, „aber die meisten Äcker sind voll drainiert.“

Kritik: Dokumentation der Erntemenge ist praxisfern

Volker Lindwedel, Bezirkslandwirt in der Wedemark, sieht das geplante Düngegesetz gelassener. „Wir liegen hier im Wasserschutzgebiet Fuhrberger Holz und sind hohe Auflage für die Düngung gewohnt.“ Er sieht eher ein Problem bei der Dokumentation der Erntemenge für die N-Bilanz. Fast kein Betrieb erfasse die Erntemenge eines einzelnen Ackers, sagt der Elzer Bauer. Das liege auch daran, dass Getreide und vor allem Kartoffeln oft auf den Betrieben gelagert und erst beim Verkauf gewogen würden. Lindwedels Vorschlag: Die Stickstoffbilanz für die einzelnen Fruchtarten oder auf den gesamten Betrieb bezogen erstellen. „Dann bekommt man auch reelle Werte und keine Schätzungen.“

von Anette Wulf-Dettmer

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Von Redakteur Anette Wulf-Dettmer

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