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Ein Badespaß ganz ohne Reizaugen

Ramlingen Ein Badespaß ganz ohne Reizaugen

Sommerzeit ist Badezeit, will man einen kühlen Kopf bewahren an heißen Tagen. Darum sind wir einfach mal reingesprungen in unsere Freibäder. Und haben dort Menschen getroffen, die ihrer Badeanstalt in besonderer Weise verbunden sind. Heute: Gerd Hogreve im Biowaldbad Ramlingen.

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Gerd Hogreve hat als Junge einst im Waldbad Schwimmen gelernt. Beim Umbau zum Naturbad erledigte er die Erdarbeiten.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Bodenständig und erdverwachsen: So ist Gerd Hogreve. Und zwar im wörtlich zu nehmenden Sinne. Der 62-Jährige ist Landwirt. In Ramlingen. Allerdings „nur noch“ als mitarbeitendes Familienmitglied im 130 Hektar großen Bauernhofbetrieb, den er nach 35 Jahren als Chef an den Sohn übergeben hat.

Hogreve, Vater von zwei Söhnen, ist seit 41 Jahren mit seiner Frau zusammen, seit 35 Jahren verheiratet, hat einst als Bub im idyllisch an der Grünen Allee unweit der Wulbeck gelegenen Waldbad Schwimmen gelernt. Später taten es ihm seine Söhne gleich.

Bis heute zieht es ihn immer wieder ins Bad. Nicht nur, weil er stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins ist und diese einer Bürgerinitiative ähnliche Organisation das Schwimmbad mit dem Gedankenschmalz und der Muskelkraft seiner Mitglieder wieder zu dem machte, was es ursprünglich war: ein Biobad.

Das 1939 eröffnete Waldbad liegt etwa 500 Meter westlich des Dorfes Ramlingen an der Kreisstraße 117, die nach Engensen führt. Früher war das Becken einmal mit dem Moorwasser aus der Wulbeck gefüllt, die im Oldhorster Moor entspringt und sich am Bad vorbeischlängelt. Das war noch in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts so, bis dann aufgrund neuer Hygienevorschriften chloriertes Grundwasser das Moorwasser ersetzte.

Bisweilen sitzt Hogreve am Beckenrand auf der Bank. Dann schlotzt er einen Weißwein, stößt mit seiner Frau auf den schönen Ausblick ins idyllisch anmutende Wulbecktal an und schaut den Kindern beim Baden zu: „Wenn ich sehe, welche Freude die haben, dann ist das mein Lohn.“

Und zwar für die Schufterei beim Umbau in den Jahren 2013 und 2014. Da stand der Frühaufsteher Hogreve morgens um 5 Uhr auf der Matte und bewegte mit seinem großen Schlepper den Kies. 800 Tonnen insgesamt. Sämtliche Erdarbeiten beim Bau der neuen Filteranlage gehen auf Hogreves Konto. 1000 Liter Diesel hat er dabei verbraucht. „Das war manchmal eine Schlammschlacht hier auf dem Moorboden“, erinnert er sich.

Aber es hat sich gelohnt. An heißen Tagen kommen bis zu 500 Besucher ins Bad. Vor allem Familien mit Kindern fühlen sich angezogen. Dafür sorgen die weitläufige Liegewiese unter großen, alten Bäumen mit Matschecke, Spielecke und dem Kinderbecken unterm Segeltuch. Dann geht es schon mal eng zu im nur zehn Meter langen und 3,30 Meter breiten Schwimmbecken. In dem ist heute zwar kein Moorwasser mehr, dafür aber natürlich gereinigtes und von Chemikalien freies Wasser, das Baden zum Vergnügen ohne Reizaugen macht. Zum günstigen Preis, wohlbemerkt: Erwachsene zahlen 3 Euro Eintritt, Kinder ab fünf Jahren 1,50 Euro. Die Familienjahreskarte kostet 70 Euro.

Dabei ist das Bad mehr als eine reine Schwimmanstalt. Es dient Schulklassen und Tourenradlern als Ausflugsziel. Gesellschaften mieten es auch schon mal für einen lauen Sommerabend und feiern dort ein Fest.

Legendär ist die stets frisch zubereitete Boulette mit Wildkräutersalat von Karl-Heinz Wolf, der den Kiosk im Bad betreibt. Immer donnerstagabends grillt der Mann auf Vorbestellung Rippchen. Nicht nur deshalb ist das Waldbad für die 3600 Ramlinger und Ehlershäuser, die für den Badumbau 100 000 Euro spendeten, ein beliebter Treffpunkt zum Klönen.

Fast scheint es, als könne Hogreve, der Parteilose, der Mandatsträger im Ortsrat, der Vorsitzende der Realgemeinde, der leidenschaftliche Lyra- und Tenorhornspieler und Liebhaber klassischer Märsche und Polkas, es nicht fassen, dass es das 2010 von der Schließung bedrohte Bad noch gibt. „Ich bin beeindruckt“, sagt er, als sei der Umbau das Werk anderer. Dabei wäre das Bad ohne sein Zutun und das seiner Mitstreiter wohl längst Geschichte.

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