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Ein Refugium für Mensch und Tier

Uetze Ein Refugium für Mensch und Tier

Das Wohnheim Heidhof ist das Zuhause von zehn Männern mit schwersten psychischen Erkrankungen. Auf dem Gelände an der Beerbuschstraße südlich des Schwüblingser Kreisels leben und arbeiten sie - und üben das normale Leben.

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In der Johannes-der-Täufer-Kirche in Uetze bechwört der Sprengelposaunenchor unter der Leitung von Henning Herzog Töne der Freiheit.

Quelle: Michael Schütz

Uetze. Thorsten kennt jedes Pferd beim Namen. Und er weiß auch genau, um welche Rassen es sich bei jedem der 30 bis 40 Tieren der Herde handelt. Er kann sagen, welches Tier eher ein guter Esser ist und wer in der Herde das Sagen hat. Liebevoll streichelt er die Pferde bei seinen täglichen Rundgängen auf den Koppeln und in den Ställen. Die Pferdeherde ist Teil eines Forschungsprojekts der Tierärztlichen Hochschule. Die Wissenschaftler wollen eine kurative Allergietherapie gegen das sogenannte Sommerekzem, ausgelöst von Insekten, entwickeln.

Der 42-jährige Thorsten lebt mit neun weiteren Männern auf dem Heidhof, einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen, die im Alltag nicht zurechtkommen. Sie leiden unter schweren Depressionen, Psychosen und Suchterkrankungen. Hier, auf dem idyllischen Hof mit den Weideflächen und Waldstücken, sollen die Bewohner ein weitgehend normales Leben führen. Dabei helfen soll ein geregelter Tagesablauf mit einer sinnvollen Beschäftigung. Dazu gehören die Arbeiten auf dem Hof: Die Pferde und Rinder müssen gefüttert, die Ställe ausgemistet und der Hof instand gehalten werden. „Das ist schon was anderes, als in einer Werkstatt Kulis zusammenzubauen“, sagt Heil- und Erziehungspfleger Jonas Oelstorf über die Arbeitstherapie in der Land- und Forstwirtschaft. Er ist einer der Betreuer, die die zehn Männer 24 Stunden lang begleiten. „Die Bewohner üben hier das normale Leben“, sagt Renate Reinert von Fips. Die Arbeit auf dem Hof gebe ihnen Identität und Selbstbewusstsein. Seit 1994 gehört der Heidhof zum Pflegedienst Fips, vorher zu den Wahrendorffschen Anstalten.

Die meisten der Männer leben seit Langem auf dem Heidhof - einige schon mehrere Jahrzehnte. So entsteht eine feste Wohngemeinschaft, fast eine Familie. „Einige werden irgendwann mit den Füßen vorweg vom Hof getragen“, glaubt Reinert. Denn nicht alle werden in der Lage sein, irgendwann außerhalb der Einrichtung zu leben. Auch Thorsten ist schon vor der Übernahme von Fips hier gewesen. Es ist sein Zuhause geworden. Wie die anderen profitiert auch er von der Ruhe auf dem Hof. Es gibt hier bewusst keine Reizüberflutung durch hektischen Verkehrslärm. Das soll die innere Ruhe schützen. „In ihren Köpfen geht so schon viel vor sich. Gerade, wenn sie zum Beispiel Stimmen hören“, sagt Reinert. Das Leben außerhalb des Hofs würde die Männer überfordern. Sie sind nicht fähig, sich in einer Werkstatt oder auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Anforderungen dort seien einfach zu hoch. Die Arbeitstherapie auf dem Heidhof nehme darauf Rücksicht. Und das zeigt laut Reinert auch Erfolg: „Die Verfassung der Bewohner hat sich deutlich verbessert.“

Trotzdem sollen die Männer nicht isoliert in ihrer eigenen Welt leben. Sie können sich frei bewegen, einige fahren etwa mit dem Fahrrad nach Hänigsen zum Einkaufen oder besuchen die Schützenfeste in der Umgebung. Ziel ist es, ihnen einen Kontakt zur Außenwelt und Selbstständigkeit zu ermöglichen. Und genau das wollen Thorsten und seine Mitbewohner. „Sie sind unheimlich stolz, wenn sie zum Beispiel beim Weihnachtsbaumverkauf die Verantwortung für die Kasse haben“, sagt Oelstorf.

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