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Einsatzkräfte vergiften sich bei Feuer

Unter ABC-Schutz Einsatzkräfte vergiften sich bei Feuer

Nach einem Einsatz bei einem Brand in Burgdorf sind 19 Feuerwehrleute und eine Polizistin mit Vergiftungssymptomen in eine Klinik eingeliefert worden. Drei weitere Einsatzkräfte werden medizinisch behandelt.

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Einige Einsatzkräfte musste nach dem Löschen des Brandes mit einer Vergiftung ins Krankenhaus gebracht werden.

Quelle: Dillenberg

Burgdorf. Die Männer und Frauen hatten nach einem Feuer in der Produktionshalle einer Büroartikelfabrik über Übelkeit, Schwindel und Atembeschwerden geklagt. Bei der Untersuchung des Brandorts stellten Ermittler des Zentralen Kriminaldienstes der Polizei gestern fest, dass bei dem Feuer Posphin ausgetreten war. Die Verbindungen aus Phosphor, Wasserstoff und teilweise organischen Substanzen werden unter anderem als Katalysator bei der Herstellung von Kunststoffen und Pharmazeutika verwendet. Trotz Atemschutz und Einsatzkleidung waren die Feuerwehrleute mit der extrem giftigen Substanz in Berührung gekommen.

Die Feuerwehr und die Polizei haben nach einem Brand in einer Radiergummifabrik mit ABC-Schutzbekleidung nach Chemikalien gesucht.

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Das Feuer, das Unbekannte nach Erkenntnissen der Polizei in der Halle der Firma Gutenberg-Läufer gegen 6 Uhr gelegt hatten, brachte die Einsatzkräfte bereits bei der Löschaktion bis an ihre Grenzen. Zwar konnten die Helfer die Flammen schnell löschen, mussten aber wenige Stunden nach Ende des Einsatzes erneut ausrücken. Wilhelm Wehrhahn, Geschäftsführer des Burgdorfer Unternehmens, hatte den Notruf gewählt, weil ein Fass in der Halle dampfte und zu bersten drohte. In dem Gebäude werden unter anderem Tinte, Stempel und Kinderklebstoffe produziert.

Die Feuerwehr löste Großalarm aus und barg den Behälter mit dem Lösungsmittel Dowanol PM. Der leicht entzündbare Inhalt hatte sich bei dem Feuer so stark erhitzt, dass Flüssigkeit aus dem Fass austrat. Als die Einsatzkräfte die Tonne in eine Wanne stellten, um das Lösungsmittel aufzufangen, zersetzte dieses auch den Auffangbehälter. Erst eine Entsorgungsfirma schaffte es, die Gefahr zu bannen.

Mehrere Feuerwehrleute mussten nach dem Löschen eines Brandes mit gesundheitlichen Problemen in ein Krankenhaus gebracht werden.

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Der größte Schock ereilte die Einsatzkräfte jedoch erst einen Tag später. Am späten Donnerstagabend löste die Feuerwehr Burgdorf den Alarm „Massenanfall von Verletzten“ aus, nachdem zahlreiche Kameraden über körperliche Probleme klagten. Schnell ergab sich der Verdacht, dass Übelkeit, Atemnot und Schwindel in direkter Verbindung mit dem Einsatz in der Fabrik standen. Die Leitung der Feuerwehr kontaktierte daraufhin alle 130 am Einsatz beteiligten Kräfte und untersuchte sie zunächst in der Feuerwache Burgdorf. Von dort brachten Rettungswagen einen Großteil der betroffenen Einsatzkräfte in Krankenhäuser zur stationären Behandlung. Erst waren 36 Stunden Beobachtungszeit angeordnet. Inzwischen wurde die Dauer auf 72 Stunden erhöht.

Brandermittler der Polizei, unterstützt von den Spezialkräften der Feuerwehr Hannover untersuchten gestern erneut den Brandort. Mit Schutzanzügen, die gegen Flüssigkeiten und Gase dicht sind, nahmen die Feuerwehrleute der ABC-Messtechnik Proben und versuchten, die Entstehung des giftigen Gases zu rekonstruieren – aber ohne Erfolg. „Bisher ist noch unklar, wie das Gas freigesetzt wurde“, sagt Polizeisprecherin Anja Gläser. Die Brandermittler der Polizei werden in den kommenden Tagen weitere Untersuchungen durchführen. Dann soll auch die Höhe des Schadens, der bei dem Brand entstanden ist, genauer beziffert werden.

Von Jörn Kießler und Anette Wulf-Dettmer

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