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Helfer ärgern sich über Bürokratie

Burgdorf/Hannover Helfer ärgern sich über Bürokratie

Seit einem Dreivierteljahr kümmern sich Susanne und Dieter Katzberg um eine geflüchtete, kurdische Familie - in den vergangenen Monaten vor allem um zwei Männer, die sich auf eigene Faust von Syrien nach Burgdorf durchgekämpft haben. Nun kämpfen sie gegen die Bürokratie.

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Zu viel Papier, zu unverständliche Anträge und vor allem zu lange Bearbeitungszeiten: Flüchtlingshelfer kritisieren das Jobcenter.

Quelle: Symbolbild

Burgdorf. "Nein", sagt Susanne Katzberg ernüchtert nach monatelangem Schriftverkehr mit dem Jobcenter, "eine solche Wust an Papieren und Dokumenten habe ich nicht erwartet." Das Ehepaar hatte zunächst über den Verein Bürger für Bürger den Kontakt zu einer Familie aufgenommen, als diese in der Wallstraße eine Wohnung fand und zwei Verwandte ebenfalls dort strandeten, dehnten sie ihre Hilfe aus.

"Wir haben für sie zum 1. April eine Wohnung gefunden und sie zu den Behörden begleitet", blickt Susanne Katzberg zurück. Dass die Flüchtlinge für die Ummeldung in der neuen Wohnung drei Anläufe und ein neues Formular benötigten - geschenkt, denn etwa vier Wochen nach dem Umzug schien alles in die Wege geleitet worden zu sein. "Doch dann begann der Papierkram erst richtig", sagt Susanne Katzberg, die wegen ihrer Arbeit als Nachlassverwalterin durchaus Behördenwege und Akten kennt.

Allerdings mussten auch sie und ihr Mann, von Berufs wegen Jurist, sich erst in die Anträge des Jobcenters einlesen. "Wir haben immer im Auftrag der beiden Männer geschrieben", sagt Susanne Katzberg und fügt hinzu, beide Briefe seien immer zeitgleich als Bedarfsgemeinschaft versandt worden. Dennoch habe der Jüngere inzwischen eine Krankenkassenkarte und eine Nummer bei der Rentenkasse, der Ältere hingegen besitzt beides noch nicht. Für ihn hat das Jobcenter bislang keine anteilige Miete überwiesen, für beide noch keine Kaution. "Welcher Vermieter lässt nach solchen Erfahrungen darauf ein, einer Flüchtlingsfamilie eine Wohnung zu geben?", fragt Susanne Katzberg.

Die Helfer nahmen Kontakt zu Imke Fronia von der Diakonie auf, die mit ihrem Kollegen David Summann als Behördenlotsen im Auftrag des Jobcenters agieren. "Aber auch auf dem Weg kamen wir nicht weiter", sagt Susanne Katzberg und kritisiert die Papierflut, mit der das Jobcenter, aber beispielsweise auch die GEZ, die Flüchtlinge konfrontierten. "Die können kaum Deutsch, sollen aber umfangreich Auskunft geben - das passt nicht", sagt sie.

Auch wenn das Ehepaar sich zwischenzeitlich hilflos fühlte angesichts der Bürokratie und fehlender Erfolge: "Wir haben jetzt die Miete und die Kaution überwiesen", sagt ein Mitarbeiter des Jobcenters und fügt hinzu, seine Behörde sei zwar nicht zuständig für die Rentenversicherung und eine Versichertenkarte bei der Krankenkasse. "Aber wir werden mal nachfassen", verspricht er. Zudem weist er auf die unterschiedlichen Abläufe hin, die sich Außenstehenden oftmals nicht erschließen würden: "Eine Bedarfsgemeinschaft sind nur Paare und Kinder, aber beispielsweise nicht Brüder", nennt er ein Beispiel. Es gebe noch die Differenzierung zwischen Wohn-, Zweck- und Haushaltsgemeinschaften, die das Jobcenter prüfen müsse. "Viele dieser Richtlinien, auch bei der Haushaltausstattung, haben nicht wir entwickelt, wir müssen sie aber umsetzen."

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