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78-Jährige gärtnert mit Flüchtlingen

Burgdorf 78-Jährige gärtnert mit Flüchtlingen

Gärtnern gegen die Langeweile im Wohncontainer: Die 78 Jahre alte Margarethe Bredemeier hat mit einer Gruppe von Flüchtlingen, denen sie auch Deutschunterricht erteilt, neben den Wohncontainern am Ende der Friederikenstraße Gemüse- und Blumenbeeten angelegt.

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Salah Marandi hat diesen zauberhaften Schmuckgarten vor dem Fenster seines Zimmers im Nordblock der Flüchtlingsunterkunft an der Friederikenstraße angelegt.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. In den Wohncontainern leben laut Sozialabteilung der Stadt gegenwärtig 81 Menschen. 89 hätten in den Zimmern dort Platz. Immer wieder einmal aber werde ein Asylbewerber anerkannt und suche sich dann seine eigene Bleibe, sagt Renate Feldmann von der Sozialabteilung im Rathaus.

Es sind ausschließlich Männer, die dort ein sicheres Dach über dem Kopf gefunden haben. Sie alle stammen aus dem Irak und aus Syrien. In der knallgrün angestrichenen Unterkunft aus Stahl am Ostrand der Stadt grassiert die Langeweile. Unter ihr leidet auch Quasim, 46 Jahre alt, ein Gärtner aus Bagdad. Er und eine Handvoll weiterer Männer sind deshalb heilfroh, wenn Margarethe Bredemeier in ihrem silberfarbenen Kleinwagen vorfährt. Die 78-Jährige erteilt den Männern in der Küche dreimal in der Woche Deutschunterricht. Und sie hat ihnen aus dem Benefizz-Laden Bücher in deutscher Sprache besorgt, vor allem über Pflanzen und das Gärtnern.

Die Lektüre der Gartenbücher treibt bereits Blüten. Vor den Containern sorgen Hyazinthen, Primeln und Stiefmütterchen für Farbtupfer. Quasim und Fouad, ein weiterer Flüchtling, haben zwei Blumenbeete angelegt. Auch im Innenhof der Containersiedlung hat Quasim fachmännisch Hand angelegt. Zusammen mit Saif, Rayan, Achmed und Sabha hat er in mehreren Gemüsebeeten Kartoffeln und Zwiebeln angepflanzt. Auch Dicke Bohnen, Brokkoli und Zucchini wachsen dort. Und sogar Okra, eine vor 3000 Jahren bereits von den Ägyptern an den Ufern des Nils kultivierte Gemüsepflanze, hat Quasim eingesetzt.

Paprika, Auberginen und Blumenkohl sollen später dazukommen, sagt Quasim, den Bredemeier bisweilen etwas bremsen muss, weil er die klimatischen Bedingungen hierzulande dann doch etwas zu optimistisch einschätzt. Denn wenn Quasim an einem sonnigen Frühlingstag zum Himmel blickt, dann keimt in ihm der Wunsch, auch Orangenbäume anzupflanzen. "Keine Chance. Zu kalt hier", sagt Bredemeier dann zu ihrem Schützling, der sich sichtlich schwer tut, ihr Glauben zu schenken.

Im März, um Ostern herum, hat Bredemeier mit den Flüchtlingen das Gärtnern begonnen. Die leidenschaftliche Natur- und vor allem Blumenliebhaberin wohnt selbst in einem Mehrfamilienhaus am Marris-Mühlen-Weg. Weil sie dort ihrer heimlichen Liebe nicht frönen kann, gärtnert sie mit den Flüchtlingen an der Friederikenstraße nach dem Vorbild der Stadt Andernach. Die Stadt am Rhein war 2010 die erste Stadt in Deutschland, in der man nicht nur Tulpen und Narzissen in den öffentlichen Grünanlagen haben wollte und deshalb brachliegende Flächen in Gemüsegärten umwandelte. So etwas wünscht sich Bredemeier auch für ihr Burgdorf.

Zunächst allerdings hofft die 78-Jährige, dass das gemeinsame Gärtnern mit den Flüchtlingen ein Erfolg wird. Die Stadt unterstützt sie dabei nach Kräften. Eine Sozialarbeiterin hat bereits  Pferdeäpfel zum Düngen besorgt, der Gärtnerbauhof hat Rindenmulch gebracht. Demnächst sollen die Regenfallrohre an den Containern in Regentonnen münden, um Gießwasser zu gewinnen. Drei Kirschbäume sollen noch gepflanzt werden. "Es ist wie eine ansteckende Krankheit", sagt Bredemeier erfreut, weil vor und hinter dem Containerblock im Norden weitere Flüchtlinge eigenständig weitere Beete angelegt haben.

Renate Feldmann von der Sozialabteilung der Stadt will nicht ausschließen, dass Bredemeiers Initiative Schule machen könnte in der Stadt und später auch  Flüchtlinge in den Unterkünften am Sorgenser Dreieck und bei der Feuerwehr ihr Gemüse selbst anbauen.

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