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Gerichtstermin in der Feldmark

Otze Gerichtstermin in der Feldmark

Mehr als zwei Stunden hat der Verkehrssenat des Oberlandesgerichts Celle am Montagnachmittag einen Unfallhergang untersucht, der sich vor inzwischen gut sechs Jahren in der Otzer Feldmark ereignet hat.

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Auf dem Weg zum Unfallort: Der Verkehrs
senat, die Klägerin und der Beklagte sowie die Zeugen schauen
sich den
Celler Weg an.

Quelle: Antje Bismark

Burgdorf. Den 7. April 2009 vergisst die Reiterin nie mehr: Sie führte ihr Pferd auf dem Celler Weg in Richtung Felder, als sie hinter sich ein lautes Motorgeräusch hörte. „Ich habe mich deshalb umgedreht, weil ich erst an ein Autorennen dachte“, sagte sie am Montag beim Ortstermin. Dann habe sie die Fahrbahnseite gewechselt, weil dort ein festgefahrener Bereich vor einem Misthaufen mehr Platz zum Ausweichen geboten habe. Sie habe Raum zwischen sich und das Auto bringen wollen. „Anschließend habe ich einige Sekunden gestanden und in Richtung Ort geschaut“, berichtete sie. Wie ein Flashback erlebe sie die letzte Erinnerung immer wieder: „Der rast direkt auf dich zu.“ Dann habe sie einen Schlag verspürt - offenbar von ihrem Pferd, das in dieser Situation gescheut habe. Auch an das weitere Geschehen könne sie sich nicht mehr erinnern. Bis heute - und wahrscheinlich für die Dauer ihres Lebens - wird die Frau unter den Folgen der schweren Kopfverletzungen leiden.

Der Autofahrer indes wies diese Darstellung zurück: Die Reiterin und ihr Pferd hätten sich auf der anderen Fahrbahnseite befunden, als er rechts zum Misthaufen abgebogen sei. Dort wollte er Kaninchendung entsorgen. Er sei bereits schon ausgestiegen gewesen, als das Pferd ohne erkennbaren Grund „hochgestiegen“ sei. Zweimal, dann habe das Tier die Frau auf die Fahrbahn gezogen und sei davongelaufen. „Ich bin zu der Frau gegangen und habe sie auf die Seite gedreht, sonst wäre sie an ihrem Blut erstickt“, sagte der Mann, der in einer nahe gelegenen Tierarztpraxis Hilfe holte.

Auch die Ersthelferin, eine Angestellte der Polizei, wurde am Montag als Zeugin gehört. Sie berichtete zunächst von einem roten Golf, der schon im Ort sehr dicht hinter ihr gefahren sei. Als sie in die Straße zur Tierärztin abgebogen sei, habe er ihren Wagen „sehr sportlich und schnell“ überholt. Den Unfall selbst beobachtete die Burgdorferin nicht, sie kümmerte sich um die Schwerverletzte, nachdem der Golf-Fahrer den Reitunfall gemeldet hatte. Noch immer sehe sie die Blutlache vor sich, sagte sie. Diese symbolisierte gestern eine rote Plastiktüte auf der Fahrbahn.

Die Vorsitzende Richterin Annemarie König untersuchte mit dem Senat den Unfallort erstmals, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) die Klage der Reiterin gegen den Autofahrer zurück ans OLG verwiesen hatte. Mit einem Metermaß, Stöcken und einer Testfahrt versuchte der Senat, das Unfallgeschehen nachträglich zu rekonstruieren. Das Urteil wird am 20. Januar verkündet. Dabei geht es um die Frage, wie das Gericht die Gefahr, die ein Pferd als Tier darstellt, gewichtet gegenüber der Gefahr, die in der konkreten Situation vom Auto ausgegangen ist. Seit dem Unfall kämpft die Reiterin darum, dass der Autofahrer für sämtliche Schäden aufkommen soll. Diese Forderung lehnte vor dem OLG auch das Landgericht Hannover ab, nun sorgten der BGH und der Ortstermin für einen aus Sicht ihres Anwaltes Christian Reinicke ersten Erfolg.

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